EvK Witten Kardiologie: Ein Herz für geriatrische Patienten

Hier werden ältere Menschen mit mehreren Krankheiten optimal für den Alltag eingestellt.

Die Oberärzte Dr. Thomas Horacek und Dr. Christine Starke aus der Kardiologie im Evangelischen Krankenhaus Witten zeigen eine bildgebende Diagnostik über eine Ultraschalluntersuchung des Herzens.

Die Anzahl über 65-jähriger Menschen in den Industriestaaten wird in den nächsten 30 Jahren um 25 bis 35 Prozent steigen. Weil Herz-Kreislauf-Erkrankungen naturgemäß im Alter häufiger auftreten, wird auch ihre Zahl insgesamt zunehmen. „Das ist eine große Herausforderung, die da auf uns Mediziner zukommt. Speziell bei hochbetagten Menschen müssen wir uns die Fragen stellen: Wem lassen wir wie viel Therapie zukommen aus medizinischen, ethischen und am Ende auch aus ökonomischen Gründen?“, sagen Dr. Thomas Horacek und Dr. Christine Starke, Oberärzte in der Kardiologie am Evangelischen Krankenhaus in Witten.

„Bei Patientinnen und Patienten über 80 Jahre treten verschiedene Faktoren auf, die es bei jüngeren in der Form noch nicht gibt: Komorbidität und damit einhergehend die Einnahme vieler verschiedener Medikamente, außerdem sind altersbedingte Gebrechlichkeit und die Komplikationsrate höher“, so Dr. Thomas Horacek. „Rund neunzig Prozent unserer Patienten sind geriatrische Patienten. Sie kommen nach der Akutversorgung beispielsweise eines Herzinfarktes auch von anderen Krankenhäusern zu uns, weil wir hier im Hause den geriatrischen Schwerpunkt haben und diese Patienten optimal auf einen Alltag nach dem Krankenhaus versuchen einzustellen und vorzubereiten.“ Dabei, so Horacek, seien die vorhandenen Krankheiten nicht immer heilbar, sondern man richte sein Augenmerk auf die Frage, wie man am besten mit ihnen im Alltag umgehen könne.
„Zwei Dinge sind dabei besonders wichtig: Zum einen ist es die weitestgehende Schmerzfreiheit, zum anderen die Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung der Selbstständigkeit. Die meisten Menschen haben ja den Wunsch, ihr Leben möglichst ohne fremde Hilfe zu bewältigen. Das ist natürlich auch bei älteren Menschen so. Hier muss man in Zusammenarbeit mit anderen Fachabteilungen unseres Hauses, aber auch mit den Angehörigen des Patienten schauen, was im Einzelfall möglich ist.“
Oberärztin Dr. Christine Starke ergänzt: „In der Geriatrie ist die stationäre Verweildauer der Patienten länger als auf anderen Stationen. Das gibt uns die Möglichkeit, mit diesen Patienten etwas Zeit zu verbringen. Das ist wichtig, um beispielsweise die Dosierung der Medikamente optimal einstellen zu können. Ältere Patienten reagieren oft auf Medikamente anders als jüngere Patienten. Doch für die Einstellung der Dosierung braucht man eben einen bestimmten Zeitfaktor. Dies gilt auch für das Erfassen der Gesamtsituation des Patienten im Alltag und in seiner Wohnung. Wir müssen im Team herausfinden, welche Selbstständigkeit des Patienten außerhalb des Krankenhauses noch gegeben ist und wo Hilfe, etwa durch Angehörige, Freunde oder Nachbarn, notwendig ist. Deshalb ist es unser Wunsch, die Gespräche mit dem Patienten möglichst gemeinsam mit Angehörigen zu führen. So können wir auch einer möglichen Überforderung des älteren Patienten durch die Fülle von Informationen entgegenwirken.“
Von den rund 12.000 stationären Patienten im Evangelischen Krankenhaus in Witten ist die Geriatrie der größte Bereich. Und viele dieser Patienten werden von den Kardiologen behandelt, denn Herz- und Kreislauferkrankungen gehören zu den häufigsten Erkrankungen.  „Besondere Herausforderungen kommen auf uns zu, wenn bei unseren Patienten auch noch dementielle Erkrankungen eine Rolle spielen. Unser Ziel ist es immer, den Patienten eine bestmögliche Lebensqualität zu ermöglichen.“


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