Wasser wird mit Druck in poröse „Strohhalme“ gedrückt

Mit Bau der Ultrafiltrationanlage erreicht Trinkwasser-Gewinnung in Witten neue Ebene.

Im Verbund-Wasserwerk Witten ist mit einer offiziellen Einweihung ein Großprojekt abgeschlossen worden. Mit dem Bau der neuen Ultrafiltrations­anlage erreicht die Trinkwasser-Gewinnung in Witten eine neue Ebene.
Rund fünf Millionen Euro kostet die Erweiterung insgesamt – und wird den Wittenern ein Maximum an Trinkwasser-Qualität liefern. „Höchste Qualität ist in unser aller Interesse“, bekräftige Arnulf Rybicki, Aufsichtsratsvorsitzender des Verbund-Wasserwerk Witten (VWW), bei der Eröffnung. Das VWW ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Stadtwerke Witten und der AVU.
Kontinuierlich wurde die Aufbereitungstechnik im Wasserwerk an der Bommeraner Ruhrbrücke optimiert. „Daher wurden bereits alle Anforderungen der Trinkwasserverordnung erfüllt“, betonte Hansjörg Sander, Geschäftsführer des VWW. Gesetzliche oder hygienische Notwendigkeiten zu der Neuerung bestanden also nicht. Doch seitens des Landesumweltministeriums wurde das Programm „Reine Ruhr“ aufgelegt. Es setzt voraus, dass die Ruhr ein menschlich genutztes Gewässer ist. Einer der Schwerpunkte des Programms fordert die Wasserversorger an der Ruhr dazu auf, wegen der besonderen Gefährdung eine erweiterte Aufbereitungstechnik zu betreiben.
Im VWW setzt man dazu auf eine Ultrafiltrationsmembran. „Die Membran kann man sich wie ein Bündel poröser ,Strohhalme‘ vorstellen, die in einem Kunststoffrohr stecken, das rund 30 Zentimeter Durchmesser hat“, erklärte Hansjörg Sander. Das bereits in mehreren Stufen aufbereitete Wasser wird mit Druck in die „Strohhalme“ gedrückt. Da diese am Ende geschlossen sind, sucht sich das Wasser einen anderen Weg und dringt durch die ultrafeinen Poren. Diese Poren haben einen Durchmesser von etwa 20 Nanometer – in einem herkömmlichen Feinsandfilter sind es Millimeter. In den Ultraporen bleiben mehr als 99,99 Prozent der feinsten Partikel und Mikroorganismen hängen. „Nanometer sind ein Millionstel von einem Millimeter. Bakterien kommen nicht, Viren so gut wie nicht durch. Sollte eine Membranfaser einen Mikroriss haben, steht eine nachfolgende Desinfektion mit UV-Strahlung bereit“, versichert Hansjörg Sander.
Um störenden Chlorgeruch des Wassers auszuschließen, hat das VWW bereits 2013 eine Desinfektionsanlage gebaut, die mit UV-Bestrahlung statt mit Chlor arbeitet. UV-Licht tötet nahezu alle Bakterien und Viren ab und ist sicherer als Chlor. „Die Desinfektion am Ende der Aufbereitung soll nach Inbetriebnahme der neuen Filter-Anlage nur noch der Notnagel sein“, erläuterte Klaus Döhmen, Projektleiter für den Bau der Ultrafiltrationsanlage und ab dem kommenden Jahr neuer VWW-Geschäftsführer.


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