Willibald Limberg: Politisches Urgestein mit klarer Kante

Sprockhöveler liebt Eisenbahnen, singt das tiefe „F“ und kümmert sich um Behinderte.

Willibald Limberg liebt Eisenbahnen. Auch sein siebenjähriger Enkel, der in Österreich lebt, spielt gern damit, wenn er den Opa besucht. „Mein Traum ist eine Fahrt von den Victoriafällen nach Kapstadt. Die dauert sechs Tage mit dem ,Pride of Africa‘. Die Fahrt ist aber so teuer, dass sie wohl ein Traum bleiben wird.“

Willibald Limberg (78) ist ein Schwergewicht, ein politisches Urgestein. Und er ist so etwas wie der „Wolfgang Bosbach im Ennepe-Ruhr-Kreis“, denn ähnlich wie der gestandene Bundespolitiker nimmt auch Limberg nie ein Blatt vor den Mund. Eines will er auf keinen Fall: „Die Würdigung meiner Arbeit darf kein Nachruf sein. Ich will ja noch weitermachen“, sagt er.

Wolfgang Bosbach und vor allem Heiner Geißler sind seine politischen Vorbilder. Gerade deshalb, weil auch sie immer „klare Kante“ gesprochen haben. „Das gibt es heute nicht mehr so oft, ist aber wichtig in der Politik“, sagt Limberg, der seit vielen Jahren nicht nur in der Kommunalpolitik mitmischt - und manchmal auch aufmischt!

Politische Stationen
Klar, etwas kürzer getreten ist er schon. Bei den zahlreichen Funktionen auch kein Wunder. Limberg war gefühlte Ewigkeiten Ratsmitglied für die CDU in Sprockhövel (von 1979 bis  2014) und er war für die Kommunalwahl 2009 einstimmig nominierter Bürgermeister-Kandidat. Er war stellvertretender Landrat von 2006 bis 2014, ist seit 1984 Kreistagsmitglied (heute noch als sachkundiger Bürger), seit 2014 Vorsitzender der CDU-Senioren Ennepe-Ruhr und seit 2016 stellv. Vorsitzender der Senioren-Union Ruhrgebiet, seit 1994 Mitglied in der Landschaftsversammlung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, und gründete 2002 die „Sesam-Stiftung" - die erste private Stiftung für Jugendhilfe.

Sesam-Stiftung gegründet
Neben Limberg im Vorstand ist dort auch Evelyn Müller, Fachbereichsleiterin für Jugend, Schule und Soziales der Stadt Sprockhövel. Ziel der Stiftung ist es, die schulische und berufliche Ausbildung von benachteiligten Kindern und Jugendlichen durch Projekte und (sozial-) pädagogische Maßnahmen zu fördern.
Ziemlich viel für eine Person! „Ja, das konnte ich auch alles nur machen, weil mein Röschen (gemeint ist Ehefrau Rosemarie) mir immer den Rücken frei gehalten hat. Jetzt sind wir über fünfzig Jahre verheiratet“, erzählt er.  

Liebe zu Lokomotiven
Und beruflich? Am 1. April 1953 trat Willibald Limberg beim Wuppertaler Unternehmen Ferdinand Weskott seine Färberlehre an, absolvierte 1956 die Gesellenprüfung. 1965 machte er nach Besuch der Abend-Ingenieursschule die Meisterprüfung. „Eigentlich wollte ich Lokomotivführer werden, aber das kostete Schulgeld. Mutter war alleine, weil Vater  nach dem Krieg vermisst gemeldet war und konnte das nicht bezahlen. Sie arbeitete in der Färberei. Und ein Stipendium habe ich nicht bekommen. Ich war eher der Klassenkaspar als der Klassenbeste“, lacht Limberg. Zur Abendschule sei er mit dem alten Käfer gefahren. „Der hatte keine Heizung und im Winter, bei zwanzig Grad minus, da bin ich mit Skischuhen gefahren.“
Also wurde er Färber und schnell Betriebsleiter im Unternehmen. „Erst war ich noch für alle der Willibald, dann auf einmal der Herr Limberg. War nicht einfach für die älteren Mitarbeiter“.
1987 hörte er bei Weskott nach einem Herzinfarkt auf und wechselte in den kleineren Betrieb  Guthahn & Westkott. 2002 ging er in den Ruhestand.
Seit 1973 lebt er in Haßlinghausen,  ein Jahr zuvor trat er in die CDU ein. „Da wurde Willy Brandt Bundeskanzler und das gefiel mir überhaupt nicht. Da musste ich politisch aktiv werden. Ludger Haverkamp hat mich hier in Sprockhövel für die CDU angeworben. Die Treffen fanden immer im Gasthaus Rode statt, heute ist da Caesars Palace“, grinst er.
Seine politischen Meilensteine, an denen er mitgewirkt hat? „Für Sprockhövel das Jugendamt, der Anbau am Rathaus, der neue Sportplatz in Haßlinghausen und der Stöbertag.“

Mitglied im Kirchenchor
Zu tun hat er noch immer jede Menge. Natürlich die „Sesam-Stiftung“. Und richtig am Herzen liegen ihm die Bewohner der Lebenshilfe in der Heidestraße. Willibald Limberg, seit Jahren dem Haus und seinen Bewohnern verbunden, ist Schirmherr des Hauses. „Seit über zwanzig Jahren arbeite ich mit geistig behinderten Menschen. Ich mag die Arbeit sehr. Diese Menschen sind so herzlich und ehrlich. Sie sind es wert, dass man mit ihnen arbeitet und für sie kämpft.
Wenn dann noch Zeit bleibt, singt er in der Kirchengemeinde St. Josef im Chor („Ich bin der Einzige, der das tiefe F singen kann.“), freut sich über Treffen mit der Familie oder geht mit Ehefrau Rosemarie auf Städtereisen. „Ohne mein Röschen geht nach wie vor nichts.“


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