Sport findet meistens nur vor dem Fernseheapparat statt

Ein gut trainiertes Herz ist der beste Motor – Körper profitiert von ausreichender Bewegung.

Im Grunde kennt es jeder: Vitamine sind gesund, aber Kalorien sind lecker, Alkohol und Nikotin gelten als beliebte Genussmittel und Sport findet nur vor dem Fernseher statt. Dabei sind gerade Alkohol, Nikotin, ungesunde Ernährung und wenig Bewegung die Stellschrauben, die die zu erwartende Lebensdauer im Schnitt um bis zu 17 Jahre reduzieren, wie Epidemiologe Rudolf Kaaks vom Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg herausgefunden hat.
Wer sich bewegt, gibt dem Körper das, worauf er seit den Urzeiten als Jäger und Sammler wartet und was ihm guttut. Bewegung und körperliche Tätigkeiten, die noch vor zwei Generationen Bestandteil des Alltags waren, beschränken sich heute oft auf den Weg zwischen Haus und Auto, ein einfacher Purzelbaum zählt für Kinder zu den sportlichen Herausforderungen.
Ein gut trainiertes Herz ist der beste Motor für den Körper: Insbesondere das menschliche Herz als Motor des Körpers profitiert von ausreichender Bewegung. Mit seiner Muskelkraft pumpt das Herz mit jedem Schlag Blut in den Körper, abzulesen am jeweiligen Ruhepuls. Ein gut trainierter Herzmuskel entwickelt ein höheres Schlagvolumen und kann so mit einem Schlag mehr Blut durch den Körper pumpen als ein schlecht trainiertes Herz. Der Ruhepuls, gemessen am besten morgens vor dem Aufstehen, liegt bei Sportlern im Schnitt 10 bis 20 Schläge in der Minute unter dem eines Untrainierten. Hochgerechnet auf eine Stunde, einen Tag, eine Woche, einen Monat, ein Jahr ergibt sich eine astronomische Menge an Herzschlägen, die das Herz eines fitten Menschen weniger schlagen muss.
Dabei kann der Herzmuskel in jedem Alter durch Bewegung und Sport – vor allem durch Ausdauertraining – wachsen und gestärkt werden. Ob acht oder achtzig – es ist nie zu spät, mit einem Ausdauertraining zu beginnen. Bewegung hilft nicht nur gesunden, sondern auch erkrankten Menschen und spart mitunter viele Medikamente – eine Meinung, die Kardiologen, Orthopäden, Psychiater und Onkologen gemeinsam vertreten. Als Belohnung winken eine Stärkung des Immunsystems und der Psyche, kräftigere Knochen und Muskeln, Verringerung von hohem Blutdruck, Krebsgefahr, Diabetes und der Verengung von Herzkranzgefäßen.


Individuelle Belastbarkeit klären
Der Rat von Dr. Christina Launhardt, Fachärztin für ­Innere Medizin und Kardiologie in der Gemeinschaftspraxis Innere Medizin, lautet: „Klären Sie vorher Ihre individuelle Belastbarkeit mit Ihrem Hausarzt oder Kardiologen ab. Legen Sie eine Sportpause bei allen akuten Erkrankungen ein, kurieren Sie Infekte aus und sprechen Sie mit Ihrem Arzt.“
Der Einsteiger sollte behutsam beginnen und seinen Körper langsam an die Bewegung gewöhnen. „Inte­grieren Sie Bewegung, wie Treppensteigen statt Aufzugfahren oder regelmäßige kleine Spaziergänge in Ihren Alltag.“


Von Woche zu Woche verlängern
Haben Sie sich Joggen als Sport ausgesucht, reichen zu Anfang fünfmal eine Minute langsames Traben und anschließend jeweils zwei Minuten Gehen aus, das Ganze zweimal pro Woche. Von Woche zu Woche verlängern Sie das langsame Traben um eine Minute. Nach 12 Wochen sind Sie in der Lage, unglaubliche 5 km am Stück zu laufen. Laufpartner/innen und feste Termine helfen ungemein. Mit der Fitness steigt der Spaß an der Bewegung, die sportlichen Aktivitäten sollten nach und nach auf möglichst dreimal 30 Minuten in der Woche ausdehnt werden, um einen Effekt für das Herzkreislauf-System zu erzielen.