Immer älter, immer kränker: Die große Herausforderung

Klinik für Geriatrie am EvK Witten arbeitet interdisziplinär zum Thema „Altersmedizin“.

Dr. Ulrich Weitkämper, Chefarzt der Klinik für Geriatrie und Tagesklinik, am Evangelischen Krankenhaus in Witten. Der demografische Wandel führt dazu, dass heute in allen Gebieten der Medizin immer mehr alte Patienten behandelt werden.

Es gibt immer mehr alte Menschen – und der Mensch wird immer älter. Der demografische Wandel führt dazu, dass heute in allen Gebieten der Medizin immer mehr alte Patienten behandelt werden, die auf spezielle ärztliche Hilfe angewiesen sind. Die Geriatrie ist die medizinische Spezialdisziplin, die sich mit den körperlichen, geistigen, funktionalen und sozialen Aspekten in der Versorgung von akuten und chronischen Krankheiten, der Rehabilitation und Prävention alter Patientinnen und Patienten sowie deren spezieller Situation am Lebensende befasst. Am Evangelischen Krankenhaus Witten beschäftigen sich Dr. Ulrich Weitkämper und sein Team mit diesem Thema.

Was ist Geriatrie? Hinter dem Begriff verbirgt sich die Lehre von den Krankheiten des alternden Menschen. In den meisten europäischen Ländern ist die Geriatrie ein eigenständiges Fach oder ein Schwerpunkt in der Inneren Medizin. Auch am EvK Witten wird die „Altersmedizin“ mit der „Innen Medizin“ verbunden. Der durchschnittliche geriatrische Patient ist über 70 Jahre alt. Für seine Behandlung ist ein ganzheitlicher Ansatz notwendig, denn viele Senioren leiden an mehreren Krankheiten zugleich, die teilweise chronisch sind.
In der Praxis bedeutet das: Der Geriater als Spezialist für die Behandlung alter Menschen ist ein Netzwerker auf vielen inhaltlichen Gebieten. Denn der Organismus eines alten Menschen funktioniert nun einmal anders als der eines jungen Menschen. Das Ziel sind individuelle Behandlungslösungen vor dem ganzheitlichen Ansatz, denn viele Patienten leiden an mehreren Krankheiten zugleich.
Hinzu kommt die Tendenz zur Auflösung von traditionellen Familienstrukturen. Viele ältere Menschen haben niemanden mehr, der sich um ihre Versorgung kümmert.  
Vor diesem Hintergrund wurde der geriatrische Versorgungsverbund „Netzwerk Geriatrie“ im Ev. Verbund Ruhr (EVR) geschaffen. Zentraler Knotenpunkt in Witten ist das Ev. Krankenhaus. Mit der Klinik für Geriatrie mit Tagesklinik sowie dem altersmedizinischen Schwerpunkt in allen Bereichen bietet es eine ganzheitliche Therapie von der Akutbehandlung über die Frühmobilisation bis hin zur ambulanten Weiterbehandlung. Für eine umfassende geriatrische Versorgung wurden Kooperationen mit stationären Pflegeheimen, ambulanten Diensten und niedergelassenen Vertragsärzten geschlossen. Ziel ist die Betreuung der älteren Menschen durch intensive Vernetzung und Bündelung von Kompetenzen.
Angebote wie Sturzprävention, gezieltes Kraft- und Ausdauertraining, Gedächtnistraining, Behandlung von Sprach- und Schluckstörungen sowie aktivierende Pflege verbessern die allgemeine gesundheitliche Situation des Patienten und ermöglichen einen möglichst selbstbestimmten Alltag. Um diese Ziele zu erreichen, arbeiten die Mitarbeiter berufsübergreifend im Geriatrischen Team zusammen. Es besteht aus Ärzten, Pflegepersonal, Krankengymnasten, Ergotherapeuten, Logopäden, Sozialarbeitern, der Wundbeauftragten und dem Krankenhausseelsorger. Bei allen Patienten, bei denen Heilung bzw. Besserung nicht mehr erreicht werden kann, steht die palliative Versorgung im Vordergrund.
Eine Besonderheit der Klinik stellt auch der Bereich für Menschen mit demenziellen Erkrankungen dar. Dr. Ulrich Weitkämper, Chefarzt der Klinik für Geriatrie und Tagesklinik, hat schon in der Vergangenheit immer wieder diese Besonderheit erklärt - beispielsweise beim Besuch des japanischen Professors Jun Matsuda in Witten, als dieser auf der Suche nach Konzepten über geriatrische Rehabilitation und Versorgungsmodelle für Menschen mit Demenz war. „Patienten mit demenziellen Erkrankungen stellen uns vor besondere Herausforderungen. Ein Umgebungswechsel und die ungewohnten Abläufe und Untersuchungen im Krankenhaus stellen für einen demenzkranken Menschen eine große Belastung dar. Das Ev. Krankenhaus Witten hat deshalb eine Station innerhalb der Geriatrie baulich auf die besonderen Bedürfnisse demenzkranker Patienten abgestimmt. Die mit der Pflege dieser Patienten betrauten Mitarbeiter verfügen zum Teil über eine Zusatzqualifikation zur Fachpflegekraft Geriatrie oder zu Betreuungsassistenten“, erklärt Dr. Ulrich Weitkämper.


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