Einzelhändler leisten wichtigen Beitrag zur Lebensqualität

Ketten und Internetversender drücken sich oft, mit Steuern ihren Anteil am Gemeinwesen zu leisten.

Gehen Sie gerne Eis essen? Sie lieben einen Einkaufsbummel? Sie ­sitzen gerne im Straßencafé und unterhalten sich, beobachten das Leben in der Fußgängerzone? Damit wir auch künftig von lebendigen Innenstädten, gastronomischer Vielfalt, einem kulturellen und sozialen Angebot und einer bunten Geschäfts- und Dienstleistungslandschaft profitieren, sollte man Zusammenhänge begreifen: Welche Auswirkung haben ­unsere Kaufentscheidungen auf unser Umfeld?

Einkaufen ist nicht nur Warenbeschaffung, sondern ein Ausdruck von der Verbundenheit mit dem Ort, wo wir wohnen, uns überwiegend aufhalten, wo wir arbeiten. Der zunehmende Einkauf bei den großen Internetversandhäusern oder in Einkaufszentren „auf der grünen Wiese“ führt zunehmend zur Verödung der Innenstädte, zur Zerstörung von Arbeitsplätzen. Das ist nicht mehr zu übersehen – und hat Folgen.
Büchereien, Spielplätze, Museen oder Schwimmbäder werden meist durch Steuergelder subventioniert. Jedoch gerade Unternehmen, die in Deutschland Millionengewinne erwirtschaften, drücken sich oft davor, ­ihren Anteil am Gemeinwesen zu leisten. Das trifft für große Gastronomie- und Imbissketten gleichermaßen zu wie für die großen Internetversender. Alle nutzen das deutsche Rechts- und Gesundheitswesen, Straßen oder die Sicherheit der Rettungsdienste. Die Rechnung ist einfach, geht aber vielfach nicht auf: ­Jeder, der davon profitiert, sollte im Gegenzug auch etwas dazu beitragen.


Mehr als nur die reine Versorgung der Bevölkerung
Um ein Bewusstsein zu schaffen, dass die gewerbliche Wirtschaft mehr als nur die reine Versorgung der Bevölkerung mit Gütern und Dienstleistungen leistet, haben Einzelhandelsverbände eine Kampagne ins Leben gerufen. Die ­„Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein“ hat 2014 „Heimat shoppen“ entwickelt. Fast aller Städte im Ennepe-Ruhr-Kreis sind über die SIHK mittlerweile dabei, die IHK Mittleres Ruhrgebiet (zu der auch Witten und Hattingen gehören) noch nicht. Die Kampagne soll darauf hinweisen, welchen Beitrag heimische Wirtschaft und Handel leisten. Zum Beispiel: Sie sichern Arbeits- und Ausbildungsplätze.
Daneben trägt das vielseitige gesellschaftliche Engagement örtlicher Händler, Dienstleister und Gastronomen zur Belebung unserer Städte bei. Dies zeigt sich vielerorts durch die ehrenamtliche oder finanzielle Unterstützung von Schulen und Vereinen oder Stadtfesten. „Heimat shoppen“ lohnt sich.
Und das aus gutem Grund: Einzelhändler und Gastronomen zahlen Gewerbesteuer. Das ist die wichtigste Einnahmequelle der Kommune. Mit jedem Euro stärkt der Bürger, der lokal einkauft, die Wirtschaftskraft seiner eigenen Kommune. Und er reduziert die Umweltbelastung, denn kurze Wege bedeuten einen Verzicht auf lange Anfahrten und Staus. Außerdem prägen Einkaufsmöglichkeiten und Gastronomie die unmittelbare Umgebung, und je lebendiger diese Angebote sein können, desto attraktiver ist der Ort. „Heimat ­shoppen“ bedeutet Einkaufen bei Nachbarn und Freunden. Der Kunde selbst hat es also in der Hand, ob die Innenstädte erblühen oder veröden. „Er muss verstehen, dass er selbst Einfluss auf die Attraktivität der Innenstädte und somit seiner direkten Umgebung hat“, sagen die SIHK-­Experten. Die Imagekampagne besteht aus einem ­Logo, aus ­Tüten und Flyern. Und aus zwei Aktionstagen am 8. und 9. September als Höhepunkt, deren Ziel es ist, die Bedeutung lokaler Einzelhändler, Gastronomen und Dienstleister für die Städte, Gemeinden und Regionen herauszustellen.


­Eigenes Lebensumfeld mitgestalten
Denn sie alle leisten ­einen wichtigen Beitrag zu mehr Lebensqualität. „Dafür soll beim Kunden ein Bewusstsein entwickelt werden, dass er durch den Einkauf vor Ort und den Besuch in der Stadt sein ­eigenes Lebensumfeld selbst mitgestaltet.“
Jörg Linden, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der IHK Mittleres Ruhrgebiet, zeigt sich von der Kampagne überrascht. „Das Thema, lokal vor Ort zu shoppen, bedienen wir immer wieder. Das ist uns wichtig“, sagt er. „Unsere für den Schwerpunkt Handel zuständigen Mitarbeiter haben berichtet, die Kampagne sei in unseren vier Mitgliederstädten Bochum, Herne, Hattingen und Witten vorgestellt worden. Es habe aber noch kein einheitliches Meinungsbild aus den Städten gegeben. Die IHK Mittleres Ruhrgebiet steht der Kampagne aufgeschlossen gegenüber und wird ein Mitglied der Aktion, wenn die Mitgliederstädte dies wünschen. Bisher haben wir dieses Signal noch nicht erhalten.“
Jörg Linden sieht vorrangig ein Interesse bei kleinen und ­dörflichen Strukturen, die mit dieser Möglichkeit punkten möchten, um die Bürger zum Einkaufen vor Ort zu motivieren. „Grundsätzlich finden wir diesen Ansatz gut. Wir sind aber als Industrie- und Handelskammer für unsere Mitglieder da und setzen auf eine Bewegung quasi von unten nach oben.“ Das soll offenbar die Botschaft sein: Wir brauchen ein eindeutiges Signal der Mitgliederstädte.


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