Heizsaison beginnt: Fehler, ­Irrtümer und Internetkäufe

Experteninterview zu Beginn der kalten Jahreszeit – Der berühmte Schluck Wasser.

Deutschland, deine Heizungskeller, Fortschritt sieht anders aus: Was viele stehen haben, hat seine beste Zeit hinter sich, das Durchschnittsalter von Heizungen liegt bei rund 18 Jahren. Höchste Zeit also, die alte Heizung rauszuschmeißen. Die Fachleute vor Ort beraten gerne, welches System zum Haus oder zur Wohnung passt.

In der Regel dauert die Heizsaison von Oktober bis April. Für ein wohlig warmes Zuhause ist eine funktionstüchtige und verlässliche Heizung dann das A und O. Doch leider verläuft der Start in die Heizsaison nicht immer reibungslos. Die Experten der Aktion „Intelligent heizen“ informieren über Fehler zu Beginn der kalten Jahreszeit, die ideale Raumtemperatur und Käufe im Internet.
Wenn es um die Heizung geht, ist der Fachbetrieb Ansprechpartner Nummer eins. Um die Anlage fit für die kalte Jahreszeit zu machen, wenden sich 82 Prozent der Eigentümer an einen Fachhandwerker. Andreas Schuh, Obermeister der Innung „Sanitär Heizung Klempner Klima Berlin“ erklärt im Interview, was zurzeit besonders wichtig ist.
Welche Fehler treten bei der Inbetriebnahme der Heizung am häufigsten auf und was sind die Ursachen?
Einer der häufigsten Fehler ist, dass der Wasserdruck nicht mehr stimmt. Wenn eine Heizung über die Sommermonate ausgeschaltet war, fehlt beim Anlaufen häufig der berühmte Schluck Wasser, der nachgefüllt werden muss. Das kann der Fachmann schnell erledigen. Wenn Heizkörper nach der Sommerpause der Heizung nicht ausreichend warm werden, liegt das häufig daran, dass der Stift im Thermostatventil klemmt. Der Handwerker kann den Stift wieder lösen, indem er den Thermostatkopf abschraubt und durch leichtes Klopfen wieder gangbar macht.
Welche Heiztechniken stehen beim Kunden momentan besonders hoch im Kurs? Gibt es einen Trend?
Die meisten wollen Brennwerttechnik: einfache, verständliche Technik. Das liegt sicher auch daran, dass der Energiepreis zum Beispiel für Gas im Moment sehr niedrig ist. Die Handwerker weisen in ihren Beratungen aber auch auf neue Technologien und Fördermöglichkeiten hin. Die staatliche Förderung für Brennwerttechnik soll übrigens 2020 auslaufen. Deshalb kann es jetzt schon sinnvoll sein, in Hybridlösungen zu investieren, beispielsweise in die Kombination einer bestehenden Gasbrennwerttherme mit einer neuen Wärmepumpe. Die Wärmepumpe verrichtet über das Jahr die Hauptarbeit. Erst mit dem Absinken der Außentemperatur springt die Gastherme zur Unterstützung an. Damit hätte man weitere 10 bis 15 Jahre Spielraum. In dieser Zeit wird es den nächsten Technologieschub geben und spätere Entscheidungen beeinflussen. Für die Warmwasserbereitung im Gebäudebestand haben sich thermische Solaranlagen durchgesetzt. Wärmepumpen mit Luft-, Wasser- oder Erdwärmeversorgung kombiniert mit Photovoltaik kommen eher bei Neubauten zum Einsatz.
Kuschelig warm ist nicht unbedingt effizient. Wie kann ich sparsam heizen und mich trotzdem wohlfühlen?
Die Norm sagt 20 Grad, aber das ist für den ein oder anderen nicht behaglich. Im Altbau muss man die Raumlufttemperatur häufig auf 22 stellen, um sich wohlzufühlen. Im Schlafzimmer reicht den meisten eine Temperatur von 18 Grad. Generell ist zu vermeiden, dass einzelne Räume oder die ganze Wohnung auskühlen. Studien zeigen: Man muss mehr Energie investieren, um den Raum wieder warm zu bekommen, als wenn man gleichmäßig heizt. Wer in den Urlaub fährt, sollte die Heizung – gerade im Altbau – auf eins stellen. Manchmal reicht auch die Frosteinstellung. Aber ich hatte auch schon einen Fall, da ist in einem sehr kalten Winter die Heizung eingefroren.
Ein paar kleine Reparaturen traut sich der ein oder andere schon mal zu. Hilfe gibt es im Internet.
Es gibt im Internet seriöse Seiten, wo man sich kleine Tipps für Reparaturen anschauen kann. Tiefergehende Arbeiten an der Heizungsanlage sollte wirklich nur der Fachmann übernehmen. Ebenso warne ich vor Internetkäufen. Ich hatte einen Kunden, der hat über das Internet ein Gasheizgerät gekauft und keinen Installateur gefunden, der ihm das einbaut. Unsere Installateure machen das zu Recht nicht. In dem Moment, in dem der Installateur das Gerät anpackt, haftet er für ein Gerät, das er nicht ausgesucht und gekauft hat. Deshalb sollte gerade bei Gasheizgeräten immer der Vertriebsweg Industrie, Großhandel über den Handwerker eingehalten werden. Dann ist auch der Kunde auf der sicheren Seite.
Solange die Heizungsanlage läuft, sehen die wenigsten Eigentümer einen Grund, irgendetwas zu ändern.
Auch wenn man nicht gleich den Kessel austauschen möchte, die Anlage optimieren sollte man in jedem Fall, etwa durch einen hydraulischen Abgleich. Der ist im Grunde ein Muss, um die Anlage effizient zu fahren. Nach meinen Erfahrungen liegen die Einsparungen zwischen 10 und 15 Prozent. Die Optimierung wird sogar vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) mit 30 Prozent Erstattung auf die Handwerkerrechnung gefördert.


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