Traglufthalle: Ohne Flüchtlinge Fixkosten von 246.000 Euro

Halle ist ein wirtschaftliches Fiasko – erst ab 120 Menschen würde sich das Ungetüm rechnen.

Die umstrittene Traglufthalle in Niedersprockhövel. Nach derzeitigem Stand hätte die Politik wohl kaum für die Anschaffung der Halle gestimmt. Aber 2015 errechnete die Bezirksregierung in Arnsberg Zahlen, wonach mit 900 Flüchtlingen für Sprockhövel zu rechnen sei. Eine Größenordnung, die noch nicht einmal ansatzweise erreicht wurde.

2500 Quadratmeter Hallenfläche: Lässt man die beiden Nullen weg und schiebt ein Komma zwischen die ersten beiden Zahlen, dann hat man in etwa die Kosten für den Kauf der Halle. In Betrieb genommen wurde sie im August 2016 – die Zahl der dort lebenden Flüchtlinge blieb stets sehr überschaubar. Ausgelegt für 240 Personen, ging die Stadt von nie mehr als 150 Personen aus. De facto waren es im Dezember 2016 nur 22 Personen, Anfang Oktober 2017 waren es 17 Personen – und dazwischen gab es auch nie sehr viel mehr. Trotzdem kostet die Halle viel Geld. Jeden Monat.

Jeden Monat schlägt die Halle mit festen Kosten von 20.500 Euro zu Buche. Diese Kosten sind nicht mehr beeinflussbar, enthalten beispielsweise auch haushaltstechnische Abschreibungen, aber auch Ordnunsgdienste. Die variablen Kosten entstehen bei der Belegung der Halle – auch dann, wenn es nur wenige Menschen sind, die dort leben. Energie und Sicherheit verschlingen dann pro Monat zwischen 21.000 und 26.000 Euro zusätzlich. Hinzu kommt die Versorgung mit Essen durch ein Cateringunternehmen, gerechnet mit 280 Euro pro Person und Monat.
246.000 Euro Festkosten im Jahr, zwischen 252.000 Euro und 360.000 Euro variable Kosten plus Beiträge zur Nahrungsversorgung – mehr als eine halbe Million Kosten jedes Jahr.
Und so richtig schön ist es drinnen nicht. Zweckmäßige Notwendigkeit eben.
In Sprockhövel leben derzeit 204 Personen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Hinzu kommen 129 Personen, die inzwischen unter das Zweite Sozialgesetzbuch fallen und entweder in Gemeinschaftsunterkünften oder städtischen Wohnungen leben. Im Oktober hat die Bezirksregierung Arnsberg weitere 36 Personen zugewiesen.
Würden 120 Personen in der Traglufthalle leben, dann würde sie unter Berücksichtigung der Erstattung von Geldern aus dem FlüAG wirtschaftlich geführt werden. Unterhalb dieser Personenzahl ist die Halle nicht wirtschaftlich.
Deshalb diskutiert die Politik seit Wochen, was zu tun sei.
Eine Möglichkeit wäre es, die Halle komplett leer zu ziehen, um die variablen Kosten auf Null zu setzen. Die festen Kosten von 20.500 Euro pro Monat bleiben in jedem Fall – das machte Kämmerer und Beigeordneter Volker Hoven in der letzten Ratssitzung deutlich.
Nicht mehr benötigte Container an der Mathilde-Anneke-Schule könnten am Sprockhöveler  Standort Merklinghausen bestehende Container aufstocken und für die Flüchtlingsunterbringung genutzt werden. Dann wäre die Traglufthalle komplett leer zu ziehen. Einige Mietverträge für die Container laufen im kommenden Jahr aus. Die könnten an den Eigentümer zurückgegeben werden, wenn Alternativen zur Verfügung ständen. Ein Container für dreißig Personen schlägt pro Jahr mit 100.000 Euro Miete und Nebenkosten zu Buche. Pro Person und Monat käme aus dem FlüAG eine Einnahme von 400 Euro gegengerechnet. Das wären bei Vollbelegung 12.000 Euro im Monat, 144.000 Euro pro Jahr. Catering entfällt, denn bei der Unterbringung im Container verpflegen sich die Bewohner selbst. Diese Zahlen hat die ZGS der Politik vorgelegt.
Fester Wohnraum, der zumindest teilweise für die Unterbringung von Flüchtlingen dient, wird es ab Frühjahr 2018 geben. Dann sind die Objekte am Waldweg und am Gedulderweg bezugsfertig, ab Sommer 2018 auch das Objekt Hattinger Straße.
Festgelegt hat die Politik ein Zeitfenster: im Haupt- und Finanz­ausschuss am 9. oder 16. November soll der Beschluss erfolgen, der am 23. November im Rat endgültig wird. Wird die Traglufthalle abgebaut, bleibt sie für einen Zeitraum als Reserve erhalten? Werden die Container am Standort Merklinghausen aufgestockt? Es bleibt in jedem Fall spannend.


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