Verkaufsoffene Sonntage: Ärgernis oder Shoppingevent?

Hattingen, Sprockhövel, Witten – die Zahl der Einkaufs-Sonntage ist doch eher rückläufig.

Verkaufsoffene Sonntage waren und sind beliebt. In der Regel sind Innenstädte und Geschäfte proppenvoll, wenn die Läden „außer der Reihe“ geöffnet haben. Doch ob das klappt, ähnelt mehr und mehr einem Glücksspiel. War es im letzten Jahr die Gewerkschaft, die oft ihr Veto einlegte, ist es in diesem Jahr auch schon einmal die Politik, die für Sonntagsruhe und gegen sonntägliche Shoppingtouren wettert. IMAGE hat sich in Hattingen, Sprockhövel und Witten umgeschaut.

Zum zweiten Mal stand die Genehmigung eines verkaufsoffenen Sonntags 2018 auf der Tagesordnung des Rates der Stadt Hattingen. Nach dem verkaufsoffenen Sonntag zum Frühlingsfest sind die Sonntage zum Herbstmarkt mit Panhasfest am 30. September und zum Weihnachtsmarkt am 16. Dezember bereits in trockenen Tüchern.
Gern hätte man - wie in der Vergangenheit auch - zum Kulinarischen Altstadtmarkt ebenfalls die Geschäfte geöffnet. Im letzten Jahr hatte die Gewerkschaft kurzerhand einen Strich durch die Rechnung gemacht. Diesmal scheiterte die Shoppingtour zunächst an den Stimmen der Stadtverordneten, die den Feiertag (Fronleichnam) am 31. Mai nicht freigaben. Auch der zweite Anlauf, stattdessen Sonntag, 3. Juni, öffnen zu dürfen, scheiterte denkbar knapp mit 23 Gegnern zu 22 Befürwortern. Die kamen aus den geschlossenen Reihen von CDU und FDP. Aber eine Mehrheit der SPD-Fraktion mit den Stimmen von Bündnis90/Die Grünen, der Linken und der Piraten gaben den entscheidenden Ausschlag für die Ablehnung im Rat.
„Ich bin enttäuscht darüber, dass sich die Ratsmitglieder von populären, falschen Meinungen beeinflussen lassen. Der Handel und unsere Mitarbeiter haben mit unseren vier Sonntagen kein Problem. Im Gegenteil: Verkaufsoffene Sonntage sind für uns überlebensnotwendig“, sagt Jörg Waldrich als Centermanager des Reschop-Carrés.
Auch Jürgen Schwiese von „hautnah.concept schwiese“ im St.-Georgs-Viertel rügt die Entscheidung: „Unsere Mitarbeiter haben überhaupt kein Problem damit, an vier Sonntagen im Jahr zusätzlich zu arbeiten. Sie bekommen mehr Geld und Freizeitausgleich für die zusätzliche Arbeit. Die Zusammenarbeit an solch besonderen Tagen ist außerordentlich gut. Die Stimmung unter der Belegschaft hervorragend. Ich kann die Entscheidungskriterien der Ratsmitglieder nicht nachvollziehen.“ Peter Blome vom Schuhhaus Blome, als Vertreter des Einzelhandelsverbandes, kündigt an, seine Kundschaft auf das, seiner Meinung nach, falsche Signal aus dem Rat der Stadt hinzuweisen: „In den Schaufenstern meines Ladenlokals werde ich großflächige Plakate anbringen, um die Kunden darauf hinzuweisen, dass wir gerne geöffnet hätten, der Rat der Stadt Hattingen dies jedoch verhindert hat.“
Spontan erklärten sich die Hattinger Einzelhändler solidarisch und werden die Aktion am 3. Juni unterstützen.
In Sprockhövel fand bereits der verkaufsoffene Sonntag zum Bauernmarkt statt. Genehmigt sind weitere Shoppingevents im Rahmen des Stadtfestes in Niedersprockhövel am 9. September sowie im Rahmen des Nikolausmarktes am 9. Dezember. In Hasslinghausen sind die Läden geöffnet im Rahmen der Trödelmärkte am 27. Mai und 2. September sowie im Rahmen des Adventsfestes am 2. Dezember.
Am 5. Februar wurden auch in Witten per Ratsbeschluss die verkaufsoffenen Sonntage festgelegt: Nach der Himmelsfahrtskirmes Mitte Mai stehen in diesem Jahr noch die Sonntage zur Zwiebelkirmes am 2. September in der Innenstadt und am 7. Oktober im Herbeder Ortskern zum Oktoberfest als verkaufsoffen fest.
Mehr als vier verkaufsoffene Sonntage sind nicht erlaubt. Plus jene in den Stadtteilen, aber auch hier geht der Trend ziemlich nach unten.
Woran liegt das? Die Stadtmarketing-Vereine der unterschiedlichen Städte sehen in diesen Sonntagen nach wie vor positive Effekte für den Handel, aber sie wissen auch: Den Euro ausgeben kann man nur einmal und wenn es zu viele dieser Sonntage in allen möglichen Städten gibt, dann ist der Reiz des Besonderen weg.
Trotzdem sucht der Handel gemeinsam mit den Marketingvereinen nach Alternativen, um die Kunden in die Innenstädte zu locken und dem Online-Handel nicht das Feld zu überlassen. Eine Alternative sind abendliche Shopping-Events, die beispielsweise beim Sprockhöveler Nachtschlag oder dem Bummelfreitag für gut gefüllte Straßen sorgen.


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