Viel zu fett: Nie war unsere Menschheit dicker als heute

Übergewicht und vor allem Adipositas verursachen Krankheiten und mindern Lebenslust.

Übergewicht wird immer stärker zu einem handfesten Problem. Im Sommer 2017 gab es eine neue internationale Studie der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zum Übergewicht. In Deutschland ist demnach beinahe jeder Vierte fettleibig. Warum ist das so?
Besondere Sorgen macht den Experten der OECD die Entwicklung bei Kindern und Jugendlichen, bei denen der Anteil der Übergewichtigen rasant zunimmt: In den vergangenen 15 Jahren ist der Anteil der übergewichtigen und fettleibigen Jugendlichen von elf Prozent auf 16 Prozent gestiegen. Damit liegt Deutschland zwar im Schnitt der reichen Industrieländer, aber hierzulande wächst der Anteil der dicken Jugendlichen besonders schnell. Inzwischen gibt es weltweit mehr Übergewichtige als Menschen, die Hunger leiden. Für die Gesundheitssysteme ist das eine große Herausforderung, denn in der Regel kämpfen übergewichtige, vor allem fettleibige, Menschen mit stärkeren Gesundheitsproblemen.


Was ist Adipositas?
Von Adipositas (Fettleibigkeit) spricht man bei einem Übergewicht, das der Gesundheit schaden kann. Adipositas ist eine chronische Krankheit, die mit eingeschränkter Lebensqualität und hohem Risiko für Folgeerkrankungen einhergeht. Betroffene leiden aber nicht nur unter den körperlichen Folgen, sondern auch unter der Diskriminierung in der Bevölkerung. Adipositas ist auf dem Vormarsch: Die Deutsche Adipositas Gesellschaft geht davon aus, dass momentan rund 16 Millionen Menschen in Deutschland an Adipositas leiden. Eine Verkleinerung des Magens ist eine mögliche Maßnahme, die zu einem früheren Sättigungsgefühl führt und in der Folge zu einer geringeren Größe der Mahlzeiten - für Betroffene manchmal der einzige Ausweg.
Doch warum werden wir immer eigentlich immer dicker?
Die Antwort darauf heißt nicht „weil wir zu viel essen“, sondern: wir essen das Falsche! Zu viel Fett – insbesondere ungesunde gesättigte Fettsäuren – und zu wenig Vitamine und Mineralstoffe nimmt der Körper durch unsere Ernährung auf. Außerdem prägen individuelle genetische Faktoren den Grundumsatz, die Nahrungsverwertung und das Fettverteilungsmuster eines jeden Menschen. Typische Umwelteinflüsse einer Industriegesellschaft wie Stress, andauerndes Licht oder veränderte Klimabedingungen fassen Wissenschaftler unter dem Begriff „epigenetische Faktoren“ zusammen. Diese können die Aktivität von Erbanlagen beeinflussen und an nachfolgende Generationen weitergegeben werden und sind eine mögliche Erklärung dafür, warum auch Haustiere in industrialisierten Ländern immer dicker werden.Und natürlich spielt auch der Bewegungsmangel eine Rolle.


Was kann man tun?
Das Ziel ist immer: Durch das Reduzieren von Gewicht mehr Lebensqualität zu erreichen. Und das ist nicht so einfach. Anders als Regierungen in anderen Ländern reagiert die deutsche Politik bisher kaum auf die sich ausbreitende Fettleibigkeit. Die Bundesregierung setzt vor allem auf Information der Verbraucher, Ernährungsbildung in Schulen und Kitas und darauf, dass die Lebensmittelindustrie freiwillig weniger Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukte packt. Die Vereinten Nationen, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die EU empfehlen Steuern auf zuckerhaltige Lebensmittel. Die WHO fordert gar eine 20-prozentige Steuer. Viele Politiker sind in den vergangenen Jahren diesen Empfehlungen gefolgt: In Frankreich, Ungarn und in Katalonien gibt es Zucker-Steuern, genauso wie in den US-Städten Philadelphia, San Francisco und Chicago.  In Deutschland hingegen hält man eine solche Abgabe für eine „Strafsteuer“ und glaubt, ein Umdenken führe nicht über den Weg des Portemonnaies, sondern müsse im Kopf beginnen. Ganz neu wäre eine Zucker-Abgabe übrigens nicht; in Deutschland wurde die Zuckersteuer erst 1993 abgeschafft, weil sie gegen Regeln des EU-Binnenmarkts verstieß.
Und was kann man selbst tun? Dauerhaft hilft nur, sich über seine Essgewohnheiten zu informieren, seine Ernährung entsprechend umzustellen und sich zu bewegen.


Bilder