Mit Klängen Brücken bauen zu Menschen mit Demenz

In der Altenhilfe und der Palliativmedizin eine Methode zum Hören und Sich-wieder-Spüren.

Heidrun Eichmann und Melanie Niggeloh, Betreuungsmitarbeiterinnen des Sozialen Dienstes im Matthias-Claudius-Haus Sprockhövel, haben eine Fortbildung zum Thema Klangmassage absolviert. Vor allem bei Menschen mit Demenz werden damit gute Erfolge erzielt.

Vibrationen spüren - das erleben viele bei Ausflügen in die Musik. Ob Disco oder Konzert, das geht in die Beine, oft in den ganzen Körper. Der Schall des erzeugten Tons kann aber auch  anders zum Einsatz kommen - nämlich durch Klangmassagen, die vor allem bei dementen Patienten und in der Palliativmedizin zum Einsatz kommen.
„Klangschalen mit verschiedener Grundfrequenz und unterschiedlicher Größe werden dabei auf den bekleideten Körper gesetzt. Sie können auch neben dem Körper oder an anderer Stelle im Raum platziert werden. Wird die Schale geschlagen, so nimmt der Mensch den dadurch erzeugten Schall als Vibration wahr. Der menschliche Körper besteht überwiegend aus Wasser. Das wird durch die Schallwellen in Bewegung versetzt und dieser Effekt wirkt wie eine innere Massage der Körperzellen“, erklärt Heidrun Eichmann. Gemeinsam mit Melanie Niggeloh haben sie als Betreuungsassistenten der Sozialen Dienste im Matthias-Claudius-Haus in Sprockhövel das Beklingen gelernt und wenden es nun bei den Bewohnern der Altenhilfeeinrichtung an - natürlich nur bei denen, die es möchten.
„Verspannungen und Blockaden können gelöst werden und wir beobachten oft, dass die Bewohner ruhiger werden. Eine Klangmassage hilft, sich wieder zu spüren. Das ist beispielsweise für bettlägerige Bewohner sehr wichtig, die oft kein Gespür mehr für den eigenen Körper haben. Oder bei Bewohnern, die durch eine Krankheit eine Teillähmung des Körpers erlitten haben Auch bei Menschen mit Demenz haben wir erlebt, wie ruhig sie durch eine Klangmassage werden“, erzählen die beiden Frauen.
Heimleiterin Andrea Flessa und der Förderkreis haben die Anschaffung der Klangschalen aus Messing unterstützt. Regelmäßig finden nun im Matthias-Claudius-Haus Einzel- und Gruppenangebote statt. Einzelne Erlebnisse dauern etwa eine halbe Stunde, in der Gruppe ist es eine Stunde.
„Durch den Klang und sein Nachspüren kann man einen dementiell veränderten Menschen erreichen. Der Klang wirkt als Medium, baut eine Brücke zu dem Menschen. In der Gruppe lesen wir beispielsweise dazu Gedichte vor, schaffen mit Räucherstäbchen eine besondere Atmosphäre. Man kann auch ätherische Öle in eine Klangschale geben und sie dann durch das Anschlagen im ganzen Raum verteilen lassen. Es gibt da viele Möglichkeiten“, beschreibt Heidrun Eichmann.
Die Wirkung, so erklären die Frauen, sei spürbar.
Natürlich müsse man das Beklingen erlernen: welche Größe die Schale habe, welcher Schlaggegenstand zum Einsatz komme und vor allem, welche Krankheiten bei dem Bewohner auch gegen eine Klangmassage sprechen. „Bei Thrombose sollte man sie nicht anwenden. Auch bei Herzschrittmachern ist Vorsicht geboten.“


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