Hilfe bei Schädigungen des Gehirns nach Schlaganfall oder (Verkehrs-)Unfällen

Hattinger Professor Boris Suchan leitet das NeuroPsychologische Therapie Centrum RUB.

Der Hattinger Professor Dr. Boris Suchan (links) ist Leiter des neuen NeuroPsychologischen Therapie Centrums (NTC) an der Ruhr-Universität Bochum. Zum Eröffnungssymposium kam auch Professor Dr. Axel Schölmerich, Rektor der Ruhr-Universität Bochum. Rechts im Bild Professor Dr. Siegfried Gauggel, Uniklinik Aachen.

Das NeuroPsychologische Therapie Centrum (NTC) wurde von dem Hattinger Psychologischen Psychotherapeuten Boris Suchan gegründet. Neuropsychologische Diagnostik und Therapie ist vor allem für Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen sinnvoll, da in diesem Zusammenhang häufig  Probleme in den Bereichen Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Sprache, Wahrnehmung und Handlungsplanung auftreten. Beispiele sind Menschen mit Schlaganfällen oder Schädel-Hirn-Trauma nach Unfällen. Aber auch Menschen mit Demenz  finden hier Hilfe.

Noch ist die neue Lehr- und Forschungsambulanz in der Regel in der Behandlung für Selbstzahler und Privatpatienten sowie im Rahmen von Studien tätig. Die Kosten können von gesetzlichen Krankenversicherungen übernommen werden, sofern die Hirnschädigung nicht länger als fünf Jahre zurück liegt. In Einzelfällen kann davon auch abgewichen werden. Eine allgemeine Abrechnungsgenehmigung mit den gesetzlichen Krankenkassen ist in Planung.
Die Idee des NTC ist auch eine Idee der Vernetzung verschiedener Fakultäten der Ruhr-Universität Bochum, die mittlerweile Bochums größter Arbeitgeber ist - wie Rektor Prof. Dr. Axel Schölmerich auf dem Symposium betonte.
Psychologen, Mediziner, Biologen und Biochemiker arbeiten Hand in Hand, um die neurologische Versorgung der Menschen zu verbessern.
Bis zu 550.000 Menschen sind in der Bundesrepublik pro Jahr nach Hirnschädigung oder Hirnerkrankung von Beeinträchtigungen der Hirnfunktionen betroffen, die meisten von ihnen haben einen Schlaganfall oder ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten.
Ein Zehntel dieser Patienten bedarf ambulanter neuropsychologischer Versorgung. Während die Behandlung dieser Störungen lange Zeit nur im stationären Rahmen möglich war, ist die neuropsychologische Diagnostik und Therapie seit 2012 eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherungen, die auch ambulant erbracht werden kann.
Tatsächlich haben Patienten im Alltag jedoch Schwierigkeiten,  entsprechend ausgebildete, ambulant arbeitende Neuropsychologen zu finden. Derzeit sind bundesweit nur ca. 200 ambulant tätige Psychologische Psychotherapeuten mit neuropsychologischer Zusatzqualifikation verzeichnet, was einer Versorgungsdichte von 1 : 360.000 bezogen auf die Bevölkerung entspricht.
Das Bochumer NTC will hier einen neuen Versorgungsbeitrag
leisten.
So gibt es beispielsweise einen Neuropsychologischen Ratgeber mit dem Ziel, Betroffene und Angehörige in verständlicher Sprache zu informieren. Unter www.ratgeber-neuropsychologie.de sollen Menschen Aufklärung finden. „Wir möchten erreichen, dass die Patienten Experten ihrer Erkrankung werden“, so Boris Suchan. Übrigens gibt es sogar Comics und Filme für Kinder zu bestimmten Themen, beispielsweise Demenz.
Neben Lehre, Forschung und Aufklärung wird auch an einer unabhängigen Behandlerliste gearbeitet. Eine Akademie für Neuropsychologie wurde gegründet, die in diesem Jahr bereits erste Veranstaltungen anbietet. Kooperationen mit anderen Hochschulen und Kliniken machen das Bild komplett.

Kontakt: Ambulanz Büro (E-Mail np-ambulanz@ruhr-uni-bochum.de oder Telefon 0234-32-21371); www.ruhr-uni-bochum.de/np-ambulanz/


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