Bienen finden sich auch in Städten sehr gut zurecht

Honigsammler halten Einzug in Ansiedlungen und produzieren dort besseren Honig.

Marc Niemeyer kennt keine Berührungsängste im Umgang mit Bienen, er betreibt sein Hobby schon seit seinem 12. Lebensjahr. Bienen handeln uneigennützig, sie setzt sich in ihrem 60-tägigem Leben zum Wohl des Volkes ein – ohne einmal zu schlafen.

Wer hat das Bild nicht vor Augen: Bienen fliegen aus ihren Bienenstöcken in Felder und Wiesen und sammeln fleißig Honig? Dass sich Bienen aber auch in Städten sehr gut zurechtfinden, überrascht. Tatsächlich halten die schwarz-gelben Honigsammler vermehrt Einzug in die Ansiedlungen der Menschen und produzieren dort sogar den qualitativ besseren Honig.
Der Grund ist einfach: Statt Monokulturen und großflächigen Pestizideinsatz auf dem Land finden die Stadtbienen ihre Nektarquellen in Blumenkästen auf Terrasse und Balkon, begrünten Innenhöfen, Dachgärten, Schrebergärten und natürlich in Stadtparks – irgendwas blüht immer in der Stadt. Zudem ist das Mikroklima in den Städten vergleichsweise um zwei bis drei Grad wärmer als im Umland. Bessere Nahrungsquellen und weniger Pestizide tragen dazu bei, dass die Stadtbienen in der Regel gesünder als ihre ländlichen Artgenossen sind und der gefürchteten Varroa-Milbe, die seit 30 Jahren ihr Unwesen auch in Deutschland treibt, mehr entgegensetzen können.
Internationale Bewegung
Mittlerweile hat sich das Imkern in der Stadt zu einer internationalen Bewegung ausgeweitet: Ob Hamburg, Paris oder New York, überall finden sich Anhänger des Freizeit-Imkerns. Beispielgebend in Deutschland ist die Bundeshauptstadt mit ihrer Initiative „Berlin summt“. Sie wurde 2011 ins Leben gerufen, um der sinkenden Zahl von Hobby- und Berufsimkern entgegenzuwirken. In unserer Region versuchen außerdem Initiativen wie das „Bienennetzwerk Ruhrgebiet“, Eigentümer von Flächen und Bienenhalter zusammenzubringen und „Bienen-Weiden“ anzulegen.
Bekannt in Witten ist vor allem das Lehrbienen-Zentrum auf dem Hohenstein. Die meist bunten Bienenstöcke stehen aber auch versteckt im Muttental oder in Vormholz. Die Hardenstein-Gesamtschule entwickelte sogar zusammen mit dem Verein „Honigbären“ das Projekt „Honey-Factory“ zur Honigförderung. Im Vergleich zur Honigbiene haben es die Wildbienen immer schwerer. Allein in Deutschland sind noch über 500 Arten, zu denen auch die Hummeln gezählt werden, heimisch. Sie unterscheiden sich von der Honigbiene je nach Art deutlich in Farbe und Aussehen und haben es auf der Suche nach blütenreichen Lebensräumen und Nistmöglichkeiten in Stadt und Land gleich schwer.
Der Aufwand für den Imkerfreund ist verhältnismäßig gering. Bienen sind mit einer 1 mal 0,5 mal 0,2 Meter großen Holzkiste als Zuhause fürs Volk vollauf zufrieden. Ob im Kleingarten, auf dem Balkon oder der Dachterrasse – der Bienenstock kann an vielen Orten aufgestellt werden.


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