Bis an Knöchel in Bonbons

Doch was soll denn nun rein in die Tüte?

Sie gehört zum „Ersten Schultag“ wie der Schulranzen – die Schultüte, manchmal auch Zuckertüte genannt. Ihre Geschichte beginnt schon Anfang des 19. Jahrhunderts in Sachsen und Thüringen.
Vor allem Süßigkeiten fanden damals den Weg in die Schultüte, die daher auch den Namen „Zuckertüte“ bekam. Erich Kästner beschreibt in seinen Kindheitserinnerungen „Als ich ein kleiner Junge war“ seinen ersten Schultag 1906 in Dresden und seine „Zuckertüte mit der seidnen Schleife“. Als er die Tüte einer Nachbarin zeigen wollte, ließ er sie fallen, und der Inhalt fiel auf den Boden: Er „stand bis an die Knöchel in Bonbons, Pralinen, Datteln, Osterhasen, Feigen, Apfelsinen, Törtchen, Waffeln und goldenen Maikäfern“.
Der denkwürdige Augenblick
Schultüten sind zuerst in Orten in Mitteldeutschland nachzuweisen. Berlin war die erste Großstadt außerhalb der Ursprungsgebiete, in der Schultüten – vor dem Ersten Weltkrieg allerdings noch selten – gebräuchlich wurden. Erst nach und nach setzte sich der Brauch im Süden und im Westen durch.
Auch ich erinnere mich natürlich an meine Schultüte in Rosa und Gold, die mit zum Fotografen musste – auch das gehörte zum Ersten Schultag. Der denkwürdige Augenblick musste, selbstverständlich mit Schulranzen, im Bild festgehalten werden.
Heute soll das Trostpflaster für den Ernst des Lebens eines nicht mehr sein – süß. Eher gesund und pädagogisch wertvoll, oft auch selbst­gemacht. Denn zum Ende der Kindergartenzeit gibt es ziemlich viele Mütter-Bastelgruppen, die mit großem Eifer die Schultüte für ihren Nachwuchs kreieren. Größe, Gewicht und Inhalt spielen dabei durchaus eine Rolle – und werden hoffentlich nicht als Statussymbol wahrgenommen.
Chance auf gute Bildung
Aber weil die Schule nicht mehr nur als „Ernst des Lebens“ wahrgenommen wird, sondern die Chance auf gute Bildung im Mittelpunkt steht, ist die Tüte auch eher als bunte Wundertüte zu interpretieren. Doch was soll denn nun heute rein in die Tüte? Neben den kleinen Süßigkeiten sind es vor allem nützliche Dinge für die Schule wie Stifte, T-Shirt oder eine Brotdose. Gut kommen auch kleine Überraschungen an wie beispielsweise Schlüsselanhänger, Geldbörse, kleines Kuscheltier oder Puzzle, Sparbüchse oder der erste Leseausweis für die örtliche Stadtbibliothek.


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