Ziel ist „leichte Sprache“: Arbeitsgruppe statt Workshop

Verwaltungen und kulturelle Einrichtungen setzen Regeln immer mehr um. Menschen mit Behinderung haben seit 2009 ein Recht auf volle Teilhabe am gesellschaftlichen und politischen Leben.

So sieht ein Beispiel in „leichter Sprache“ aus. Als Premieren-Übersetzungs-­Papier griffen die Verwaltungsmitarbeiter der Kreisverwaltung auf den Antrag zurück, den Menschen mit Behinderung ausfüllen müssen, wenn sie den speziell für sie eingerichteten Fahrdienst nutzen möchten.

So sieht es ein Abkommen der Vereinten Nation vor. Zu dieser Barrierefreiheit zählt ausdrücklich eine Sprache, die auch Menschen mit Lernschwierigkeiten verstehen können. Einfache Wörter und kurze Sätze, keine Abkürzungen und Fremdwörter, viele Absätze und Überschriften sowie große Schrift und erklärende Bilder neben dem Text - die Vorgaben für „leichte Sprache“ sind eindeutig. Die EN-Kreisverwaltung setzt dies bereits um und es gibt erste Broschüren in „leichter Sprache.“ Auch im kulturellen Bereich, etwa der LWL-Museen, gibt es erste Broschüren über die Museen oder ihre Ausstellungen.
Bundesweit hat sich das „Netzwerk Leichte Sprache“ zur Aufgabe gemacht, das gesetzlich verbriefte Recht für Behinderte im Alltag durchzusetzen. 2014 wurde in Bochum von der Lebenshilfe das „Büro für leichte Sprache Ruhrgebiet“ eingerichtet. Und es entstanden weitere Büros mit dem Ziel, leichte Sprache zu vermitteln.
„Da wir dabei für uns völliges Neuland betreten haben, war das natürlich nicht von heute auf morgen und ohne Unterstützung möglich“, betonte Landrat Olaf Schade bei der Präsentation. Mit Annika Nietzio aus dem Büro für Leichte Sprache der Evangelischen Stiftung Volmarstein aus Wetter (Ruhr) konnte der Kreis auf eine kompetente Ansprechpartnerin quasi direkt vor der Verwaltungstür setzen.
Menschen mit Lernschwierigkeiten nehmen das Ergebnis dann unter die Lupe. Von Anfang an klar war die für leichte Sprache übliche Vorgabe: Ohne ihre Zustimmung geht kein Text in Druck.
„Als Modellkommune im Projekt ‚Verwaltungsakte in Leichter Sprache‘ wollen wir den mit dem Forschungsinstitut Technologie und Behinderung eingeschlagenen Weg im Interesse der Betroffenen konsequent fortsetzen“, betont Landrat Olaf Schade. Hilfreich sind dabei die 260.000 Euro, mit denen die Stiftung Wohlfahrtspflege NRW das Vorhaben fördert.
Doch es ist nicht nur die Kreisverwaltung, die in „leichter Sprache” arbeitet. Auch die Museen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) haben begonnen, sich selbst und ihre zahlreichen Angebote in leichter Sprache vorzustellen.
Dabei haben sie nicht nur Menschen mit Behinderungen im Blick, sondern alle Menschen, die die oft komplizierte deutsche Sprache nicht verstehen. Ein Beispiel sind Ausstellungen in den LWL-Museen, zum Beispiel der Hattinger Henrichshütte. Der erste Text in leichter Sprache entstand zur aktuellen Ausstellung „Arbeitskämpfe” - Fotografien des Fotografen Michael Kerstgens, dessen Bilder bis zum 8. Oktober gezeigt werden.
Entwickelt wurde der Text vom Büro der Leichten Sprache der Lebenshilfe in Bochum für alle Menschen.

 


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