Schwergewichtige Argumente für einen Hausnotruf

Kooperation von DRK und einer Selbsthilfegruppe - doch der Notruf kann noch viel mehr.

Kooperation zwischen dem DRK Hattingen und der Selbsthilfegruppe „Die Sleevies“: ein Hausnotruf kann nicht nur stark adipösen Menschen helfen, die Probleme haben, aus eigener Kraft Hilfe zu holen. Das Foto zeigt v.l. Christian Berenberg, Leiter Hausnotruf, mit dem Gerät in der Hand, Andreas Hahn, Geschäftsführer DRK Hattingen und Christian Schiwek von der Selbsthilfegruppe

Christian Schiwek leitet die Hattinger Selbsthilfegruppe „The sleevies“ und ist selbst ein Betroffener. 170 Kilogramm brachte er vor seiner magenverkleinernden Operation auf die Waage, jetzt wiegt der Rettungssanitäter noch 100 Kilogramm. 2014 begann die operative Phase, denn es folgten weitere Operationen der Plastischen Chirurgie. Schiwek weiß, wovon er spricht, wenn er sagt: „Adipöse Menschen haben viele Probleme - manchmal sogar solche, um Hilfe zu rufen. Deshalb ist ein Hausnotruf für sie besonders sinnvoll.“

Zusammen mit dem DRK Hattingen als Kooperationspartner greift das Hilfssystem, das aber längst nicht nur für Schwergewichtige ein wahrer Segen ist. „Das System besteht aus einem Basisgerät für ein Festnetztelefon oder ein mobiles Telefon. Außerdem gibt es ein Armband oder eine Halskette mit Alarmknopf, die der Patient so immer bei sich trägt. Wird der Alarmknopf gedrückt, dann meldet sich die Zentrale in Bochum und fragt den Betroffenen  nach den Beschwerden. Kann sich der Mensch am anderen Ende der Leitung nicht mehr äußern, rückt sofort ein Einsatzteam aus. Im anderen Fall wird abgeklärt, ob das Einsatzteam ausrückt oder sofort ein Notarzt alarmiert werden muss - beispielsweise bei einem Herzinfarkt oder Schlaganfall. Wer beispielsweise gefallen ist und aus eigener Kraft nicht mehr aufstehen kann, dem kann ein solches System helfen. Oder eben bei lebensbedrohenden Erkrankungen, wenn der Betroffene ein Telefon nicht mehr erreichen kann. Es kann aber auch sein, dass es eine seelische Not gibt - auch in diesem Fall darf und soll man den Alarmknopf drücken“, erklärt Christian Berenberg, der Leiter des Hausnotrufes. Das Hattinger DRK ist zuständig für das Hattinger Stadtgebiet und aufgrund einer Kooperation mit dem DRK Sprockhövel, auch für die Nachbarstadt.
„Wer Pflegeleistungen bezieht, der kann das Basispaket kostenlos bekommen. Hier werden drei Adressen von Angehörigen hinterlegt, die benachrichtigt werden, wenn der Alarm ausgelöst wird. Es gibt aber auch die Möglichkeit, beim DRK einen Schlüssel zu hinterlegen. In diesem Fall rücken wir dann selbst aus und erreichen den Betroffenen innerhalb von dreißig Minuten“, erzählt Berenberg.
Immer seien dabei qualifizierte Mitarbeiter mit Sanitätsausbildung im Einsatz - und bei adipösen Betroffenen mehrere Personen, denn: „Das Problem ist ja, dass diese Menschen aufgrund ihres Gewichtes nicht mehr in der Lage sind, aus eigener Kraft etwas zu tun“, weiß Christian Schiwek. „Das DRK legt bei dem Hausnotruf-Paket eine Patientenakte an und da wird natürlich vermerkt, wenn das Gewicht so groß ist, dass weitere Personen im Einsatz gebraucht werden.“
Die Hemmschwelle, ein solches Gerät anzumieten, sei noch groß, erzählen die Verantwortlichen. „Dabei macht das nicht nur für Ältere Sinn“, so Andreas Hahn, Geschäftsführer beim DRK Hattingen. „Jeder Alleinlebende sollte sich darüber Gedanken machen, denn er hat auf diese Art und Weise immer die Möglichkeit, sofort reagieren zu können, wenn ihm etwas passiert. Der Weg zum Telefon ist oft einfach zu weit.“ Wer über den Hausnotruf beim DRK gelistet ist, kann übrigens nach Absprache auf einen kostenlosen Fahrdienst zum Arzt und eine kostenlose Notfalldose zurückgreifen. Letztere ist eine kleine Box mit zwei Aufklebern für Hausinnentür und Kühlschrank und einem Infoblatt in der Dose, auf dem alle Medikamente, Krankheiten und sonstige wichtige Infos aufgeschrieben sind - so wissen Arzt und Sanitäter sofort, welche Grunderkrankungen vorliegen und was dagegen eingenommen wird.
Das Deutsche Rote Kreuz Hattingen ist (nicht nur) mit dem Hausnotruf zu verschiedenen Terminen präsent: am 3. März im DRK-Haus in der Talstraße, 14 bis 17 Uhr, gibt es einen Infonachmittag zum Thema. Außerdem präsentiert sich die Organisation am 10. März auf dem Hattinger Gesundheitstag im Hattinger Rathaus und am 21. April auf der Seniorengesundheitsmesse in der Sprockhöveler Glückaufhalle.
Für Christian Schiwek und seine schwergewichtigen Mitglieder ist der Notruf ein Segen: „Er gibt uns einfach Sicherheit - wenn uns mal etwas passiert.“
Weitere Infos gibt es auch direkt beim DRK in Hattingen unter der Rufnummer 02324/201111.


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