Welper: In der „Bücherei der Dinge“ wird nur ausgeliehen

Im Ruhrgebiet ist das Projekt einzigartig – man borgt, was man eben sehr selten braucht.

Christina Henke (2.v.r. hinten) mit einigen Mitstreitern und Hündin „Ida“ in der „Borgerei“. Nachhaltigkeit ist ein zentraler Inhalt, den man hier umsetzen möchte. Die Idee soll auf jeden Fall weiter ausgebaut werden.

Die „Borgerei“ befindet sich in der Marxstraße 65 und ist noch sehr neu. Erst im Dezember 2017 wurde sie eröffnet. Das Projekt wird über den Verfügungsfonds finanziert, der im Rahmen des Stadtumbaus Welper eingerichtet wurde. Mittel aus diesem können von Bewohnern des Quartiers abgerufen werden, die vor Ort ihre Ideen für den Stadtteil umsetzen wollen.

„Wir haben für die ‚Bücherei der Dinge‘ eigens das Institut für innovative Nachhaltigkeit und Gesundheit, gegründet, da wir noch Weiteres in Welper umsetzen möchten“, sagt Christina Henke. Sie hatte die Idee - gemeinsam mit weiteren 13 Aktiven. Christina Henke, die eine klassische Biologenausbildung hat, ist in der Welt herumgekommen. „Ich habe mehrere Jahre in Amsterdam gelebt, auch in Neuseeland und in England. International gibt es diese Idee, Dinge auszuleihen, statt sie zu kaufen, überall auf der Welt. Also habe ich gedacht, warum nicht auch in Welper?“ Und sie fand schnell Mitstreiter.
„Drei Werte haben wir für uns definiert“, sagt sie. „Es sind dies ‚nachhaltig, generationsübergreifend und sozial‘. Wir müssen doch sehen, dass wir unseren schönen Planeten ausbeuten, und uns die Frage stellen, was wir dagegen machen können. Ich kaufe zum Beispiel gerne second hand ein oder man denkt auch über energetische Dinge nach. Und die Borgerei ist eben ein weiteres Projekt in diesen Gedakenstrukturen“, erzählt sie.
Gestartet ist das Prinzip in Welper mit 25 Dingen, die man ausleihen kann. Mittlerweile sind es rund vierzig Produkte. Und es werden immer mehr. Und noch etwas ist ganz faszinierend: „Wir haben eine unglaubliche Aufmerksamkeit bekommen“, erzählt Christina Henke. „Nicht nur allgemein in den Medien, sondern auch bei Personen. So hat uns beispielsweise eine Doktorandin der Ruhr-Universität Bochum gefunden, die gerade promoviert - und zwar genau über dieses nachhaltige Projekt. Sie hat internationale Kenntnisse mit der Bücherei der Dinge - so hat sie uns erzählt, dass in Toronto die Bücherei bereits 8000 Produkte anbieten kann und 4000 Mitglieder hat. Das ist doch Wahnsinn!“
Dann  allerdings würden die Räumlichkeiten von Christina Henke in Welper mit Sicherheit zu klein sein. „Wir haben auch eine Anfrage aus Düsseldorf, die über uns gelesen haben. Die Anfrage kommt aus der katholischen Arbeit heraus und man möchte uns besuchen, weil man die Idee so gut findet und überlegt, das auch zu machen.“
Die Finanzierung aus dem Verfügbarkeitsfonds im Rahmen des Stadtumbaus ist jedenfalls bis Ende April gesichert - danach wird man sehen.
„Nachhaltigkeit kann sich nur durchsetzen, wenn man zwei Dinge umsetzen kann: es muss kostengünstig sein und für diejenigen, die mitmachen, bequem. Sonst funktioniert das nicht.“
Doch wie geht das denn nun? Das Prinzip ist einfach und wird unter www.borgerei-hattingen. de beschrieben: Die Mitgliedschaft ist zunächst einmal kostenlos. Angemeldet wird gegen Personalausweis, dann gibt es einen Benutzerausweis und dann kann das Ausleihen nach einer Leihliste schon losgehen. Vor allem Dinge, die man nicht regelmäßig braucht, stehen im Fokus - dazu gehört beispielsweise die Bierzeltgarnitur oder auch der Bräter für die Weihnachtsgans. Das, so sagen die Verfechter der Nachhaltigkeitsidee, muss man ja nicht kaufen - man braucht es ja so selten.
Die Höhe der Ausleihgebühr bestimmt derjenige, der ausleiht selbst. Er sollte sich aber vorher schon Gedanken über den Wert der Sache gemacht haben. Reservieren kann man die Dinge übrigens auch.
Die Karnevalszeit bietet eine weitere Möglichkeit, Nachhaltigkeit auch hier umzusetzen. Am Samstag, 3. Februar, 9 bis 12 Uhr, kann man in der „Borgerei“ Karnevalskostüme abgeben und neue ausleihen - eine Nähmaschine steht auch zur Verfügung, um das Kostüm auch gleich passend zu machen.
Gut zu finden ist der neue Ausleihort in der Marxstraße 65 auch. Christina Henke ist mobil unter 0173/2693899 zu erreichen. Eine Idee mit nachhaltigem Entwicklungspotential - weitere engagierte Mitstreiter und „Borger“ sind herzlich willkommen.

 


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