Handeltreibende organisieren sich im Einkaufszentrum

Hattingen ist eine Hansestadt. Unsere historische Serie mit Stadtarchivar Thomas Weiß steht 2020 deshalb gemeinsam mit dem Heimatverein Hattingen und ruhrkanal.NEWS ganz im Zeichen der Hanse-Idee: Gemeinsam handeln und Herausforderungen überwinden.

Für Centermanager Jörg Waldrich ist die Hanse eine wichtige Wirtschaftsorganisation im Handel gewesen.

In unserer Serie „Hattingen historisch“ wirft IMAGE mit Hilfe von Stadtarchivar Thomas Weiß einen Blick in alte Zeiten. Zusammen mit dem Heimatverein widmen wir uns in diesem Jahr der Hanse.

Sie waren kühl kalkulierende Händler, ließen Waren von Handwerkern produzieren und übernahmen dann Logistik und Verkauf - die Kaufleute der Hanse. Vieles aus dem Gedanken der Gemeinschaft hat sich bis heute erhalten und ist Grundlage für Ideen im Handel. Dazu gehören beispielsweise die Einkaufszentren. 1956 entstand mit dem Southdale Center bei Minneapolis (USA) das weltweit erste in einem einzigen Gebäude integrierte Einkaufszentrum. Geplant wurde es von dem in die USA emigrierten österreichischen Architekten Victor Gruen, der als Vorreiter heutiger moderner und komplexer Einkaufszentren gilt. Das in den USA bis dahin neue Konzept, zahlreiche Händler verschiedenster Produkte an einem Ort, in einem Einkaufszentrum, zu finden, verbreitete sich aufgrund großer Beliebtheit sehr rasch auch außerhalb Amerikas. Das erste Einkaufszentrum Deutschlands war das 1964 eröffnete Main-Taunus-Zentrum in Sulzbach bei Frankfurt am Main, als erstes vollklimatisiertes, zweigeschossiges Einkaufszentrum Europas folgte 1967 das Donau-Einkaufszentrum in Regensburg.
In Wien wurde das erste Ausstellungs- und Einkaufszentrum (AEZ) 1957 im Zentrum der Stadt errichtet, wo mehrere Geschäfte auf der Überdachung des Bahnhofes Wien-Landstraße, dem heutigen Wien-Mitte, gebaut wurden. Ab den achtziger Jahren gelangten, oft in Anknüpfung an die Tradition der Passagen des 19. Jahrhunderts, erste Einkaufszentren in die Innenstädte. Zudem wurde eine mehrdimensionale Nutzung ermöglicht, d. h., es wurden Wohnungen oder Arztpraxen integriert.
Am 2. April 2009 wurde in Hattingen das Reschop-Carré mit 16.000 Quadratmeter vermietbarer Fläche und einem Parkhaus eröffnet. „Auch in diesem Center wurde sofort die mehrdimensionale Nutzung in den Blick genommen“, erklärt Centermanager Jörg Waldrich. Mit der Stadtbibliothek und dem Gesundheitszentrum in dem Gebäude wurde neben dem Shoppen auch eine kulturelle und medizinische Nutzung möglich.
Große Ankermieter von Mode- und Technikketten gehören seit der Gründung zum Center. „In Einkaufszentren werden bis heute Synergien im Handel deutlich. Durch einen Branchenmix nutzen wir gemeinsame Handelskraft, um bei den Kunden Kaufkraft zu aktivieren“, so Waldrich.
Der Konkurrenz mit dem Onlinehandel stellt sich das Center durch verschiedene Events. „Wir bieten nicht mehr nur die klassischen verkaufsoffenen Sonntage bei Veranstaltungen in Hattingen, sondern mit Events wie beispielsweise der Ausbildungsmesse auch überdachte Konzepte für ganz andere Bereiche.“
Die kühle Kalkulation der Hanse fließt auch hier ein - denn wer einmal aus anderen Gründen vor Ort ist, der wird auch einkaufen gehen. Kinderaktionen, Feuerwehr und vieles mehr binden das Center an der Südseite der Hattinger Altstadt in die Innenstadt und einen lebendigen Handel ein.  Und: Die einzelnen Händler sind nicht nur vor Ort eine Gemeinschaft im Handel, sondern jeder greift für sich - je nach Größe und Produkt - auf eine globalisierte Handelskette zurück. Ein schwedischer Textilhersteller beispielsweise verfügt über keine eigenen Produktionsstätten, sondern lässt in Asien produzieren.
Laut dem Nachhaltigkeitsbericht von 2011 sind für ihn 747 Hersteller tätig, davon 150 als langfristige Partner, von denen 58 Prozent der Ware bezogen wird. „Die Hanse war ein wirtschaftlicher Machtfaktor und legte einen Grundstein für überregionalen Handel. Bis heute und selbst in schwierigen Zeiten sind Einkaufszentren überdachte Orte des Handels, die von Menschen gerne und gut angenommen werden. Wir sind ein Ort der Begegnung und werden das auch bleiben. Immer im Blick haben wir dabei das, was gerade aktuell möglich ist. Wir setzen die Sicherheits- und Hygienebestimmungen konsequent um, damit unsere Kunden bei ihrem Einkaufserlebnis ein gutes Gefühl haben können.“


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