Klassische Archivarbeit und erste Umzugsvorbereitungen

Hattinger Geschichtsstudentin hilft im Sprockhöveler Archiv, das bald nach Hattingen zieht.

Geschichtsstudentin Tanja Lempner (26) absolviert im Sprockhöveler Stadtarchiv ein Praktikum. Die Bachelor-Studentin der Ruhr-Universität Bochum hat auch Russische Kultur studiert und möchte nach dem Studium gern bei einem Verlag volontieren und in den Journalismus einsteigen. Neben Russisch und Deutsch spricht sie auch Englisch und Französisch. Stadtarchivarin Karin Hockamp vermittelte der Studentin Fachwissen in der Archivarbeit.

Tanja Lempner (26) ist erst vor kurzem von Hattingen nach Sprockhövel gezogen und fühlt sich in der Zwiebelturmstadt wohl. Über die Sprockhöveler Geschichte und die Sprockhöveler selbst hat sie auch im Stadtarchiv einiges erfahren, denn dort absolviert sie ein Praktikum. Zwei Künstlernachlässe von Klaus Leyhe und Karl Hellwig hat sie gesichtet, geordnet, gereinigt, ausgemessen, beschrieben und verzeichnet. Vom SC Obersprockhövel bearbeitete sie außerdem eine umfangreiche Schenkung verschiedener Dokumente.

„Ich habe vorher schon einmal kurz mit Thomas Weiß im Hattinger Stadtarchiv gearbeitet“, erzählt sie. Deshalb sei ihr die Archivarbeit nicht gänzlich unbekannt gewesen. „Ich habe viel gelernt und bin immer wieder auf interessante Details hingewiesen worden“, sagt sie. Ein Höhepunkt sei ein Termin bei einem Verlag in Bergisch Gladbach gewesen. „Karin Hockamp und Christian Seidler veröffentlichen in diesem Jahr die ,Chronik des Amtsmannes Noelle‘ aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Ich konnte dabei sein, als man sich für Layout und Korrekturen zusammengesetzt hat. Und es gab die Möglichkeit, Verlag und Druckerei zu besichtigen. Das hat mich sehr begeistert.“
Nicht nur die klassische Arbeit des Archivs, beispielsweise Rechercheaufträge von Familienforschern und Erbenermittlern oder telefonischer Kontakt, gehört zu ihren Aufgaben - auch das Falten von Archivkartons, Verpacken oder Aufräumen in den Archivbeständen müssen erledigt werden, denn der Umzug des Sprockhöveler Archivs nach Hattingen steht unmittelbar bevor.
„Sprockhövel hat seit 1986 ein Archiv, ich selbst übernahm das Stadtarchiv 1991“, berichtet Karin Hockamp und erzählt: „Am Anfang waren die Bestände des Archivs im Rathaus untergebracht, danach zogen sie in die Gevelsberger Straße um. Zunächst unter das Dach, später dann in größere Räume im gleichen Haus. Vor zehn Jahren dann der Umzug in die Pavillons auf dem Schulhof der Mathilde-Anneke-Schule, aus denen wir bald ausziehen und unsere Bestände in die Räume des Hattinger Stadtarchivs verlagern. Wir haben schon einmal vor einigen Jahren einen Vorstoß gemacht, hier eine interkommunale Zusammenarbeit auf die Beine zu stellen. Damals hat das nicht geklappt, jetzt hat die Politik grünes Licht gegeben.“
Das liegt vor allem daran, das ab 2019 die bisherige Raumsituation des Archivs nicht mehr ausreichen wird. Neben den Raumproblemen gab es auch personelle Sorgen, denn die ausgebildete Stadtarchivarin Karin Hockamp geht im Sommer in den Ruhestand und steht nur noch mit sieben Stunden pro Woche zur Verfügung.
So wurden mit Hattingen Gespräche bezüglich einer möglichen Zusammenarbeit im Archivbereich geführt. Und die haben sich als erfolgreich erwiesen.
Im Hattinger Stadtarchiv im Rauendahl stehen nicht nur ausreichend große Räume zur Verfügung. Auch die technischen Geräte wie beispielsweise der Aufsichtscanner können mitgenutzt werden.
Eine neue Auszubildende zur Fachangestellten für Medien und Informationsdienste wird im Stadtarchiv in Hattingen arbeiten. Außerdem zwei Teilzeitkräfte für sechs bzw. zwölf Stunden. Zudem gibt es noch eine Kraft für ein Freiwilliges Jahr.
Und eben mit sieben Stunden pro Woche noch Karin Hockamp, die das Sprockhöveler Archiv wie ihre Westentasche kennt.
Der Umzug wird im Hinblick auf die Archivnutzer nur wenig Probleme machen. Der persönliche Besuch in Sprockhövel ist rückläufig. Im Jahr 2014 waren es 89 Personen, im Jahr 2015 waren es 81 Personen und im Jahr 2016 nur noch 62 Personen, die das Archiv besucht haben. Von diesen kamen 13 Besucher nicht aus Sprockhövel.
Knapp 300 schriftliche Anfragen hatte das Archiv zu verzeichnen und mehr als 400 telefonische Kontakte - das macht deutlich, dass die meisten Archivbenutzer nicht ortsgebunden sind.
Eher verspricht man sich noch eine Belebung in der Archiv­arbeit, denn das Hattinger Stadtarchiv ist sehr gefragt. Viele Projekte gehen von dort aus und die rege Öffentlichkeitsarbeit sorgt für ein lebendiges Erinnern.
Hattingens Stadtarchivar Thomas Weiß und seine Sprockhöveler Kollegin Karin Hockamp kennen und schätzen sich.
Und wer weiß, möglicherweise berichtet Tanja Lempner, die beide Archive kennengelernt hat, ja vielleicht bald als Volontärin über die neuen Strukturen der zukünftigen Archivarbeit.


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