Hilft ein Schnaps wirklich?

Wer kennt nicht die guten Ratschläge, ruhigen Gewissens ein Glas Rotwein, Sekt oder Schnaps zu sich zu nehmen? Nach einem guten Essen hilft ein Schnaps der Verdauung, ein Glas Sekt dem Kreislauf am Morgen auf Touren zu kommen, und ein Glas Rotwein am Abend dem Herzen, weil er so gesund ist.

 

In einigen der Weisheiten steckt sogar ein Körnchen Wahrheit. Tatsächlich ist der praktische Nutzen der Trinkempfehlung deutlich geringer als der Promillegehalt des Getränks:
Ein Schnaps hilft bei der Verdauung. Dieser Satz ist schlichtweg unzutreffend. Alkohol beschleunigt weder die Magentätigkeit noch die Verdauungsfähigkeit der aufgenommenen Nahrung. Gerade das Gegenteil ist der Fall, Alkohol verschlechtert sogar die Nahrungsaufnahme im Darm, sodass der Magen am Ende länger gefüllt bleibt.
Ein Glas Sekt am Morgen hilft dem Kreislauf. Tatsächlich, ein Gläschen Sekt regt den Blutdruck an. Das zweite Glas Sekt macht uns dagegen müde.
Rotwein ist gut fürs Herz. Rotwein enthält den Inhaltsstoff Resveratrol, der wiederum ein Protein namens Sirtuin in Gang setzen kann und der Vorbeugung von Krebs- und Herzinfarkterkrankungen dient. Der Vorteil ist nicht unumstritten: der positiven Wirkung stehen die Gefahren von bereits maßvollem Alkoholgenuss entgegen. Alkohol ist und bleibt ein Nervengift und Droge.
Alkohol hilft beim Einschlafen. Ja, Alkohol ermüdet, das Einschlafen wird erleichtert. Dickes „Aber“: der Schlaf ist schlechter, weil die sogenannten Tiefschlafphasen nicht erreicht werden. Der Schlaf mit der promillehaltigen Einschlafhilfe ist also nicht so erholsam.
Frauen werden schneller betrunken als Männer. Das ist so. Frauen haben weniger Flüssigkeit im Körper, weshalb sich die Alkoholkonzentration im Vergleich zu Männern höhere Werte erreicht. Zudem ist die Aktivität der weiblichen Leber geringer, weshalb Frauen schneller betrunken werden und den Alkohol auch langsamer abbauen.
„Geübte“ Trinker vertragen mehr Alkohol. Einzig das Gehirn gewöhnt sich an Alkohol, die Leber jedoch nicht. Wenn Gewohnheitstrinker sich nicht betrunken fühlen, ist der Führerschein bei einer Kontrolle trotzdem genauso schnell weg. Da hilft auch fettiges Essen als Grundlage nicht. Einmal getrunken, erreicht der Alkohol früher oder später das Blut. Der Kater kommt am Ende trotzdem.
Alkoholfreies Bier ist frei von Alkohol. Keineswegs, auch alkoholfreie Getränke können bis zu 0,5 Prozent Alkohol enthalten und gelten trotzdem als „alkoholfrei“. Erst ab 1,2 Prozent muss der genaue Alkoholanteil auf der Flasche stehen.
Auch wenn es genügend Gegenbeispiele gibt, zum Beispiel, dass Wein in den südlichen Ländern ein Grundnahrungsmittel ist und die Leute dort besonders alt werden oder Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt bis ins hohe Alter „Kette“ geraucht hat, steigt das eigene Risiko, durch Alkohol zu erkranken.