Hattinger Ehepaar im Ehrenamt: Neue Vereinsgründung

Armut bekämpfen – Ausbildung für Afrika: Die Fröbers gründen „Together in The Gambia“.

Neun der insgesamt zwölf Vereinsmitglieder bei der Vereinsgründung: Sigrun und Reinhard Böke (Kassenwart, ganz hinten links), Inge und Friederich Brucker (2. Vorsitzender, 4.v.l.), Marcus Dederichs, Gisela Kaufmann, Barbara Egelhaaf, Barbara und Jürgen Fröber (Vorsitz, rechts im Bild), Christian Haensler, Constance von Lochow und Uta Wegener-Linse.

Seit vielen Jahren engagieren sich Barbara und Jürgen Fröber in der Hilfe für Gambia. In dem kleinen Dorf Jabang, 35 Kilometer südlich von der Hauptstadt Banjul gelegen mit etwa 20.000 Einwohnern, kommt von dem ohnehin nur spärlichen Tourismus des Landes nichts an. Ihr Engagement begann im Verein „Hattingen hilft“, der 2012 mit dem Verein „Kindergarten Linden, Schul- und Dorfentwicklung in Gambia“ (KLG) fusionierte. Für die Medizinerin und den Ingenieur war von Anfang an klar: Wir wollen hier Hilfe zur Selbsthilfe leisten, damit sich das Leben im Dorf verbessert. Jetzt wollen sie diesen Anspruch mit einem eigenen Verein in die Tat umsetzen.

„Uns ist die nachhaltige Arbeit wichtig. Wir möchten mitwirken an den Voraussetzungen für das Entstehen von Strukturen, die den Alltag vor Ort verbessern“, erzählt das Ehepaar, das seit vielen Jahren oft mehrmals im Jahr Jabang in Westafrika besucht. Ein Kindergarten, eine Schule, ein Gartenprojekt, eine Schulküche – die Aufgaben wurden im Laufe der Jahre immer vielfältiger. „Im Rahmen unserer letzten Reise Ende 2017 ging es vor allem um die Verteilung von 1000 Verbandsmaterialien und den Herdbau“, beschreiben Fröbers aktuelle Aufgaben. „Das Verbandsmaterial wurde aus einer Sammelaktion von etwa 650 Erste-Hilfe-Kästen gewonnen und leistet vor Ort gute Dienste. 33 Umzugskartons mit Verbandsmaterial wurden per Container und Schiff nach Gambia gebracht und dort neben Jabang auch an anderen Orten verteilt. Auch das gambische Rote Kreuz wurde bedacht, denn auch dort fehlt Material an allen Ecken und Enden“, erzählt Barbara Fröber. Ein zweiter Schwerpunkt der Reise war der Herdbau. „Gekocht wird traditionell in Kochhütten auf drei Steinen. Der Holzverbrauch ist hoch. Deshalb wurden gemeinsam mit den Dorfautoritäten Herde aus heimischem Lehm gebaut. Diese befinden sich jetzt in der Testphase. Wir haben 25 Kilogramm Lehmerde mitgebracht und diese soll an der TU in Freiberg bei Dresden im Hinblick auf ihre Eigenschaften untersucht werden. Wir haben Kontakte in die Universitätsstadt mit dem Ziel einer Materialoptimierung“, so Jürgen Fröber. Für den Ingenieur ist der Herdbau ein wichtiges Projekt, da mit relativ geringem Aufwand ökonomisch, ökologisch und gesundheitlich viel bewirkt werden kann. Hauptidee für die Zukunft ist ein berufliches Ausbildungszentrum in Jabang, das jetzt mit einem neuen Verein realisiert werden soll.
„Ursprünglich haben wir dies mit dem KLG umsetzen wollen. 2016 hatte es einen Beschluss für eine Machbarkeitsstudie gegeben, die wir zusammen mit unserem gambischen Partner erstellt haben. Ein solches Zentrum ist der Wunsch der Dorfautoritäten in Jabang. Doch in 2017 wurde das Projekt nicht mehr als Vereinsziel definiert. Es gab inhaltliche Meinungsverschiedenheiten. Doch jedem Ende wohnt ein Anfang inne und wir haben beschlossen, diese Idee mit einem neuen Verein realisieren zu wollen. Dabei lassen wir uns nicht nur von dem Wunsch der Dorfbewohner nach einem solchen Zentrum leiten, sondern auch von der festen Überzeugung, dass ein solches Projekt eine Bleibeperspektive für die Menschen vor Ort schafft und dadurch dazu beiträgt, mögliche Fluchtgründe zu reduzieren“, erklärt Fröber.
Notwendig zur Realisierung ist aber nicht nur der neue Verein, der als „Together in The Gambia“ gegründet wurde, sondern auch die finanzielle Unterstützung durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). „Allein die erste Ausbaustufe beziffere ich mit einem Investitionsvolumen von rund 45.000 Euro. Die anstehenden Personalkosten von etwa 9000 Euro sollen durch die gambische Regierung gedeckt werden. Wenn es eine Unterstützung vom Ministerium gibt, so bedeutet dies eine Kostenübernahme von 75 Prozent. Die Voraussetzungen sind allerdings ein örtlicher Partnerverein und vor allem eine dreijährige erfolgreiche Projektarbeit vor Ort. Möglicherweise finden wir mit unseren langjährigen Erfahrungen im bisherigen Verein hier eine Chance zur Zusammenarbeit.“  Eine vertiefte Zusammenarbeit wird auch mit ihrem früheren Verein „Kindergarten Linden, Schul- und Dorfentwicklung in Gambia“ (KLG) sowie dem Werkstatt Berufskolleg Unna angestrebt.
Im Nachbardorf gibt es auf privater Initiative ein ähnliches Projekt – und man denkt an Kooperation. „Ausbilden wollen wir beispielsweise als Schneider oder im Gartenbau. Wir stellen uns eine Verbindung zum Nachbarprojekt vor, um möglichst Synergieeffekte auf beiden Seiten entstehen zu lassen, beispielsweise im Hinblick auf die unterschiedlichen Ausbildungsangebote.“
Doch noch ist das Zukunftsmusik. Ein dutzend Gründungsmitglieder hauchen dem Verein jetzt zunächst einmal Leben ein – Zuwachs erbeten! Vorsitzender des neuen Vereins ist Jürgen Fröber, sein Stellvertreter ist Friederich Brucker. Reinhard Böke wurde zum Kassenwart gewählt.


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