Central-Kino Hattingen: Hier hat es sich ausgeflimmert...

Im September 2010 lief der letzte Film, jetzt wurde das Gebäude von 1920 abgerissen.

Nur die Treppenstufen erinnern noch an die gute alte Zeit des Kinos: Viele Hattinger bedauerten den Abriss, aber das kleine Kino hatte gegenüber den großen Filmkinos und den zahlreichen Möglichkeiten, einen Film zuhause zu schauen, keine Chance. Teilweise kamen zuletzt nur noch vierzig Besucher pro Tag. Viel zu wenig, um die Fixkosten von rund 4000 Euro pro Monat zu erwirtschaften. So fiel im September 2010 die letzte Klappe. Gegründet wurde das Kino übrigens 1919 von Hermann Hagedorn.

Erinnern Sie sich noch? Hinter den Namen „Odeon“ oder „Holodeck“ verbargen sich cineastische Welten, Popcorn und Gummibärchen: Für Hattingen ist das Central-Kino in der Bahnhofstraße, gegründet 1920 durch Hermann Hagedorn, ein Stück Geschichte. Der Chronik ist zu entnehmen, dass am 26. April 1919 im „Westfälischen Hof/Saal Niemeyer“ der erste Film mit der Schauspielerin Lotte Neumann mit dem Titel „Herzensopfer“ gezeigt wurde. Auf dem Grundstück der Pferdeställe eröffnete Hermann Hagedorn 1920 das „Central-Theater“ mit 630 Plätzen. Damals  war das Kino gut besucht, es gab ja kein Fernsehen. Heute steht das Gebäude neben dem Amtsgericht nicht mehr.  Filme wurden schon seit September 2010 nicht mehr gezeigt. Helga Erdmann war die letzte Betriebsleiterin des Kinos. Sie hatte den Betrieb mit 56 Jahren 1996 übernommen. Für sie war es das zweite Wohnzimmer. Doch die Kasse stimmte irgendwann nicht mehr: Rund 4000 Euro monatliche Fixkosten mussten erwirtschaftet werden - zu viel, denn die Besucher wurden immer weniger. Manchmal waren es täglich nur vierzig zahlende Gäste.
Immobilienmakler Lothar G. Stalter hatte alles versucht, um hier wieder einem Kino oder Theater ein Zuhause zu geben - vergeblich. Es fand sich kein Investor.

Neue Strukturen
Stattdessen wird dort nun ein Wohnkomplex gebaut, der unter dem Namen „Central Wohnen“ zumindest noch etwas an das Central-Kino erinnert.
Auf 2000 Quadratmetern entstehen hier Wand an Wand mit dem Amtsgericht 16 Wohnungen und Büroräume. Die Wohnungen sind barrierefrei und altengerecht und sollen teilweise durch Laubengänge erschlossen werden. Ebenerdig soll es Gewerbe, aber keinen Einzelhandel geben.
Gedacht ist beispielsweise an eine Kanzlei. In der Tiefparterre entstehen vierzig Einstellparkplätze.
Im Rahmen des Stadtentwicklungskonzeptes 2030, das die Bahnhofstraße zu einem „Tor zur Ruhr“ umgestalten möchte mit Spiel- und Aufenthaltsqualität eine neue Chance.


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