Leere Stühle aus Bronze erinnern an Schicksal der Helden

Wilhelm-Kraft-Gesamtschule führt Austauschprojekte mit den St.-Kinga-Gimnazjum durch.

Das Foto zeigt die deutschen und polnischen Schüler und Schülerinnen zusammen mit den beteiligten Lehrkräften.

Unterstützt vom „Deutsch-Polnischen Jugendwerk“ führt die Wilhelm-Kraft-Gesamtschule immer wieder Austauschprojekte mit dem St.-Kinga-Gimnazjum in Wojnicz durch. Die gemeinsame ­Geschichte ist jedes Mal ein Schwerpunkt. Aber auch das Kennenlernen der anderen Kultur und der persönliche Kontakt in den Gastfamilien trägt zum Abbau von Vorurteilen und zur gegenseitigen Akzeptanz bei.
Der Besuch der Gedenkstätte Auschwitz wurde in beiden Schulen durch mehrere Treffen vorbereitet. Zu Beginn der Austauschwoche besuchten die Jugendlichen die Ausstellung zur Besatzung Krakaus durch die Deutschen in Schindlers Fabrik und erhielten eine Führung durch das ehemalige jüdische Viertel in Krakau (Kazimierz), in dem ­damals 68 000 Juden lebten. Die Führung endete im Krakauer Ghetto, in das die Juden vertrieben wurden. Auf dem Platz der Ghettohelden erinnern 68 leere Stühle aus Bronze an ihr Schicksal.


Auf einem Bauernhof
Am letzten Tag des Austausches stand das gemeinsame Tun im Vordergrund. Auf einem Bauernhof backten die Jugendlichen gemeinsam Brot und Kekse – eine vergnügliche und zugleich symbolische Gemeinschaftsaktion.
Der Schüleraustausch in diesem Jahr hatte einen besonderen Schwerpunkt. Es ging um die Teilnahme am Projekt „Wege zur Erinnerung“ und richtete sich vorwiegend an ältere Jugendliche.
Wie in jedem Jahr war es aber auch besonders wichtig, das Leben in den Gastfamilien und die andere Kultur kennenzulernen. Inzwischen sind Freundschaften entstanden, und manche Schüler stellten zu ­ihrer Überraschung fest, dass bereits ein Bruder oder eine Schwester ­ihres Austauschpartners in Deutschland zu Besuch gewesen war. Auch in diesem Jahr war die Gastfreundschaft der polnischen Familien sehr herzlich. Es gab nicht nur gutes Essen und viele Süßigkeiten, sondern die polnischen Gasteltern bemühten sich auch um ein spannendes Freizeitprogramm. In mehreren Sprachen, zur Not mit Händen und ­Füßen gelang die Verständigung problemlos.


Freizeit und viel Spaß
Neben dem historisch-politischen Programm gab es auch Freizeit und viel Spaß. Die Jugendlichen lernten den kleinen Ort Wojnicz und die Stadt Tarnow kennen. Sie machten zwei Ausflüge nach Krakau, sodass auch genügend Gelegenheit zum Bummeln und zum Einkaufen war.
Später gab es in der Schule nach der Auswertung des Projekts noch einmal ein leckeres Büffet mit Salaten und Kuchen. Danach erfolgte die offizielle Verabschiedung durch den Bürgermeister und die Schulleiterin. Die polnischen Gastgeber waren vor allem erfreut darüber, dass dieses Mal der Schulleiter  Christoph Uessem an dem Austauschprojekt teilgenommen hat, weil dadurch deutlich wird, wie wichtig der Schule diese Schulpartnerschaft ist.
Am Abend fiel allen der Abschied schwer, aber die Beteiligten freuen sich schon jetzt auf den Gegenbesuch der polnischen Freunde im Mai des kommenden Jahres.
Zu den bedrückenden Erlebnissen zählte der Besuch im Konzentrationslager Auschwitz. Ein Bericht: „Es ist Donnerstag, still und bedrückt nehmen wir an einer Führung durch das Konzentrationslager Auschwitz teil. In den Lagerblocks sind das Grauen und der Schrecken des Lageralltags greifbar. Wir sehen kahle Räume, in denen Hunderte von Gefangenen eingepfercht waren und auf dem nackten Boden – nur mit einer dünnen Schicht Spreu bedeckt – schlafen mussten.
Unser polnischer Begleiter berichtet von der Grausamkeit und Gnadenlosigkeit der KZ-Aufseher und den Schrecken des Alltags im KZ, von Hunger, von den unmenschlichen Arbeitsbedingungen, von den stundenlangen Appellen bei bitterer Kälte und von drakonischen Gruppenstrafen, wenn es zu Widerstand oder Ausbruchsversuchen kam. Wir sehen die Galgen auf dem Gelände, an denen Häftlinge zur Abschreckung öffentlich aufgehängt wurden und sogenannte ,Stehzellen‘, in denen Menschen tagelang eingesperrt wurden, ohne die Möglichkeit zu haben, sich zu bewegen oder sich hinzusetzen. Es gibt ein eigenes Gebäude für Strafaktionen, Verhöre, Folter und Exekutionen. Schließlich stehen wir vor der ,Schwarzen Wand‘, einem Kugelfang aus schwarzen Isolierplatten, an der tausende Todesurteile gegen polnische Zivilisten, Widerstandskämpfer und KZ-Häftlinge vollstreckt wurden.“


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