Welper: Silberne „Ritter“ kämpfen gegen die heiße Glut

Skulpturengruppe „Menschen in Aluminium“ sollen an die Zeit der Henrichshütte erinnern.

So könnte das Ergebnis aussehen. Im Hintergrund das Emmy-Kruppke-Haus. Der genaue Standort steht allerdings noch nicht fest.

Über Kunst kann man lange und heftig diskutieren. Ob und vor allem wie an die glorreiche Zeit der Henrichshütte im mit ihr eng verbundenen Stadtteil Welper erinnert werden soll, ist seit etwa zehn Jahren ein Thema. Und jetzt wieder, denn nun sollen es zwei „Silbervögel“ von Künstler Egon Stratmann auf dem Marktplatz in Welper werden. Vielleicht.

Schon vor zehn Jahren stellte Engelbert Meidinger für die CDU einen Antrag für einen Eisengießer zur Erinnerung an das Hüttenleben. Die Plastik von Karl Prasse fiel damals durch. Vor vier Jahren sollte ein Schmelzer von Egon Stratmann auf die obere Heggerstraße kommen. Auch das wurde nicht realisiert. Nun also ein neuer Versuch - vor dem finanziellen Hintergrund der Fördermittel für den Stadtumbau West in Welper.
Denn die städtische Kasse ist selbstverständlich leer und in Zeiten der Haushaltssperre wäre auch nicht an einen künstlerischen Wettbewerb oder eine Ausschreibung zu denken.
Das hätten die Grünen gerne gehabt. Oliver Degner findet es in der Diskussion im Kulturausschuss nicht so toll, dass man nur über einen Entwurf abstimmen kann - sagt aber ausdrücklich, er findet die Idee von Egon Stratmann gut. Der hat keinen Eisengießer im Gepäck. „Nur der Mensch aus Aluminium wird eindeutig der Stahlindustrie zugeordnet. Die Kernzelle eines Hüttenwerkes ist der Hochofen, dort wo Erz ausgeschmolzen und Eisen wird, bereit für die Aufarbeitung und Veredelung zu Stahl. Der Schmelzer am Hochofen musste sich vor der Gluthitze schützen. Es ist eine einzigartige Wirkung dieses Ritters, der mit dem Feuer des Drachens ringt und ihm das kostbare Eisen abgewinnt. Er tut dies silbern glänzend in einer Schutzkleidung aus Aluminium, während des Abstichs mit einem Schutz vor dem Gesicht, welches danach hochgeklappt wird. Diesen Spannungsbogen zwischen dem völligen Verhüllen und der anschließenden Sichtbarwerdung versuche ich durch die beiden Skulpturen darzustellen. Auch Hochglanz polierte Stellen sollen zudem das Licht widerspiegeln und eine besondere Aufwertung zeigen“, beschreibt Egon Stratmann sein Projekt.
Stratmann ist seit Jahrzehnten der Hütte verbunden, hat aktiv im Hüttenkamp mitgemacht. Die Skulpturengruppe soll ausschließlich über Sponsoren finanziert werden und wird mit etwa 85.000 Euro plus Fundamentierung und Pflasterarbeiten kalkuliert. Original große Modelle im Maßstab 1:5,5 sollen entstehen, die Figuren sollen in einer Kunstgießerei gegossen werden und sind etwa 1,70 Meter groß.
Im Kulturausschuss wurde intensiv diskutiert. Schnell war klar: im Prinzip „ja“, aber...
Die CDU mochte zunächst nicht abstimmen, weil sie sich ein weiteres Ateliergespräch wünschte. Es klang an, die bisherige Optik der Figuren sei möglicherweise zu modern. Auch der Standort in Welper wurde infrage gestellt. Alla Weber hätte sich einen zentralen Ort in der Hattinger Innenstadt gewünscht.
Schlußendlich wurde aber doch abgestimmt und zugestimmt - einstimmig wurde die Planung abgenickt. Das Ateliergespräch gibt‘s trotzdem. Der Künstler hat versprochen, die Politik und die Bürger in die weitere Planung einzubinden. Ende 2018 sollen die Skulpturen stehen.


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