Ein Verkehrsgespenst geht um in Witten-Herbede

Bürgerversammlung der CDU  über „Perspektiven“: Chaos und sterbender Ortskern?

„Ich freu micht, dass so viele wieder gekommen sind – trotz Corona“, eröffnet Moderatot Klaus Noske von der CDU den Bürgerabend der Partei. Der Saal ist gut gefüllt, viele Blicke richten sich aufs Podium, wo neben Christian Held noch Stadtbaurat Stefan Rommelfanger sitzt, ferner Kreistagsmitglied Ulrich Oberste-Padberg (r.) und Bogestra-Vorstand Jörg Filter.

„Die Lösung spart Zeit und Geld, und sie ist eine schöne“, fasst Christian Held zusammen. Er ist sachkundiger Bürger im Verkehrsausschuss und sitzt als stellvertretender Vorsitzender der CDU Herbede auf dem Podium bei der mittlerweile siebten Veranstaltung der CDU-Reihe „Perspektiven Herbede“, diesmal im Rittersaal von Haus Herbede an der Von-Elverfeldt-Straße.
Wer könnte etwas gegen diese Lösung einwenden!? Nach dem Abriss der Brücke über die Ruhr bevorzugt die CDU die kleine Lösung, „die eigentlich eine große ist“, wie Christian Held es formuliert: Es wird nur eine Brücke über die Ruhr wieder aufgebaut, die „Omega“-Brücke über die Bahngleise fällt weg. Stattdessen wird der Autoverkehr ebenerdig auf Herbeder Seite in Richtung Ortskern geführt. Neben Zeit- und Kostenvorteilen ist der Blick auf das sehenswerte Haus Herbede nicht mehr durch ein Bauwerk verstellt.

 

Denkmalschutz

Die Denkmalschützer mussten nachgeben, es gibt keine Restaurierung der 1934 gebauten „Omega“-Brücke. Die zuständige Obere Denkmalbehörde, die Bezirksregierung in Arnsberg, hatte dem Abriss des 300 Meter langen Bauwerks zugestimmt. Weil die meisten Brücken dieser Art mit einem Bogen ähnlich dem griechischen Omega im Zweiten Weltkrieg zerstört worden waren, setzten sich die Denkmalpfleger des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) für den Erhalt der Brücke ein. Vergeblich. Die Befürworter des Abrisses wiesen auf die maximale Traglast der Brücke hin, die nicht mehr zeitgemäß sei und deswegen zu einem Engpass auf dem Weg von und nach Herbede geführt habe. Immerhin gibt’s eine Auflage: Der Abriss muss dokumentiert werden. Voraussichtlich 20 Millionen Euro soll der Neubau kosten. Seit 2010 ist das Thema aktuell, Prognosen aus dem Jahr 2015 gingen davon aus, dass schon 2018 die Abrissbagger hätten anrollen sollen.

Die ausführende Behörde, der „Landesbetrieb Straßenbau NRW“ (Straßen.NRW), ist das Problem. Sie hat sich noch nicht eindeutig dazu geäußert, reagiert ausweichend und zieht sich hinter das „Eisenbahnkreuzungsgesetz“ zurück. Das besagt: keine beschrankten Bahnübergänge mehr. Soweit, so eindeutig. Aber: „Kein Gesetz ohne Ausnahme“, sagt Christian Held.
Das soll demnächst, vielleicht noch im Frühjahr, mit dem Landes-Verkehrsminister besprochen werden. Die Terminplanung ist im Gange, und wenn der Minister von der besseren Lösung zu überzeugen ist, dann hätten die Herbeder, und mit ihnen der Rest der Wittener, Glück gehabt.

Denn ein „Verkehrsgespenst“ geht um in Witten-Herbede. Neben den fragwürdigen Aussagen der Landesbehörde mit immer wieder verschobenen Bauabschlussterminen soll die wichtige Verbindung zwischen dem Ortsteil und Rest-Witten während der Bauzeit gekappt werden. Das heißt: langwieriger und teurer Umleitungsverkehr, den vor allem die Kämpener fürchten, weil ihr Ortsteil gerne als Abkürzung missbraucht wird, und zwar schon jetzt, wenn es mal wieder Stau auf der Wittener Straße gibt.
Die Prognosen des Landesbetriebes: 2022 sei die Brücke fertig, 2024 der Straßenabschnitt bis zum Kreisverkehr am Ruhrdeich.
Da zeichnen sich düstere Stau-Szenarien ab, zumal nicht nur die Herbeder Brücke erneuert wird, sondern auch die Wittener Straße, beginnend auf dem Stück zwischen Ortsausgang und Blankenstein bis zum Kreisverkehr an der Ecke Sprockhöveler Straße und Ruhrdeich als Auftakt eines bald ein Jahrzehnt dauernden Straßenumbaus längst der Ruhr bis hinter Gedern, also fast bis Wetter.„Ich freu mich, dass so viele wieder gekommen sind – trotz Corona“, eröffnet Moderator Klaus Noske von der CDU den Bürgerabend der Partei. Der Saal ist gut gefüllt, viele Blicke richten sich aufs Podium, wo neben Christian Held noch Stadtbaurat Stefan Rommelfanger sitzt, ferner Kreistagsmitglied Ulrich Oberste-Padtberg und Bogestra-Vorstand Jörg Filter.
Untertitel der Veranstaltung über die „Herbeder Perspektiven“: Brückenneubau – Verkehrschaos und sterbender Ortskern? „Wir Herbeder werden gleich mehrfach geknüppelt“, drückt es Christian Held anschaulich aus. Er wirbt für die „große Lösung“, die baulich eine kleine ist. Selbst die Bezirksregierung habe mal eine „ebenerdige“ Variante vorgeschlagen.
Die Bogestra in Gestalt des Vorstands Jörg Filter konnte nichts Wesentliches dazu beitragen, dass sich die Stimmung des Publikums gebessert hätte. Soviel wurde klar: Eine neue Linie während der mehrjährigen Bauzeit mit Voll- und Teilsperrungen wird es nicht geben, die Umleitungen für die Busse werden wohl ebenso umständlich und weiträumig sein, wie für den Autoverkehr.


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