Katholischen Gotteshäusern geht‘s an den Kirchturm

Finanzielle Schieflage: Am 6. Dezember wird nicht nur über Buchholz und Herbede geredet.

Pfarrer Burkhard Schmelz und Werner-Georg Kölling (Kirchenvorstand) mit der Karte der Großpfarrei St. Peter und Paul Witten. Die farbigen Flächen markieren die Grenzen der Pfarrei: Unten St. Josef Haßlinghausen mit einer Gemeindekirche. Darüber links in grün St. Januarius Niedersprockhövel, ebenfalls mit einer Gemeindekirche. Auf der rechten Seite in blau Wetter-Wengern mit der Gemeindekirche St. Augustinus-Monika in Grundschöttel und der Filialkirche St. Liborius in Wengern. Oben in rosa St. Peter und Paul Witten-Herbede als Pfarrkirche und St. Antonius in Buchholz als Filialkirche.

Den katholischen Gotteshäusern in Herbede und Buchholz droht die Schließung. Die Großpfarrei St. Peter und Paul, die sich über Herbede, Sprock­hövel und Wetter-Wengern erstreckt, muss sparen. Danach soll die Kirche St. Antonius in Buchholz 2020 aufgegeben werden. Die Stammkirche St. Peter und Paul soll 2025 folgen. Bereits 2007 war St. Martin in Vormholz abgerissen und das Grundstück verkauft worden. Am Mittwoch, 6. Dezember, 19 Uhr, findet im Gemeindeheim St. Peter und Paul, Wittener Straße 57, in Herbede eine öffentliche Pfarrversammlung statt.

Schon Mitte Oktober war ein erster Entwurf der pastoralen und wirtschaftlichen Entwicklung der Großpfarrei präsentiert worden. Der Pfarreientwicklungsprozess (PEP), der überall im Bistum vor dem Hintergrund des Rotstiftes geführt wird, startete 2015. Bis Ende 2017 sollte die Zukunft der einzelnen Pfarreien stehen. Für diese Pfarrei gibt es eine Fristverlängerung bis 28. Februar 2018.
Im Oktober war bereits die Schließung der zwei von insgesamt sechs Kirchenstandorten angekündigt worden. In Herbede sollen die Gläubigen stattdessen in der Kapelle in der ersten Etage des katholischen Altenheims Josefshaus die Messe feiern. Diese hat 50 Sitzplätze. Pfarrer Burkhard Schmelz (43), Leiter der Großpfarrei, erklärte damals: „Es ist noch nicht alles in Stein gemeißelt.“ In der Zwischenzeit wurden rund 2000 Unterschriften gesammelt, um die drohende Schließung abzuwenden.
Die 3100 Herbeder Katholiken   (mit Buchholz) gehören seit 2007 zur Großpfarrei mit insgesamt 13300 Seelen. „Wir haben in Zukunft weniger Personal und weniger Geld”, sagt der Pfarrer.
Für die Instandhaltung aller Kirchengebäude in der Pfarrei stehen nur noch 68.000 Euro aus dem Topf des Bistums zur Verfügung. Viel zu wenig, denn der Erhalt aller sechs Kirchenstandorte würde mit Rücklagenbildung mindestens 168.000 Euro kosten. Bis auf St. Peter und Paul Herbede haben die anderen Standorte einen Förderverein. In Wetter unterhält der 2006 gegründete und 133 Mitglieder starke Verein bereits das Gemeindeheim. Dort soll nun auch die Filialkirche St. Liborius mitunterhalten werden. Insgesamt 50.000 Euro muss der Förderverein pro Jahr dann in die Kasse bekommen - ist aber zuversichtlich ob des Gelingens.
In Buchholz trägt der dortige Förderverein bereits einen Teil der Kosten des Gemeindeheimes, welches sich unterhalb der Kirche im gleichen Gebäude befindet. Aber die Gemeinde ist hier nur rund 500 Mitglieder stark. Ob auch eine Kirche mitunterhalten werden könnte, scheint fraglich.
“Die Menschen kämpfen um ihre Kirchen und das kann ich gut verstehen. Aber in zehn Jahren gehen die geburtenstarken Jahrgänge in die Rente und zahlen dann in der Regel keine Kirchensteuer mehr. Außerdem steigt das Alter der Priester und Pastöre und ihre Anzahl sinkt. Für alle sechs Kirchenstandorte haben wir schon heute nur 2 1/2 Priester-Stellen”, erklärt Burkhard Schmelz die Quadratur des Kreises.
Schon jetzt werden Menschen für das Abhalten von Wortgottesdiensten im Ehrenamt ausgebildet. Der Priester kann schon heute nicht mehr überall die Messe lesen. Der Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamt kommt in Zukunft ein besonderer Stellenwert zu, ebenso der Ökumene. Die Kirchen werden zunehmend als „geistige Tankstellen” verstanden, die durch andere Orte wie beispielsweise theologische Stammtische, Klosterwochenenden, Wallfahrten oder Schriftgespräche ergänzt werden sollen.
Das wirtschaftliche Konzept wurde nun noch einmal überarbeitet und das Ergebnis soll am 6. Dezember allen Interessierten und natürlich den Gemeindemitgliedern vorgestellt werden.
Fakt bleibt aber die finanzielle Dramatik der Kirchen - übrigens nicht nur der katholischen Kirche.
Fakt bleibt auch die Tatsache, dass sich alle auf Veränderungen einstellen müssen. Die können aber auch eine neue Chance bedeuten.
Verändern wird sich auch das Leben von Burkhard Schmelz, der acht Jahre in Sprockhövel St. Josef seinen Dienst versah und die Großpfarrei leitet. Er wird Mitte März seine neue Aufgabe als Militärseelsorger antreten. Der 43jährige ist einer der jüngsten katholischen Priester im Ruhrgebiet. Sein Einsatz ist zunächst auf sechs Jahre ausgelegt.


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