Sehen im Straßenverkehr – Sicher ankommen

Wie fit die Augen sind, lassen allerdings die wenigsten Autofahrer regelmäßig überprüfen.

Rushhour, enge Parklücken, blendende Sonne, Regen, Nebel oder Dämmerung – die Herausforderungen im Straßenverkehr sind enorm. Unsere Augen müssen ­besonders viel leisten. Schlechtes Sehen kann lebensgefährlich werden.
Alle zwei Jahre müssen Autos zur Hauptuntersuchung. Das ist für die meisten Fahrzeughalter selbstverständlich, kommt es ihnen doch auf ein technisch sicheres Fahrzeug an. Der Mensch ist aber mindestens ein ebenso großer Sicherheitsfaktor im Straßenverkehr. Ist die Sehleistung – nicht nur von Kraftfahrern, sondern auch von Radfahrern und Fußgängern – eingeschränkt, kann das tödliche Folgen haben. Wie fit die Augen sind, lassen allerdings die wenigsten regelmäßig überprüfen. Dabei nehmen die Augen neun von zehn Sinneseindrücken im Straßenverkehr auf. Mit dem Sehsinn erfassen Verkehrsteilnehmer, wie weit andere Fahrzeuge entfernt sind, ob Kinder an der Fahrbahn spielen, dass die Ampel Rot zeigt.
Alarmierend: Etwa 300 000 Verkehrsunfälle jährlich gehen auf das Konto mangelnder Sehleistung, schätzt der Berufsverband der Augenärzte (BVA). Wer wie gut sieht, lässt sich nur in regelmäßigen Sehtests feststellen. Die passende Sehhilfe kann Defizite kompensieren. Bei ­schlechtem Wetter in den unbeständigen und dunklen Jahreszeiten ist auch die Sicht schlechter. Menschen mit vermindertem Sehvermögen haben dann noch größere Probleme mit der Wahrnehmung. Ihre Reaktionen verzögern sich, die Unfallgefahr steigt. Der Mensch verursacht 90 Prozent aller Verkehrsunfälle. Von den mehr als 2,5 Millionen Verkehrsunfällen im Jahr 2015 auf Deutschlands Straßen war fast jeder neunte Unfall eine Folge von Seh­defiziten. Bei einer Kurzsichtigkeit von -1 ­Dioptrien beträgt die Sehleistung statt 100 nur 25 Prozent. Das ist etwa ein Drittel dessen, was beim Führerscheinsehtest gefordert wird.
Wer schlecht sieht, reagiert langsamer. Wenn ein Fahrer bei ­Autobahntempo 130 die Gefahr nur eine Sekunde zu spät erkennt, tritt er rund 36 Meter später aufs Bremspedal.
Blendung löst zwei Drittel aller ­witterungsbedingten Verkehrsunfälle aus. Bei Älteren ist das Risiko, kurzzeitig blind durch Blendung zu sein, zwei- bis dreimal so hoch wie bei Jüngeren. Leidet ein Autofahrer an einer Linsentrübung (Grauem Star), dauert es sogar sechsmal so lange.


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