Herbedes Zukunft: Die Argumente der beiden Seiten klingen plausibel

Mit „Adli“ ist nun ein wichtiger Anbieter aus dem Herbeder Zentrum verschwunden.

Gelungene Ansiedlung: Der Umzug von Edeka von der Meesmannstraße ins Gerberviertel wird von den Kunden begrüßt, der Lebensmittelhandel ist größer, heller und hat ein erweitertes Sortiment. Doch was muss in der Meesmannstraße passieren?

Der Streit um das Herbeder Gerberviertel mit dem alten Schulgebäude dauerte Jahre und war erbittert. Die Kontrahenten – ein Bürgerkreis, die ansässigen Kaufleute und die Herbeder CDU – wollten so etwas wie ein Bürgerzentrum einrichten, nur keinen großen Lebensmittelhändler ansiedeln.
Die andere Seite, angeführt von den Wittener Sozialdemokraten und vom Edeka-Pächter in der Meesmannstraße, wollten schon. ­Zwischenzeitlich standen die Zeichen auf Bürgerentscheid. Das war kurz vor der Kommunalwahl. Da überlegten es sich die Befürworter noch einmal und stimmten einem sogenannten Referendum zu. Das bedeutete ­einen gewissen Aufschub.
Die Argumente der beiden Seiten klingen plausibel: Wenn ein großer Lebensmittelhandel im Gerberviertel entsteht, bleiben Kunden der Meesmannstraße fern, es fehlt dann an der sogenannten Laufkundschaft. Das führt zu Leerstand. Und: Wenn kein Lebensmittelhandel im Gerberviertel seine Türen öffnet, dann fahren die Kunden nach Heven oder ins Hammertal. Kurzum: Kaufkraft geht verloren.
Kräfteverhältnis hat sich verschoben
Im Laufe der Auseinandersetzung hat sich das Kräfteverhältnis verschoben. Herbeder Kaufleute und die CDU wechselten ins andere Lager und machten schließlich den Weg frei für den Umzug von Edeka in einen viel größeren Laden im ehemaligen Gerberviertel, wo inzwischen das alte Ziegelgebäude der ehemaligen Schule abgerissen worden war.
Auf dem Weg dahin hatten die Ansiedlungsbefürworter noch ein Gutachten in Auftrag gegeben, ob denn ein neuer Lebensmittelhandel im Gerberviertel überhaupt nötig sei oder ob das Angebot in der Meesmannstraße nicht reiche? Die Gutachter kamen zu dem Ergebnis: Es reiche, die Herbeder seien mit Lebensmitteln gut versorgt, „Aldi“, „Netto“ und „Edeka“ böten genug. Das passte nicht ins Konzept der Befürworter und das Gutachten wurde in der Folgezeit nur noch von den Gegnern ­zitiert. Und wer hat nun Recht?
Beide Seiten haben Recht, so scheint es. Mit „Aldi“ verschwindet nun ein wichtiger Anbieter aus dem Herbeder Zentrum, und einige Kaufleute – aufmerksame Beobachter überrascht das nicht – befürchten nun einen ähnlichen Leerstand wie in der Stadtmitte.
Auf der anderen Seite sind Kunden voll des Lobes über die Ansiedlung im Gerberviertel und fahren nicht mehr nach Heven oder ins Hammertal. Kurzum: Die Ansiedlung von „Edeka“ dort ist rundum gelungen und ein Erfolg. Dazu wird dieser Teil von Herbede noch durch das Ärztezentrum mit Apotheke im ehemaligen Rathaus nebenan aufgewertet ebenso wie durch die neuen Altenwohnungen, die ein paar Meter weiter auf einer ehemaligen Bundesbahnfläche entstehen. Und Haus Herbede hat wieder einen neuen Gastronomen.


Bilder