Zwiebelturmkirche: Sprockhövels Wahrzeichen bröckelt

Sanierung in mehreren Bauabschnitten kostet 1,2 Millionen Euro - Mehrere Finanztöpfe.

In einem ersten Bauabschnitt soll im kommenden Jahr ein Gerüst am Kirchenschiff aufgebaut werden und die Dachkonstruktion mit der Beschieferung erneuert werden (Bildvordergrund). Der Kirchturm muss nicht saniert werden. Die Sanierung von Kirchenschiff und Dachstuhl wird mit 400.000 Euro kalkuliert.

Sprockhövels Wahrzeichen, die Evangelische Kirche, im Volksmund liebevoll „Zwiebelturmkirche“ genannt, bröckelt. Die Sanierung ist nicht mehr aufzuschieben und beläuft sich auf 1,2 Millionen Euro in mehreren Bauabschnitten. Zugleich soll mit der Sanierung der Innenraum ein modernes, zukunftsweisendes Konzept bekommen. IMAGE war bei der Begehung mit der Unteren Denkmalbehörde, dem Architekten des Kirchenkreises, Christian Haselhoff, und Pfarrer Arne Stolorz dabei.
Im nächsten Jahr soll es losgehen. „In einem ersten Bauabschnitt werden Kirchenschiff und Dachstuhl saniert. Das kalkulieren wir mit 400.000 Euro. Im Jahr 2019 ist dann der Innenraum an der Reihe. Hier müssen wir uns um die Beseitigung von Feuchtigkeitsschäden kümmern, wollen aber im Zuge der Sanierung auch die technischen Anlagen und die Innenausstattung modernisieren. Wir denken beispielsweise an ein Ersetzen der Holzbänke, die aus den sechziger Jahren stammen, durch eine flexible Bestuhlung, um die Kirche auch für andere Veranstaltungsformen öffnen zu können“, erläutert Pfarrer Arne Stolorz. Auch wolle man dadurch die Möglichkeit bekommen, einen Mittelgang zu gestalten. „In den alten Plänen der Kirche gab es diesen nicht. Dann, bei der Renovierung in den zwanziger Jahren wurde dieser geschaffen. In den sechziger Jahren gab es eine zweite große Renovierung und da waren die alten Pläne wieder aufgetaucht und man entschied sich für sie und gegen den Mittelgang“, erzählt Stolorz.
Auch diese Maßnahmen werden mit etwa 485.000 Euro kalkuliert. Schließlich geht es noch um die Sanierung der Außenfassade, die bekanntlich aus Ruhrsandstein besteht. Da kommen noch einmal 365.000 Euro zusammen.
Ein gewaltiger Brocken für eine Kirchengemeinde aus 7400 Gemeindegliedern, die zwar aktiv und lebendig das Gemeindeleben gestalten, in der Aufrechnung durch die Kirchensteuer aber solche Summen niemals stemmen könnten.
„Die Gemeinde hat aber natürlich Rücklagen“, so Stolorz. „Wir können auf 130.000 Euro zugreifen. Außerdem hoffen wir auf 60.000 Euro aus dem Härtefonds des Kirchenkreises. Dann haben wir 85.000 Euro bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz sowie 50.000 Euro bei der Kirchlichen Stiftung KIBA beantragt. Spenden haben wir in Höhe von 75.000 Euro eingeplant, wovon wir jetzt 44.000 Euro bereits erreicht haben. Wenn das alles klappt, dann haben wir 400.000 Euro zusammen und damit hoffentlich den ersten Bauabschnitt finanziert. Außerdem haben wir beim Landeskirchenamt beantragt, den Verkaufserlös des Pfarrhauses Wuppertaler Straße 123 mit 310.000 Euro zur Finanzierung der Sanierungsmaßnahmen unserer Kirche zu verwenden.“
Den dritten Bauabschnitt will man aus Kostengründen zunächst zurückstellen. Die Fassade soll regelmäßig begangen werden, kleinere Schäden an den Sandsteinen werden ausgebessert, andere Steine ausgetauscht.
„Wir haben immer wieder Erneuerungen an der Kirche vorgenommen. Die Heizung wurde erneuert, 2000 eine Toilettenanlage eingebaut. Auch hier haben wir mit Hilfe von Spenden diese Aus(f)gaben bewältigt. Jetzt hoffen wir wieder, dass die Sprockhöveler bereit sind, für den Erhalt ihres Wahrzeichens einen Beitrag zu leisten“, so Stolorz.
Denn, so der Pfarrer, fast jeder Sprockhöveler verbinde mit der Kirche seine ganz persönliche Geschichte.
Die Kirche, die auf so vielen Fotos immer wieder den eindeutigen Hinweis auf Sprockhövel liefert, hofft bei der notwendigen OP nun auf die Hilfe der Bürger.


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