Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG)

Stromversorgung am Limit?

Rund 26.000 Windkraftanlagen und mehr als 1,2 Millionen Solaranlagen stellten in der ersten Januarwoche ihre Arbeit ein. Verantwortlich war eine sogenannte Dunkelflaute, ein für diese Jahreszeit typisches Hochdruckgebiet sorgte für zehntägige Windstille und Nebel. Am 24. Januar stieg Deutschlands Stromverbrauch auf 83 Gigawatt. Die Windkraft lieferte jedoch fast über den ganzen Tag hinweg weniger als ein Gigawatt, Solaranlagen steuerten drei Gigawatt dazu.
84 % des Strombedarfs aus konventionellen Kraftwerken
Zwischen dem 16. und dem 26. Januar war es an fast allen Tagen ähnlich. Stromspeicher, die eine so lange Zeitspanne überbrücken können, sind nicht einmal ansatzweise in Sicht. Die Energieversorgung leisteten Kraftwerke, die Umwelt- und Klimaschützer eigentlich schon in wenigen Jahren komplett loswerden wollen. „Der Januar hat gezeigt: Wir brauchen weiterhin flexible konventionelle Kraftwerke, um die stark schwankende Stromeinspeisung aus Wind und Fotovoltaik jederzeit ausgleichen zu können“, warnt Stefan Kapferer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). „Die Stromnachfrage muss bei jeder Wetterlage gedeckt und das Stromnetz stabil gehalten werden“.
Bis 2022 sollen 32 Kraftwerke vom Markt genommen werden.
Die Bundesregierung hat die Emissionsgrenzwerte für konventionelle Kraftwerke verschärft. Viele Betreiber rüsten ihre Anlagen nicht mehr nach – sie legen sie lieber gleich still. Beim BDEW fragt man sich angesichts dieser Entwicklung, woher in Zukunft noch der Strom kommen soll, wenn es mit den deutschen Kraftwerksstilllegungen in diesem Tempo weitergeht.
Mittelfristig könnten die Kraftwerke fehlen, die bei einer langen Dunkelflaute für die erneuerbaren Energien einspringen können. „Spätestens nach der Bundestagswahl“, glaubt Kapferer deshalb, „wird diese Diskussion daher in die nächste Runde gehen.“
„Wir brauchen sicher noch eine ganze Weile flexible Gaskraftwerke, um windarme Wochen wie im Januar überbrücken zu können“, sagte auch Philipp Vohrer, Geschäftsführer der „Agentur für Erneuerbare Energien“ (AEE) der „Welt“.
So mehren sich die Stimmen, das eine grundlegende Reform des „Erneuerbaren-Energie-Gesetz“ (EEG) überfällig ist.
„Aufgezählt, was zu tun ist“
Grundsätzlich sei das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ein kluges Gesetz gewesen, als grüne Energien noch eine Nische waren. Jetzt entwickelt es sich zum Hindernis für die Zukunft. Das Verrückte ist doch, dass im Bericht der Atomausstiegskommission von Klaus Töpfer alles aufgezählt ist, was zu tun ist. Und so gibt es nicht wenige Experten, die einigermaßen fassungslos sind, dass es ausgerechnet eine konservative Regierung ist, die angeblich etwas von Wirtschaft versteht, die davon nichts, aber auch gar nichts angepackt hat.
Wie könnte eine solche Reform aussehen?
Wenn der grüne Strom einen Großteil des Strombedarfs decken soll, müssten die Produzenten von Ökostrom mit in die Netzverantwortung hinein und Teil des Marktes werden.
Der Ausbau grüner Energieerzeugung muss außerdem mit dem Bau konventioneller Kraftwerke und dem Netzausbau abgestimmt werden. Ineffiziente Biogasanlagen sind kein Beitrag zur Energiewende, sondern eine neue Form der Landwirtschaftssubvention.
Zu prüfen ist auch, ob die sehr teure Offshore-Wind-Produktion ganz aus der EEG-Förderung zu nehmen ist und über Steuermittel gefördert werden muss.
Parallel dazu sollte der konventionelle Kraftwerksbau wieder angefahren werden.