Vorsorge nutzen: Damit aus Krise keine Katastrophe wird

Dr. med. Mario Iasevoli, Chefarzt der Inneren EvK Witten, Spezialist für Magen und Darm.

Dr. med. Mario Iasevoli hat sich auf invasive und interventionelle Endoskopie, gastroenterologische Hepatologie sowie chronisch entzündliche Darmerkrankungen (z.B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) spezialisiert

Der Darmkrebs ist bei beiden Geschlechtern die zweithäufigste Krebserkrankung. In Deutschland erkranken nach Angaben des Robert-Koch-Instituts pro Jahr jeweils rund 35.400 Männer und 30.000 Frauen daran. Darmkrebs tritt überwiegend ab dem 50. Lebensjahr auf. Das Durchschnittsalter beträgt bei Männern 69 Jahre, bei Frauen ist es mit 75 Jahren erheblich höher. Doch es gibt auch andere Beschwerden in Magen und Darm. Einer, der sich auf diese Erkrankungen spezialisiert hat, ist Dr. Mario Iasevoli, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Ärztlicher Direktor am Ev. Krankenhaus Witten. IMAGE hat mit ihm gesprochen.

IMAGE: Die Gastroenterologie ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin und bezeichnet genau was....?
Iasevoli: Die Gastroenterologie definiert die Diagnostik und Therapie von Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts und der übrigen Bauchorgane. Das Spektrum der Erkrankungen reicht von Darmentzündungen  über Polyphen bis hin zu Darmkrebs. In der Versorgung der Patienten arbeiten wir eng mit anderen Dispziplinen zusammen, zum Beispiel der Viszeralchirurgie, das meint die Chirurgie des Bauchraumes. In enger Kooperation wird entschieden, ob die Erkrankungen medikamentös oder chirurgisch behandelt wird. Wir arbeiten in der Gastroenterologie mit vier Fachärzten. Es besteht die volle Weiterbildungsermächtigung für Innere Medizin und Gastroenterologie.  

IMAGE: Welche Alarmzeichen sollten denn im Hinblick auf eine mögliche Darmerkrankung beachtet werden?
Iasevoli: Ein Grund, um den Rat eines Arztes zu suchen, sind Symptome wie Blut im Stuhl, starker Gewichtsverlust oder veränderte Stuhlgewohnheiten - Durchfall oder Verstopfung oder ein Wechsel von beiden. Tückisch ist die Tatsache, dass Darmkrebs im Frühstadium keine Beschwerden verursacht. Deshalb raten Mediziner auch dringend, Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen. Wurde dabei ein Tumor festgestellt, empfiehlt sich in der Regel die Weiterbehandlung in einem Krankenhaus. Oft ist es aber so, dass wir heute eine sehr frühe Diagnostik haben und beispielsweise Polypen, die noch gutartig sind, bereits in einem sehr frühen Stadium entfernen können, bevor sie möglicherweise Krebs auslösen können. Das bedeutet, wir haben es heute mit quantitativ weniger schwerwiegenden Befunden zu tun.

IMAGE: Wer ist denn besonders gefährdet, an Darmkrebs zu erkranken?
Iasevoli: Besonders darmkrebsgefährdet sind Menschen, die ersten Grades mit einem Darmkrebs-Patienten verwandt sind. Darüber hinaus weiß man, dass Übergewicht, Rauchen und regelmäßiger Alkoholkonsum einen Einfluss auf die Tumorbildung haben. Eine gesunde  Ernährung, viel Obst und Gemüse, wenig rotes Fleisch und Wurstwaren tragen ebenso zu einer Verringerung des Darmkrebsrisikos bei wie regelmäßige Bewegung. Ab dem 55. Lebensjahr finanzieren die Krankenkassen eine Vorsorge-Untersuchung des Darms per Koloskopie. Diese wird nach zehn Jahren wiederholt, wenn der Befund unauffällig ist. Die Vorsorge übernehmen in der Regel die niedergelassenen Ärzte.

IMAGE: Wenn der Patient dann doch unter das Messer muss, wird der Eingriff dann in der Regel minimal-invasiv durchgeführt?
Iasevoli: Die sogenannte „Schlüsselloch-Chirurgie“ oder Fasttrack-Chirurgie kommt immer da zum Einsatz, wo es eben möglich ist. Dabei werden OP-Instrumente und eine Mini-Kamera durch nur wenige kleine Schnitte in den Baumraum eingeführt und ermöglichen so für den Patienten einen schonenderen Eingriff. Der Chirurg führt die Operation unter Videokontrolle durch, weil er ja keinen direkten Einblick in den Bauchraum hat. Allerdings gibt es auch heute noch Krankheitsbilder, die nur mit herkömmlichen Operationsmethoden behandelbar sind. Wir können aber gerade auch bei älteren Menschen oft diese schonenden Verfahren zum Einsatz bringen. Das verbessert ihre Therapiechance deutlich und verringert auch den stationären Aufenthalt.
Bei einer Darmoperation ist der Patient in der Regel maximal eine Woche in der stationären Aufnahme, bei einer Gallenoperation sind es nur wenige Tage. Zu meinen Zeiten als Assistenzarzt lag die Aufenthaltsdauer bei zwei Wochen.

IMAGE: Wie wichtig ist in der Gastroenterologie die interdisziplinäre Zusammenarbeit?
Iasevoli: Sehr wichtig. Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), ihre Sektion Endoskopie und die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) richten viele Kongresse gemeinsam aus. Das ist ein Beispiel dafür, wie wichtig interdisziplinäre Zusammenarbeit ist. Bei gleichzeitigem medizinischen Fortschritt und wachsendem Kostendruck durch das Gesundheitssystem steigt in der alternden Bevölkerung das Risiko für altersbedingte Erkrankungen sowie schwerwiegende Mehrfacherkrankungen. Anspruchsvolle,


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