Im Zeichen der Ökumene und im Sinne des Rotstifts

Katholiken und Protestanten sollen zusammenarbeiten - neue Kirchenprojekte laufen.

Die Kirchengemeinden Bredenscheid und Sprockhövel fusionierten zu einer Gemeinde mit dem Namen Evangelische Kirchengemeinde Bredenscheid-Sprockhövel. Seit dem 1. Juli 2015 sollen sie als Antwort auf die aktuellen Probleme zusammenwachsen. Bredenscheid war für eine eigene Pfarrstelle (die nach den Zahlen der Gemeindeglieder berechnet wird) zu klein geworden.

Das Bistum Essen und die evangelischen Landeskirchen Rheinland und Westfalen wollen enger zusammenarbeiten. So soll es unter anderem mehr ökumenische Angebote in den Gemeinden geben. Die Vertreter der Kirchen, darunter Bischof Overbeck vom katholischen Ruhrbistum und der Präses der evangelischen Kirche im Rheinland, Rekowski, unterzeichneten jetzt eine gemeinsame Erklärung. Darin werden die Gemeinden unter anderem aufgefordert, Kirchen zusammen zu nutzen und auch mehr ökumenische Gottesdienste zu feiern.

Außerdem sollen Pfarrer konfessionsübergreifend Aufgaben in allen Gemeinden übernehmen können. So wollen Katholiken und Protestanten auch sinkenden Mitgliederzahlen entgegentreten und wieder an Bedeutung gewinnen.

Fusionen und Aktionen
In vielen Gemeinden sind die Anfänge zum konfessionsübergreifenden Arbeiten bereits gemacht. In 2016 startete in Hattingen das Projekt „Licht an“ und suchte fernab der Kirchenmauern andere Orte auf, die für alle Konfessionen geöffnet waren. „Hunderte von Menschen sind mit einer guten Nachricht erreicht worden. Auch solche, die bisher noch nicht tief in der Kirche verwurzelt waren“, berichtet Pastoralreferent Udo H. Kriwett von St. Peter und Paul Hattingen. Deshalb will man an den Veranstaltungen auch in diesem Jahr festhalten.
„Wir wollten uns nicht nur mit der Anzahl der Pfarrstellen und der Gebäude beschäftigen. Wir wollten, dass die Gemeinde, jeder Einzelne, das Projekt trägt und die Gestaltung unabhängig von Gebäuden stattfindet“, so Kriwett. Das scheint gelungen, denn viele Helfer machten einen bunten Veranstaltungsreigen möglich. Ob Lagerfeuerromantik, Kaffeehausatmosphäre, Menschenkette, Open-Air-Kino, Rotes Sofa, Meditation, Trauerarbeit oder Kinaesthetics (Bewegungsangebote für ältere Menschen) – das gemeinsame Ziel war es, sich außerhalb der Kirchengebäude zu präsentieren“, erzählt er.
Das Bistum Essen beteiligte sich an den Kosten für diese neue Veranstaltungsreihe und finanziert rund 85 Prozent.

Kirche der Zukunft
„Das dürften rund 35.000 Euro im letzten Jahr gewesen sein. Insgesamt hat das Bistum für drei Jahre bis einschließlich 2017 für alle 41 Pfarreien sechs Millionen Euro aufgelegt. Das Geld ist aber zweckgebunden und man muss eine Förderung beantragen. Es geht nicht darum, mit dem Geld einfach die Renovierung eines Gebäudes zu unterstützen“, so Pastor Winfried Langendonk, St. Peter und Paul Hattingen.
Nicht zuletzt deshalb, weil das Projekt „Zukunftsbild“ vom Bistum entwickelt wurde und die Idee „Licht an“ genau in diese Richtung weist, erhielt Hattingen Fördermittel.

Rotstift regiert
Doch nun muss das, was gesät wurde, auch aufgehen. Denn die vielen Aktionen haben einen ernsten Hintergrund: Ende 2017 möchte das Bistum von den Verantwortlichen der Pfarrei wissen, wie sie in Zukunft aufgestellt sein wird. Dies betrifft auch die Fragen, welche Gebäude und finanziellen Mittel benötigt werden.
Und es betrifft die Frage, auf was möglicherweise auch verzichtet werden kann.
Sparen kann und muss man auch durch Zusammenschlüsse. So geschehen in Bredenscheid und in Sprockhövel, die sich zum 1. Juli 2015 zur Gemeinde Bredenscheid-Sprockhövel vereinten. Eine reine Vernunfsehe, denn auch hier traf man die Entscheidung auf der Grundlage sinkender Mitgliederzahlen in der Gemeinde und dem Rotstift, der bis heute die Regentschaft übernommen hat. Schon seit 2011 gibt es eine gemeinsame Jugendreferentin; bei der Konfirmandenbetreuung arbeitet man zusammen.


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