Wenn die Grenzen verwischen Fahrrad-Typenkunde

In der Automobilwelt sind Crossover-Modelle schwer im Trend.

In der Automobilwelt sind Crossover-Modelle schwer im Trend. Und auch in der Fahrradlandschaft fällt die Zuordnung nicht mehr immer ganz so einfach aus. Dort, wo es noch vor zehn Jahren im Sportsegment „Rennrad oder Mountainbike“ hieß, tummeln sich heute zahlreiche Zwischenformen, die mal mehr, mal weniger Geländegängigkeit bieten. Der Begriff Crossrad sorgt dabei für etwas Verwirrung, denn so bezeichnet man zum einen ein geländetaugliches Rennrad für die Sportart Cyclocross  mit breiteren Reifen und Felgen- oder Scheibenbremsen. Zum anderen steht der Begriff für die in Deutschland recht populäre Crossover-Kategorie aus den zwei ziemlich unterschiedlichen Fahrradtypen Rennrad und Mountainbike.
Allen in der Kategorie Cross geführten Rädern ist sportlicher Freizeitnutzen ohne allzu große Rücksicht auf Verkehrstauglichkeit gemein, was nicht ausschließt, dass sich manche Crossräder alltagstauglich nachrüsten lassen. Dabei schmilzt auch schon mal die Grenze zum Trekkingrad. Hier kommt es im Einzelfall darauf an, ob der Hersteller seinem Cross-Modell etwa Gewindeösen für Schutzbleche oder einen Gepäckträger gegönnt hat. Ein Trend-Rad aus den frühen 2000ern nennt sich Fitnessbike. Oft als reiner Marketing-Schachzug geschmäht, wendet sich dieser Radtyp an Fahrer, die ausschließlich auf Asphaltwegen unterwegs sind, denen ein richtiges Rennrad in der Sitzhaltung jedoch zu sportlich ist. Fitnessbikes weisen eine gerade Lenkstange auf („Flatbar“), die Rahmengeometrie entspricht ansonsten der eines Rennrades. Wie bei diesem sind auch am Fitnessbike zunehmend breitere Reifen zu finden – die sich durchsetzende Scheibenbremse macht es möglich. Vorher limitierten Rennradbremsen den Reifendurchlass auf maximal 28 Millimeter Breite und verhinderten die Montage vollwertiger Schutzbleche. Jüngst erfahren im Windschatten des „Road plus“-Trends sportlich-schnelle Räder mit Rennlenker ein größeres Einsatzspektrum dank breiter Reifen und Scheibenbremsen. Ein aktueller Vertreter der Sparte ist das Stevens „Strada 800“ (1199 Euro). Im Grenzbereich zwischen Trekkingrad und Mountainbike hält sich das Crossrad auf. Mit ersterem hat es die 28-Zoll-Laufräder sowie diverse Gewindeösen zum Nachrüsten von Schutzblechen und Gepäckträger gemein, von letzterem entlehnt es Brems- und Schaltkomponenten, wobei die Kettenblätter gemeinhin etwas größer ausfallen, da das Crossrad eher auf Tempo als auf Bergtauglichkeit ausgelegt ist. Die Bereifung ist meist auf gemäßigtes Gelände optimiert (z. B. Schwalbe „Racing Ralph“ in 28 Zoll, 57,90 Euro, oder „Marathon Cross“, 32,90 Euro), der Federweg an der Gabel liegt bei Trekking-typischen 60 Millimetern. Beispiele dieser Gattung, mit Scheibenbremsen und Federgabel, sind etwa das Einsteigermodell Winora „Dakar“ für 599 Euro oder das etwas besser ausgestattete Stevens „6X Gent“ (999 Euro), das es auch als „6X Lady“ mit tieferem Oberrohr gibt.Eher für den Einsatz in der Stadt konzipiert ist die Gattung Speedbike. Ein Beispiel: das Koga „Supermetro“ (1349 Euro), das mit maximal reduzierter Technik und in dezentem Mattschwarz als Damen- und Herrenmodell zu haben ist. Seine Geometrie und etwas breitere, aber sportlich-schnelle Reifen weisen das Rad als Straßenmaschine aus. Natürlich sind auch Pedelecs in der nicht ganz trennscharfen Kategorie Crossrad anzutreffen ist. Ein typischer Allrounder, der für Touren in leichtem Gelände geeignet ist, sich aber auch als sportliches Alltagsrad anbietet, ist beispielsweise das Haibike „Sduro Cross 4.0“ (2199 Euro) mit Mittelmotor von Yamaha. Mit Bosch-Motor und hochwertiger ausgestattet gibt es das Stevens’ „E-8X“ als Gent und Lady (3.299 Euro). Wer es ganz schnell mag, kann zu Haibikes S-Pedelec „Xduro Urban S 5.0“ für 3999 Euro greifen, das bis 45 km/h mitschiebt und Versicherungskennzeichen sowie Helm erfordert.


Bilder