Feiern oder Trauern? Der 9. November 2018 in Hattingen

Schicksalstag der Deutschen: Ausruf der Republik 1918, Pogromnacht 1938, Mauerfall 1989.

Begrüßen die Zuschauer in der gut gefüllten Gebläsehalle: Bürgermeister Dirk Glaser (rechts) und Moderator Stephan Anpalagam.

Es war schon ein besonderer Tag, dieser 9. November: Anlässlich des 80. Gedenktages der Novemberpogrome, mit denen die Faschisten in aller Öffentlichkeit den Startschuss für die massenhafte Verfolgung und Vernichtung der Juden, auch in Hattingen, gaben, begann in Hattingen eine Aktionswoche „Hattingen hat Haltung“ für Toleranz und Demokratie. Der 9. November ist aber viel mehr - er gilt als Schicksalstag der Deutschen und führt zu der Frage „Feiern oder Trauern?“.

Denn am 9. November 1918 wurde die erste parlamentarische Republik in Deutschland ausgerufen. Am 9. November 1923 fand der Hitler-Putsch statt. Am 9. November 1939 missglückte das Attentat auf Hitler durch Georg Elser im Bürgerbräukeller in München. Und am 9. November 1989 fiel die Mauer...
Robert Laube, Chef des LWL Hattingen, sprach in seinem Grußwort von einem Tag im Bösen und im Guten. Der 9. November 2018 in Hattingen war ein Tag der Demonstration mit rund 1000 Schülern und mit einer bewegenden Veranstaltung in der Gebläsehalle, an der ebenfalls viele Schüler gestaltend teilnahmen. So gab es eine szenische Lesung mit Klezmer-Musik, wobei Helena Happich an der Violine brillierte. Das Projekt „Wegmarken“, eine App zu Stationen der Verfolgung in Hattingen, die von Schülern entwickelt wurde, fand ebenso Beachtung wie Balladen und Gedichte sowie eine Dokumentation einer Studienfahrt in die Gedenkstätte Auschwitz der Gymnasien Holthausen und Waldstraße. Danach gestaltete die Landeszentrale für politische Bildung den Abend - es spielte das Bläserquintett Ensemble Opus 45, es las der Schauspieler Roman Knizka, der auch am Bochumer Schauspielhaus spielte. Kann man einen Gedenktag auch zu einem Feiertag machen? Darf man sich an positive Elemente erinnern, obwohl der Tag ein Gedenken an Opfer und Grauen ist? Das Grauen - es ist geschehen und folglich kann es wieder geschehen. Das sagte Primo Levi, italienischer Schriftsteller und Auschwitz-Überlebender. Sichtbar wurde an diesem Abend eine Kollektivhaltung von Jung und Alt gegen rechte Gedanken und Taten. Und nicht nur ich dürfte mich gefragt haben, warum eigentlich der 9. November in Deutschland kein offizieller Gedenktag ist?


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