Hartmut Lübbert: Bequeme Kunst geht ganz anders

Der Wahl-Hattinger wurde in Witten geboren und hat eine Ausbildung zum Goldschmied.

Wachsausschmelzverfahren – 24 Buchstaben Technik. Damit entstehen die Werke von Hartmut Lübbert. Das Wachsausschmelzverfahren findet Anwendung bei formtechnisch schwierigen Skulpturen oder bei besonders hohen Anforderungen an Oberflächengenauigkeit und -schärfe. Die Modelle werden meist aus Wachs hergestellt. Im Verlauf des Verfahrens wird sowohl das Modell als auch die Form zerstört. Daher wird es auch als Verfahren mit verlorenem Modell bezeichnet.

Das Atelier KU.H.L. in Hattingen, Gründer Hartmut Lübbert. Neben seinen Initialen bildet die Kunst die ersten beiden Buchstaben des Ateliersnamen – das „H“ könnte aber auch für Hattingen stehen. Der gebürtige Wittener, gelernter Goldschmied, lebt idyllisch weitab vom Schuss im sehr ländlichen Teil von Hattingen.

Seine Kunst hat Tiefgang, trägt aber nicht immer einen Titel. Der 63-jährige hat mit seiner Kunst etwas zu sagen. Skulpturen, die dritte Dimension, drücken das aus, was er sagen will. Eine Bronze-Sitzbank mit Schweineköpfen in unterschiedlichen Richtungen – das Werk trägt den Titel „Die Bank Ihres Vertrauens“. Ach ja, immer diese Titel! „Meine Werke tragen nicht alle einen Titel. Die Menschen gucken immer zuerst, wie ein Werk heißt. Warum eigentlich? Ein Werk ohne Titel gibt dem Betrachter mehr Freiheit. Aber will er das? Verzichten wir nicht zunehmend auf die Freiheiten, die Generationen vor uns erkämpft haben?“
Hartmut Lübbert hat demonstriert und für Freiheiten gekämpft. Seine eigene hat er sich in der Kunst bewahrt. Eher lebt er für sie, nur bedingt von ihr. Ist alles eine Frage des persönlichen Anspruchs.
Was ihn stört: „Privates wird immer mehr geopfert. Wir geben eine Fülle von Daten preis, wir haben ja nichts zu verbergen. Sprachassistenten nehmen uns das (Be)Denken ab. Wir geben vieles ab und manches auf. Und vielen scheint es egal oder sie merken es nicht einmal.“
Für den neugierigen Querulanten, der sich in alles einmischt – vielleicht die Bronzefiguren „Die Pisser“? Für den taumelnden Politiker die neue Fahne des Landes – viel schwarz, etwas rot, statt des Bundesadlers ein Angsthase und um die Fahne gewirkt eine Goldkante.
Lübbert arbeitet sowohl kleine Figuren und Schmuckstücke, aber auch größere Objekte. Er mag es, wenn sich Kunst selbst erklärt. Oder wenn sich Menschen Gedanken machen über das, was sie sehen. Oft dienen Sprüche als Grundlage für seine künstlerische Ausformung. Menschen und ihre Eigenschaften, dargestellt durch Skulpturen – zwei Figuren, die sich in den Haaren liegen. Es muss auch nicht immer Bronze sein. Für die größeren Arbeiten macht er es in Stahl.
Noch ein Beispiel: „Die Wahlkämpfer”. Fünf Figuren – dürr und abstrakt – halten sich fest. Ihre Köpfe sind ersetzt: „Mit einem Karton, der den Umzug von Tür zu Tür symbolisiert. Einem Schuh, der für den ständigen Fuß in der Tür steht. Einer Filtertüte für ewiges Labern, einem Trichter für wenig Hirn und einem Kronkorken: Prost.”
Bequeme Kunst geht anders. Wie sagte schon der österreichische Psychologe und Aphoristiker Gerald Dunkl: „Es war schon immer so und es wird auch immer so sein – ist die beliebteste Ausrede für die Bequemlichkeit, an den bestehenden Zuständen nichts ändern zu wollen.“
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www.hartmutluebbert.de


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