Die Jahreserinnerung 2019 mit Stadtarchivar Thomas Weiß

Zusammen mit Thomas Weiß, Stadtarchivar in Hattingen, schlägt IMAGE regelmäßig ein historisches Kapitel der Stadt auf. Zum Jahresabschluss wollten wir von ihm wissen, welche Ereignisse und Menschen ihn in diesem Jahr in Hattingen beeindruckt haben und warum.

Hattingens Stadtarchivar Thomas Weiß mit Marlene Klutzny, die zur FAMI – Fachangestellte für Medien und Informationsdienste mit Schwerpunkt Archiv - ausgebildet wird. Sie arbeitet im Hattinger Stadtarchiv an der Seite von Thomas Weiß und hat ebenfalls immer mal wieder für die Historische Serie Material bereitgestellt.

Ein ganzes Jahr haben wir gemeinsam mit Hattingens Stadtarchivar Thomas Weiß bedeutende Ereignisse aus der Stadtgeschichte Revue passieren lassen. Für die letzte Folge in diesem Jahr haben wir ihn gefragt, welche Hattinger Ereignisse für ihn das Jahr 2019 markieren.

„Ganz oben steht für mich im Monat April 2019 der Umzug der Stadtwerke in ihr neues Gebäude. Wer den über 100 Jahre alten Stadtwerkesitz in der Gasstraße mal von innen gesehen hat, der weiß, warum sich die Stadtwerke für einen sieben Millionen Euro teuren Neubau entschieden haben und nicht die kostenintensive Sanierung des alten Firmensitzes umsetzten.“

Ebenfalls im April 2019 beschloss die Hattinger Stadtverordnetenversammlung mit den Stimmen von SPD, Grünen und FDP, das wirtschaftiche Eigentum am städtischen Kanalnetz für 110,7 Millionen Euro an den Ruhrverband zu übertragen. „Diese Entscheidung vor dem Hintergrund einer seit vielen Jahren völlig unzureichenden Städtefinanzierung hat eine große Bedeutung. Seit 1994 hat Hattingen eine negative Haushaltsbilanz und mit dieser Entscheidung soll nun Handlungsfähigkeit sichergestellt werden“, so Thomas Weiß.

Der Stadtarchivar verbindet mit dem zu Ende gehenden Jahr auch die Erinnerung an positive und besondere Veranstaltungen. „Hier möchte ich im Juli 2019 den ersten Blankensteiner Butterbrotmarkt nennen. Diese Kombination aus Food- und Feierabendmarkt ist aus der Initiative des Kulturvereins ArteMedis entstanden. Rund um den Marktplatz den Blankensteinern und ihren Gästen eine besondere Möglichkeit zum Gesprächsaustausch bieten - das ist gut gelungen und bindet sich ein in weitere Initiativen wie die Kleine Affäre, das Forstmanns oder musikalische Veranstaltungen. Nicht nur in Blankenstein - man denke an die Bemühungen zur Belebung im Krämersdorf oder die Aktivitäten vom Bürgerverein Bredenscheid - aber eben dort ganz besonders konzentriert, erleben wir Bürgerengagement für das eigene Quartier.“

Das Engagement der Bürger ist für den Stadtarchivar auch erlebbar im September 2019 bei der ersten Klimademonstration in Hattingen. „Hier gefällt mir besonders gut, dass sich die Generationen verbinden. Jüngere und ältere Menschen zeigen gemeinsam ihren Einsatz und das trägt Früchte. So haben sich im städtischen Haushalt alle Fraktionen für den Klimaschutz positioniert und richten ihre Aktionen in die Zukunft aus. Es gibt, auf den Punkt gebracht, mehr Geld für das Klima und etwas weniger Geld für Gedenkstätten.“

Was dem Stadtarchivar - und vermutlich nicht nur ihm - ebenfalls im Gedächtnis aus 2019 bleiben wird, ist der Einsatz der Feuerwehr wegen Kohlenmonoxid-Verdacht im Swingerclub im Hammertal im November 2019. „Über 300 Gäste mussten das Gebäude verlassen und Linienbusse brachten die oft nur spärlich bekleideten Menschen zur Sammelstelle bei Haus Kemnade. Sicherlich auch für die Einsatzkräfte kein alltäglicher Einsatz.“ Der CO-Verdacht konnte später übrigens nicht bestätigt werden.

Ebenfalls im November 2019 fand mit einer Lesung von „Vater Beimer“ Joachim Luger die Eröffnung des „Forstmanns“ in Blankenstein statt. „Und hier sehen wir wieder ein Engagement der Bürger, in diesem Fall vom Kulturverein ArteMedis“, so Weiß.
Doch es sind nicht nur Ereignisse, die in einem ablaufenden Jahr in Erinnerung bleiben. „Mich haben 2019 zwei Menschen ganz besonders beeindruckt - beide sind in Politik und Verwaltung tätig und  beide tragen den gleichen Vornamen und sie bewerben sich bei der Kommunalwahl im September 2020 beide um das Bürgermeisteramt in unserer Stadt: Frank Mielke und Frank Staacken. Was mich persönlich dabei bewegt ist die Tatsache, dass beide nach den vielen Jahren in ihren Berufen jetzt im Spitzenamt Verantwortung für diese Stadt übernehmen wollen. Dieses Engagement finde ich großartig. Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an die Zeit in den sechziger und siebziger Jahren - da hatten wir nämlich mal drei Namensgleichheiten mit dem Vornamen Willi. Das waren Bürgermeister Will Brückner, SPD-Fraktionschef Willi Mielke und unser ,König von Welper‘, der Bundestagsabgeordnete Willi Michels“, lacht Thomas Weiß.
Unsere „Historische Serie“ wird in 2020 fortgesetzt. Die Themen werden sich eng an die Idee der Hanse anlehnen - denn Hattingen richtet 2020 den Westfälischen Hansetag aus.


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