Schmuck-Mosaik als Erinnerung an deutsche Ostgebiete

Historische Serie: Gedenk-Fries ist seit 1971.

Das Foto zeigt ein Detail aus dem Fries. Die Städtenamen aus dem Fries zeigen, woher die Vertriebenen kamen: Rostock, Parchim, Güstrow, Malchin, Wismar, Schwerin, Neubrandenburg, Wittenberg, Halle, Magdeburg, Dessau, Torgau, Leipzig, Dresden, Eisenach, Erfurt, Weimar, Gotha, Berlin, Küstin, Cottbus, Frankfurt, Postdan, Guben, Stettin, Rügen, Stralsund, Pasewalk, Anklam und viele weitere Städte auf dem Gebiet des heutigen Polen und Russland.

In unserer historischen Serie, die IMAGE zusammen mit dem Hattinger Stadtarchivar Thomas Weiß zu Papier bringt, geht es heute um ein besonderes Fries in der Realschule Grünstraße. Geplant mit dem Bau der Schule 1962, realisiert 1971, soll es an die deutschen Ostgebiete erinnern.

Jeden Tag laufen hunderte von Schülern und Lehrern an dem Ostdeutschenfries im Atrium der Realschule Grünstraße vorbei. Wer aber kennt eigentlich genau seine Bedeutung? Und wer weiß heute noch, dass Vertriebene aus Ostdeutschland in den fünfziger Jahren stadtbildprägend in Hattingen waren? Am 1. November 1961 lebten 30.210 Einwohner in Hattingen, darunter 9.733 „Heimatvertriebene“ und „Sowjetzonenflüchtlinge“ (fast 30 Prozent).  
Damit sorgten die Vertriebenen für einen kräftigen Anstieg der Hattinger Bevölkerung. Es entstanden neue Quartiere in der Stadt (Rauendahl, Südstadt) und am 17. Oktober 1962 wurden mit einem Festakt im Alten Rathaus die ostdeutschen Heimatstuben im „Haus der Heimat“ (dem heutigen Bügeleisenhaus) am Haldenplatz eröffnet – bestehend aus der Schlesienstube mit Radierungen des Danziger Malers Paul Kreisel im Erdgeschoss, der Siebenbürgen-Stube, einem Archiv und den „Wappen abgetretener deutscher Gaue“ in der Eingangshalle.
Zu diesem Zeitpunkt wurde auch in der neuen Realschule ein Mosaik geplant - zur Erinnerung für die Vertriebenen an die alte Heimat, aber auch optisch wahrnehmbar für die Hattinger, woher die neuen Bürger kamen.
Fast fünfzig Namen der Städte jenseits von Werra und Elbe finden sich mit Wappen auf dem Relief, dessen Planung acht Jahre dauerte. Hintergrund waren damals auch nicht vorhandene Gelder. Schließlich kostete das Schmuck-Relief 10.000 Mark. „Diese Mosaikwand sollte eine Verbindung der Kinder an Rhein und Ruhr mit der Geschichte ihres Volkes herstellen, die Erinnerung an die ehemals deutschen Ostgebiete aufrechterhalten“, schreibt Claudia Kibelitz in einer Hausarbeit 1986 (Stadtarchiv Hattingen).
Die Idee zu den Motiven stammte vom damaligen Direktor der Schule, Dr. Karl Moritz. Grafiker Claus Heeger, der den Auftrag zur Wandgestaltung ausführte, betonte damals die Schwierigkeiten dieses Auftrages, musste er doch eine Struktur schaffen, die unabhängig von der dahinterliegenden Wand sein sollte.
Also nutzte er vier Zentimeter dicke Holzplatten, die mit verschiedenen Kunstputzen aufgeschichtet wurden und so ihre farblichen Kontraste durch Latexfarbe erzielten. Heeger war zum damaligen Zeitpunkt als Kunsterzieher an der Realschule tätig. Das berichtete die „Hattinger Zeitung” am 8. Dezember 1971.
Was erinnert heute in Hattingen an die Heimat der Kriegsflüchtlinge und Vertriebenen?
Diesen Fragen spürt jetzt die Sonderausstellung im Bügeleisenhaus „Volkskunst für die Wiedervereinigung: Die ostdeutschen Heimatstuben in Hattingen“, ein offizieller Beitrag zum Europäischen Kulturerbejahr 2018 SHARING HERITAGE, unter Verwendung vieler zeitgenössischer Ausstellungsobjekte nach. Das Museum hat nach der Winterpause wieder geöffnet und zeigt diese Ausstellung parallel zur Sonderausstellung „Made in Hattingen - Waren aus der Heimat” bis zum 9. Dezember, samstags und sonntags und an allen Feiertagen, geöffnet jeweils von 15 bis 18 Uhr.


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