Inga Flieger übersetzt Medizinersprache

„Es ist Aufgabe des Arztes, sich patientengerecht auszudrücken.“

„Pro Tag wird eine bestimmte Anzahl von Nutzern behandelt“, erläutert die 24-jährige Medizinstudentin. „Wenn zu viele Befunde hochgeladen werden, bekommen die Leute eine automatische Benachrichtigung, dass die Bearbeitung noch ein bisschen dauern kann.“

Eigentlich sollte die Arbeit, die Inga Flieger ehrenamtlich neben dem Studium leistet, gar nicht nötig sein. „Es ist Aufgabe des Arztes, sich patientengerecht auszudrücken“, sagt sie.
Weil das aber nicht alle Mediziner schaffen, arbeitet sie seit einigen Monaten in ihrer Freizeit für das Portal www.washabich.de. ­Hier haben Nutzer die Möglichkeit, sich ihre Arztbriefe und Untersuchungsbefunde von ausgebildeten Ärzten und Medizinstudierenden ab dem 8. Semester aus der medizinischen Fachsprache „übersetzen“ zu lassen.
„Viele Ärzte sprechen nicht richtig mit ihren Patienten“, sagt die UW/H-Studentin. „Und die Befunde in der Fachsprache verstehen viele nicht. Auch in der Klinik ist es mir einige Male passiert, dass Patienten mich nach der ­Visite noch einmal zu sich gerufen haben, weil sie wissen wollten, was da eigentlich gerade passiert ist.“ Dabei sei die medizinische Fachsprache durchaus wichtig.
Präzise ausdrücken
„Es ist absolut berechtigt, sich gut und präzise auszudrücken, damit die anderen behandelnden Kollegen möglichst detailliert erfahren, was dem Patienten fehlt. Im Umgang mit den Leuten selbst ist es aber genauso wichtig, ihnen die Befunde so zu erklären, dass sie sie auch verstehen.“ Auch ihr selbst falle es oft schwer, im Gespräch mit Patienten nicht in die Fachsprache zu verfallen. „Im ersten ­Semester wusste ich zum Beispiel selbst noch nicht, dass Hypertonie Bluthochdruck bedeutet. Neulich habe ich mich dann dabei erwischt, dass ich das Wort selbst im Gespräch verwendet habe. Damit habe ich den Patienten aber überfordert. Man muss genau aufpassen, dass man nicht blind dafür wird, was man einem Patienten im Gespräch zumutet. Viele Leute trauen sich einfach nicht, nachzufragen. Oder denken in dem Moment nicht daran.“
Eine Bereicherung
Auch für sie selbst sei die freiwillige Arbeit an dem Portal eine Bereicherung. „Das hilft ja nicht nur den Patienten“, erläutert sie. „Genauso hilft es mir dabei, weiter daran zu arbeiten, mich verständlich auszudrücken. Man muss einfach das richtige Maß an Vereinfachung lernen. Das sollte nicht zu stark sein, aber man muss auch aufpassen, dass man die Patienten nicht mit zu vielen Details überschüttet.“
Dokumente hochladen
Um das selbst weiter zu lernen und gleichzeitig den Patienten zu helfen, ihr Krankheitsbild besser zu verstehen, arbeitet sie an dem Portal www.washabich.de mit. Hier laden die Nutzer ihre Dokumente hoch.
Dabei handelt es sich um komplette Arztbriefe nach einem Krankenhausaufenthalt, Untersuchungsbefunde aus der Bilddiagnostik wie MRT, CT, Lungenfunktion, Blutentnahme oder einfach alles, was den Patienten medizinisch beschäftigt. Dann befindet sich der Patient in „virtuelle Wartezimmer“.


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