Hauptstraße: Wie soll die „Meile” in Zukunft aussehen?

Der Bau der Umgehungsstraße L 70n in Sprockhövel rückt auch die Hauptstraße in den Blick. Das sehen mittlerweile alle politischen Parteien so. Sie möchten mit den Bürgern und den Anliegern der Hauptstraße sowie den Händlern die Perspektiven diskutieren.

So wünscht man sich die Hauptstraße: auf verschiedenen Plätzen kann man gemütlich sitzen und seinen Kaffee trinken. Bodo Middeldorf, Stadtverbands- und Fraktionsvorsitzender der FDP, und Bürgermeisterkandidat Volker Hoven (SPD), diskutieren mit Bürgern Ideen.

Das Bündnis aus SPD, FDP und WfS fordert dabei genauso ein Handlungskonzept wie auch die CDU Anträge im Hinblick auf die Zukunft der Hauptstraße formuliert. „Wenn die Hauptstraße in ihrer verkehrlichen Bedeutung durch die L70n abgelöst wird, kann die Rolle als Einkaufsstraße und Ortszentrum voll ausgeschöpft werden“, so die CDU.
Schon in der Vergangenheit hatte die Politik immer wieder das Thema in den Fokus gerückt. Im April 2019 hatten CDU und WIS (Wirtschaftliche Interessengemeinschaft Sprockhövel) in einem Stadtgespräch auf die Möglichkeit einer Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG) hingewiesen. Der nordrhein-westfälische Landtag hatte im Juni 2008 das Gesetz über Immobilien- und Standortgemeinschaften (ISGG NRW) beschlossen und im Juni 2014 novelliert. Damit wurden die rechtlichen Grundlagen für private Initiativen in den Geschäftslagen der Innenstädte, Stadtteilzentren, Wohnquartieren, Gewerbezentren sowie in sonstigen für die städtebauliche Entwicklung wichtigen Gebieten geschaffen. Im Rahmen des ISG-Gesetzes haben die Städte, die Industrie- und Handelskammern sowie die Einzelhandelsverbände die Aufgabe, mögliche Initiativen von Gewerbetreibenden und Immobilieneigentümern beratend zu unterstützen. Stephanie Erben von der IHK erklärt: „Wichtig ist dabei, die Hauseigentümer mit ins Boot zu holen. In unserem Fall wären dies die Eigentümer an der Hauptstraße. Ziel ist es, diese Meile zu einem Lieblingsplatz der Sprockhöveler Bürger zu machen. Dies geschieht beispielsweise durch Entdeckungen, Information, eine Wohlfühlatmosphäre, verbunden mit einem guten Einkaufserlebnis. Funktionieren kann eine solche ISG nur, wenn sie mehrheitlich auf freiwilliger Basis gegründet wird.“ Nur mit ehrenamtlichen Kräften ist ein solche Möglichkeit zur Standortverbesserung nicht zu bekommen. Das machte seinerzeit auch Thomas Helbig, Geschäftsführer der ISG Barmen-Werth, damals schon deutlich. Der Werth, eine der ältesten Fußgängerzonen Deutschlands aus den sechziger Jahren in Wuppertal, war in die Jahre gekommen und sah auch so aus. Jetzt wird er dank der ISG bis 2023 komplett neugestaltet. Dann wäre in Niedersprockhövel die Umgehungsstraße fertig und dadurch würde die Hauptstraße wieder in die Zuständigkeit der Kommune fallen.
Und damit wird ihre Gestaltung für Politik und Verwaltung besonders wichtig. Gemeinsam mit den Ideen zur Verlegung des Busbahnhofs in Niedersprockhövel und der Belebung eines Marktes und Marktplatzes kann der Stadtteil ein völlig neues Gesicht bekommen. Diskutiert wurde das im Rahmen eines Bürgertermins mit dem Landtagsabgeordneten Bodo Middeldorf (FDP), Stadtratsmitglied in Sprockhövel und zugleich Stadtverband- und Fraktionsvorsitzender der Liberalen. Mit dabei war auch Volker Hoven, Bürgermeisterkandidat der Sozialdemokraten, der auch von der FDP unterstützt wird.
Deutlich wurde im Gespräch mit den Bürgern im Café direkt an der Hauptstraße: Eine Fußgängerzone will man nicht, aber eine Verkehrsberuhigung wie in der Gevelsberger Mittelstraße ist gut vorstellbar. Auch eine Einbahnstraßenregelung mit Abfluss über die dann fertige Umgehungsstraße könnte infrage kommen. Ganz wichtig ist den Bürgern mehr Aufenthaltsqualität. Das sehen auch Bodo Middeldorf und Volker Hoven so. „Mit einem guten Materialmix kann man optisch sowohl eine Verkehrsberuhigung erreichen als auch Plätze zur Aufenthaltsqualität schaffen. Zum Beispiel oben an der Sparkasse, an den Kreuzungsbereichen und unten an der Kirche. Außerdem könnte die Verlegung des Busbahnhofs unter dem Gesichtpunkt der Barrierefreiheit neue Perspektiven für einen Marktplatz eröffnen“, beschreiben  die beiden Politiker die Pläne. Ganz neu ist der Grundgedanke übrigens nicht. Die FDP forcierte bereits 1999 die Verlegung des Busbahnhofs - damals allerdings auf die mittlerweile mit Wohnhäusern bebaute „Kernsche Wiese“.  „Wir leisten uns eine große Verkehrsfläche am schönsten Punkt der Stadt. Das müssen wir endlich ändern“, so Middeldorf.
Ganz sicher ist auch: Der Prozess, wohin die Reise gehen soll, wird  unter der Beteiligung Sprockhöveler Bürger erfolgen. 


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