Corona: geschleust zum Dienst, Kontakte reduzieren

Der Staat versucht auf allen Ebenen die Corona-Infektionen zu verlangsamen, um das
Gesundheitssystem vor einem möglichen Kollaps zu bewahren. Bis mindestens zum
19. April ist das öffentliche Leben fast zum Stillstand gekommen. Eine Zusammenfassung.

Hattingens Feuerwehrchef Tomás Stanke sieht sein Team gut aufgestellt.

In allen Bundesländern sind Infektionsfälle mit dem neuen Coronavirus (SARS-CoV-2) bestätigt worden. Das Robert-Koch-Institut erfasst kontinuierlich die aktuelle Lage, bewertet alle Informationen, schätzt das Risiko für die Bevölkerung in Deutschland ein und stellt Empfehlungen zur Verfügung. Informationen für Bürger stellt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bereit. Viele Behörden und Krankenkassen haben außerdem Hotlines für Bürger eingerichtet.
Zahlreiche Veranstaltungen wurden bis mindestens 19. April abgesagt. Darunter sind sowohl Großveranstaltungen, aber auch Orte für kleinere Versammlungen, beispielsweise Vorträge. Die städtischen Kultureinrichtungen in den Städten (Stadtbibliothek, Stadtmuseum, Musikschule, Stadtarchiv) gehören ebenfalls dazu und bleiben bis mindestens 19. April geschlossen.
„Die mit den Entscheidungen verbundenen Einschränkungen sind für die Bürgerinnen und Bürger des Ennepe-Ruhr-Kreises erheblich. Dennoch führt daran aus unserer Sicht aber kein Weg mehr vorbei. Es gilt schließlich auch, die Kreisverwaltung unter anderem mit Gesundheitsamt, Leitstelle und Krisenstab arbeitsfähig zu halten“, so Landrat Olaf Schade. Weniger Kontakte bedeuteten eben auch weniger Ansteckungsgefahr. Rückkehrer aus Risikogebieten sollen freiwillig in eine Quarantäne gehen – unabhängig davon, ob sie Symptome zeigen oder nicht.
Auch der Hattinger Feuerwehr-Chef Tomás Stanke stand bei einem Pressetermin Rede und Antwort. Sein Fazit: Der größte Schutz für die Feuerwehr selbst beruht in verstärkten Maßnahmen der hauptamtlichen Mitarbeiter, um das Risiko der eigenen Erkrankung zu minimieren und damit die Arbeit der Feuerwehr aufrecht zu erhalten. Stanke sieht sich hier mit seinem Team gut aufgestellt.
„Zunächst einmal geht die hauptamtliche Feuerwehr immer sensibel mit Infektionen um. Das gehört zum Alltag. Wir berücksichtigen dabei die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) und natürlich der anderen Behörden. Wir haben intern bei der Feuerwehr räumliche Veränderungen getroffen – beispielsweise ein Schleusensystem eingerichtet oder Mitarbeiter vor Ort anders zusammengesetzt. Viele Kontakte laufen auch über Telefon oder andere Medien, um eben eine Reduzierung des Risikos zu erreichen“, erklärt Stanke.
Vor allem im Rettungsdienst sei man mit Infektionen vertraut, man denke beispielsweise an den Transport von Personen mit dem Keim MRSA. „Wir sind im administrativen Bereich eine Firma mit rund 100 Mitarbeitern. Wir können die Wege innerhalb der Firma überwachen, aber nicht die Freizeitgestaltung der Mitarbeiter. Das bedeutet konkret: Wenn der Diensthabende in die Firma kommt, zieht er seine Kleidung aus, geht durch eine Desinfektionsschleuse und zieht Dienstkleidung an. Umgekehrt verlässt er auch die Feuerwehr auf diese Weise. Die Einsatzkleidung ist sowieso vor Ort, jetzt auch die Dienstkleidung. Wir kommen geschleust zum Dienst.“
Grund für eine Panik sieht Stanke nicht. Vorsicht hingegen sei geboten. Verstärkte Handhygiene sei wichtig und: „Grundsätzlich sage ich, Hände gehören in der Öffentlichkeit im Moment nicht oberhalb der Linie Schlüsselbein. Dazu gehören auch essen, trinken oder rauchen. Ich halte Abstand zu anderen Personen – soweit dies möglich ist.“
Dies gilt vor allem bei begründeten Verdachtsfällen. In diesem Fall zeigen Menschen Symptome und kommen aus einem Risikogebiet. Risikogebiete sind Gebiete, in denen eine fortgesetzte Übertragung von Mensch zu Mensch vermutet werden kann. Um dies festzulegen, verwendet das Robert-Koch-Institut verschiedene Kriterien (Erkrankungshäufigkeit, Dynamik der täglich gemeldeten Fallzahlen, Maßnahmen (wie Quarantäne ganzer Städte oder Gebiete), exportierte Fälle in andere Länder/Regionen). Die Situation wird jeden Tag neu bewertet, bei Bedarf werden die Risikogebiete angepasst. Derzeit sind dies in Europa vor allem Regionen in Norditalien. Dazu kommen China, Iran und Südkorea – das kann sich aber täglich genauso ändern wie die Einschätzung von besonders betroffenen Gebieten. Dazu zählt in Deutschland der Landkreis Heinsberg in NRW. Für den Feuerwehrchef ist vor allem wichtig, dass sein Team einsatzfähig bleibt – schließlich geht es nicht nur um Corona.

 

Krankheitsverlauf – was wir wissen
Für die Feststellung einer akuten Infektion mit dem SARS-CoV-2 ist der direkte Erregernachweis ausschlaggebend. Dafür ist eine Laboruntersuchung zwingend erforderlich. Es ist nicht möglich, die Krankheit über sichtbare Symptome zu diagnostizieren. Die Krankheitsverläufe verlaufen sehr unterschiedlich. Nach bisherigem Kenntnisstand wissen wir, dass in etwa 80 Prozent der Erkrankungen mild bis moderat verlaufen. Das bedeutet: Patienten haben keine wesentliche Atemnot, verfügen über eine Sauerstoffsättigung im Blut von über 93 % und bekommen in der Regel keine Lungenentzündung.
Vierzehn Prozent aller Erkrankungen verlaufen schwer und bei bisher sechs Prozent war der klinische Verlauf kritisch bis lebensbedrohlich oder endete teilweise tödlich. Die unter 20-Jährigen sind von der Erkrankung kaum betroffen, die stärkste Risikogruppe sind ältere Menschen sowie Menschen mit Vorerkrankungen. Robert-Koch-Institut


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