„Gehirne der Städte” arbeiten im Archivbereich zusammen

Im Sommer 2018 zog das Sprockhöveler Stadtarchiv nach Hattingen. Eine politisch gewollte Kooperation mit dem Hattinger Stadtarchiv im Rauendahl machte das möglich. Mehr Platz und optimale klimatische Raumbedingungen erleichtern hier die Archivarbeit.

Ein gutes Team v.l. hinten Hattingens Stadtarchivar Thomas Weiß, neben ihm Sprockhövels Stadtarchivarin Karin Hockamp. Davor v.l. die Sprockhöveler Archivmitarbeiter in Teilzeit Philipp Maass und Daniela Franz, die Auszubildende Marlene Klutzny, die von Thomas Weiß für die Stadt Sprockhövel zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste, Fachrichtung Archiv, ausgebildet wird, und Benedikt Weiß als studentischer Mitarbeiter. Es fehlt Joshua Crell, der im Stadtarchiv den Bundesfreiwilligendienst absolviert.

Die Geschichte des Sprockhöveler Stadtarchivs hat mehrere Umzüge und viele Diskussionen gesehen und gehört. Nach der Gründung 1986 noch vor Inkrafttreten des Archivgesetzes war das Gehirn der Stadt zunächst mit dem ersten Stadtarchivar Martin Sturm im Rathaus untergebracht. 1991 übernahm Karin Hockamp seinen Job - bis heute.

Zu diesem Zeitpunkt hatte das Stadtarchiv seinen Platz hoch unterm Dach in der Gevelsberger Straße 13. 2008 dann der nächste Umzug nach Niedersprockhövel in leergezogene und zur damaligen Zeit nicht mehr benötigte Pavillons an der Mathilde-Anneke-Schule. Immer wieder waren die Bedingungen des Stadtarchivs ein Thema: Statik, zu hohe Luftfeuchtigkeit in den Räumen (optimal für die Lagerung von Papier sind 14 bis 16 Grad und eine Luftfeuchtigkeit unter 50 Prozent und keine direkte UV-Strahlung), zu wenig Platz - irgendwas war immer. Das änderte sich auch nicht, als erneut über einen Umzug nachgedacht wurde, weil die Mathilde-Anneke-Schule die Pavillons benötigte. Viele Standorte wurden angesehen und bedacht. Zu teuer oder nicht geeignet zur Archivierung von Papier oder auch viel zu abgelegen und daher für die Öffentlichkeit kaum zugänglich - irgendwas war immer. Dann die Idee mit dem Umzug nach Hattingen im Rahmen einer interkommunalen Zusammenarbeit. Zunächst stieß die Idee in der Politik auf Skepsis, doch nach einer vor-Ort-Besichtigung konnte man sich langsam mit dem Gedanken anfreunden. So kam es 2018 zum Umzug.
500 laufende Regalmeter - aneinandergereiht ergeben sie eine Dimension von der heutigen Lage des Archivs im Rauendahl bis zur Ruhr - mussten verpackt, transportiert und wieder ausgepackt werden. So ganz fertig ist man bis heute nicht. Aber es wird!
„Schon 2016, nach dem politischen Beschluss, haben wir mit den Vorbereitungen für den Umzug begonnen“, berichtet Stadtarchivarin Karin Hockamp. Von Anfang war klar: Beide Archive bleiben eigenständig. „Das war der Politik auch wichtig. Das Sprockhöveler Archiv sollte nicht in das Hattinger Archiv integriert werden.“
Doch es gibt viele thematische Überschneidungen. „Die historischen Verflechtungen sind sehr zahlreich und die Kooperation bezüglich der Zugriffe auf das jeweils andere städtische Datennetz muss auf jeden Fall noch verbessert werden“, so Hattingens Archivar Thomas Weiß. Das sei vor allem auch deshalb sinnvoll, weil die Mitarbeiter oft nur in Teilzeit, also stundenweise, vor Ort arbeiteten und so die Bearbeitung von Anfragen besser gewährleistet seien. Und die gibt es reichlich: Vor allem die standesamtlichen Akten werden nachgefragt. Die Ahnen- und Erbenforschung beschäftigt viele Menschen. Auch die Öffentlichkeitsarbeit wird immer wichtiger. „Der Stadtarchivar hockt nicht einsam hinter verstaubtem Papier, sondern er trägt die Geschichte der Stadt nach außen“, so Weiß.
Die logistische Planung beim Umzug war nicht zu unterschätzen. „Man musste schon genau wissen, wo was hinkommt. Man muss auch Lücken lassen für weitere Bestände. Richtig intensiv dauerte der eigentliche Umzug allerdings nur etwa fünf Tage“, so Hockamp.


Immer mehr Nachfragen
Im letzten Jahr waren die Ratsmitglieder der Stadt Sprockhövel vor dem Umzug einmal gucken. Etwa siebzig bis achtzig Menschen nutzen das Sprockhöveler Archiv zu jährlichen Besuchen. Viele von ihnen recherchieren zu Themen, die auch das Hattinger Archiv betreffen und sie finden es natürlich praktisch, jetzt beide Archive unter einem Dach zu haben. Außerdem haben Anfragen per Telefon und per Mail stark zugenommen. „Dabei hat die Archivszene Nachwuchsmangel“, sagt Thomas Weiß und findet: „Am besten ist es, man bildet selbst aus und das machen wir ja auch.“ Das Archivteam beider Städte besteht aus zehn Mitarbeitern. „Die interkommunale Kooperation ist eine erfolgreiche Sache“, sagen alle und finden das Arbeitsklima prima. Spannende Herausforderungen bringt die Zeit mit sich - zum Beispiel die Digitalisierung. „Wir müssen aber trotzdem die Originale vorhalten, denn das Papier sagt auch etwas aus über die Entstehung des Dokumentes“, erklärt Karin Hockamp und ergänzt: „Außerdem muss bei der Digitalisierung natürlich berücksichtigt werden, dass die Dokumente auch nach einem langen Zeitraum immer noch lesbar sind, auch wenn Hard- oder Software nicht mehr aktuell sind oder es kein Update mehr gibt.“ Was sich beide Teams wünschen, ist ein gemeinsamer Archivordner, auf den auch beide Teams zugreifen können - dazu müssen auch die Systeme kompatibel sein.
Sprockhövels Stadtarchivarin Karin Hockamp hat 2018 einen Dreijahresvertrag bis 2021 unterschrieben - mit sieben Wochenstunden. In Teilzeit arbeiten ihr Daniela Franz und Philipp Maass zu. Auch Joshua Crell, der seinen Bundesfreiwilligendienst ableistet, gehört dazu. Und Azubi Marlene Klutzny. Diese wird fertig, wenn für Karin Hockamp 2021 das Berufsleben endet.


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