Vom Junkie zum „Ironman“

Andreas Niedrig zu Gast im Stahlwerk.

Andreas Niedrig fesselte die Zuhörer mit seiner Lebensgeschichte.

„Qualität in Edelstahl“ lautet der Werbeslogan der „Friedr. Lohmann GmbH“ an der Lakebrücke in Herbede. Der Hersteller von Schnellarbeits-, Werkzeug- und Spezialstählen bot jetzt einem sportlichen „Eisenmann“ den Raum, über sein besonderes Leben zu berichten und – Mut zu machen.
Andreas Niedrig war zu Gast, ein Mann, den seine Drogensucht nach ganz unten brachte und der es trotzdem schaffte, mit festem Willen und Überzeugung an die Weltspitze der besten Triathleten zu kommen. Der ehemalige Triathlon-Profi aus Oer-Erkenschwick war schon als Kind auffällig. Zunächst mit 13 Jahren als große Nachwuchshoffnung der Rückenschwimmer, später in den Augen der Strafverfolger.


Die erste Zigarette, dann folgten Haschisch und Heroin
Neben dem Schwimmsport rauchte der spätere Junkie Zigaretten, stieg um auf Haschisch und schließlich Heroin. „Das Rauschgift gab mir das trügerische Gefühl, alles im Griff zu haben“, sagt Andreas Niedrig in dem gut gefüllten großen Besprechungsraum von Lohmann. Zehn Jahre später verlassen ihn seine Frau und seine Tochter. Mit „gesammelten“ vier Jahren Haft im Gepäck stellte ihn eine Staatsanwältin vor die Wahl, entweder Entzug oder ins Gefängnis. Andreas Niedrig wählte den Entzug und kämpfte sich mit unglaublicher Willenskraft ins normale Leben und auch zu seiner Familie zurück, nimmt einen Hilfsarbeiterjob an, sortiert den ganzen Tag Steine. „Als meine kleine Tochter mir einen schönen Tag auf der Arbeit wünschte, merkte ich, wie stolz sie auf mich war.“ Der „trockene“ Junkie begann eine Ausbildung und schloss sie erfolgreich ab.


Fitness über das Laufen geholt
Als der junge Mann eines Tages wieder einen Wasserkasten in den dritten Stock tragen wollte und zwischendurch durchschnaufen musste, bot ihm seine 72-jährige Nachbarin Hilfe an. Für Andreas Niedrig ein weiteres Schlüsselerlebnis. Er begann zu laufen, finishte drei Monate später seinen ersten Marathon in unglaublichen 2:43 Stunden, und nach seinem ersten Triathlon stand für ihn fest: „Ich werde Profi“. Nicht lange, und Andreas Niedrig zählte zu den Top-Ten der Weltspitze, startete bei den härtesten „Ironman“ der Welt in Roth, Südafrika und natürlich bei dem legendären „Ironman“ von Hawaii.
„Man kann vielleicht nicht alles schaffen, aber fast alles, wenn man es wirklich will und an sich glaubt. Diese Einstellung möchte ich mit meinen sozialen Projekten und bei meinen Veranstaltungen in Schulen, Universitäten und Unternehmen vermitteln. Ob privat oder beruflich, die Formel lautet: tun“, sagt Andreas Niedrig.


Sohn erbt starken Willen des Vaters
Sein Sohn zeigte ebenfalls die Verbissenheit des Vaters. Als 8-Jähriger beschloss er, 2006 Nationaltorhüter Jens Lehmann als „Einlaufkind“ bei der WM aufs Spielfeld zu begleiten. Nach unzähligen Bewerbungen hatte er es geschafft: Im Viertelfinale gegen Argentinien lief der kleine Lorenz mit Jens Lehmann auf den Platz des Berliner Olympiastadions. Deutschland gewann im Elfmeterschießen 4:2.


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