Jüdische Kaufhäuser prägten das Hattinger Stadtbild

Im zweiten Teil der IMAGE-Serie „Hattingen historisch“ geht es um jüdisches Gewerbe.

Mit der neuen Serie „Hattingen historisch“ wirft IMAGE mit Hilfe von Stadtarchivar Thomas Weiß einen Blick in alte Zeiten. In diesem Beitrag geht es um jüdische Familien in Hattingen.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts begannen sich Juden dauerhaft in Hattingen anzusiedeln. Im September 1872 wurde eine Synagoge eingeweiht,  es gab eine Religionsschule und einen jüdischen Friedhof. In Hattingen wurden einige Kaufhäuser von Juden gegründet und betrieben.
Schon Ende 1920 wurde zu einem Boykott jüdischer Geschäfte aufgerufen, während der Pogromnacht 1938 die Synagoge in Brand gesetzt. Die wenigen jüdischen Bewohner Hattingens wurden ab 1941 ghettoartig in der alten Hattinger Gewehrfabrik nahe Haus Stolle untergebracht. „Am 28. April 1942 wurden die letzten 15 Hattinger Juden abgeholt und nach Zamosc gebracht. Dort mussten sie arbeiten oder wurden erschossen“, berichtet Stadtarchivar Thomas Weiß, der sich lange mit der Geschichte der Juden in Hattingen beschäftigt hat.

Jüdisches Gewerbe
Zur Geschichte der Hattinger Juden gehört auch die stadtbildprägende Kaufmannstradition.
Im Jahre 1826 gründete Jacob Urias im Haus Steinhagen 15 „durch die Anlage eines kleinen Schaufensters mit dahinter befindlichem Verkaufsraum“ das bis in die 1930er-Jahre hinein bedeutendste Kaufhaus Hattingens. Seine Nachfahren führten die erfolgreiche Kaufmannstradition fort, erweiterten und modernisierten das Manufaktur- und Modewarengeschäft am neuen Standort, Steinhagen 20/22, zum „anerkannt führenden Haus“  im Kreis Hattingen. Daneben engagierte sich die Familie als Vorstände der Synagogengemeinde, in der Hattinger Bildungs- und Kulturpolitik oder als ehrenamtliche Beigeordnete. Seine Schwester Emmy Roth machte zudem als gefeierte Silberschmiedin in den 1920er/30er-Jahren in der ganzen Welt Furore. Infolge der Weltwirtschaftskrise musste das Kaufhaus am Steinhagen im Jahre 1932 schließen , die Familie Urias verließ Hattingen.