Brand zerstört eine der ältesten Hofstellen Sprockhövels

Hof Fleing war schon lange unbewohnt, früher aber mal ein Ort der Bildung und Kultur.

Ein Feuer machte Haus Fleing an Karsamstag in der Hombergstraße endgültig den Garaus. Kaum jemand weiß, dass mit diesem Brand eine der ältesten Hofstellen Sprockhövels endgültig verschwunden ist

Ein Feuer machte dem alten Haus Fleing in der Niedersprockhöveler Hombergstraße am Karsamstag 2017 endgültig den Garaus. Kaum jemand weiß, dass mit diesem Brand eine der ältesten Hofstellen Sprockhövels endgültig verschwunden ist. Stadtarchivarin Karin Hockamp hat nachgeforscht.

Das Haus war unbewohnt und wirkte schon lange als Zeichen vergangener Zeiten. Nur ein Bild ist im Stadtarchiv von Hof Fleing überliefert und ein Gründungsdatum des Hofes kann auch nicht ausgemacht werden.
Die kurze Erwähnung des Amtmann Noelle in seiner Chronik von 1849, im Nebenhaus „des Landwirths Fleing auf Fleings“ befänden sich „einige aus früherer Zeit herrührende Glasmalereien“ lässt jedenfalls auf wohlhabende und zeitweilig kunstsinnige Besitzer schließen.

Eine der ältesten Hofstellen
Erste urkundliche Erwähnungen des Namens finden sich in alten Urkunden als Personennamen der Besitzer, Bewohner oder Abkömmlinge. Cone (= Konrad) to Vleying und Hinrich van Vleyng werden im Archiv der evangelischen Kirchengemeinde Sprockhövel aus dem Jahr 1463 erwähnt. 1486 wird Abel Vledinck als Steuerpflichtiger aus Sprockhövel beim Landesherrn registriert. Seine Steuerlast weist auf ein recht ertragreiches Gut hin. Der Name „Fleing“ wird von Sprachwissenschaftler Paul Dercks als „Die Leute der/des Schönen oder der/des Reinen“ gedeutet.

Ort der Bildung und Kultur
Auch weiß man, dass die Familie zeitweilig bedeutende Ämter ausgeübt hat. 1634 war Johannes Fleing Schreiber, auch sein Nachfolger Heinrich übte das Amt aus - was auf eine mögliche Vererbung innerhalb der Familie hinweist. 1657 wurde sogar die Schule des Dorfes nach Fleing verlegt.
Die Bewohner des Hofes gehörten 1775 zu den zehn Niedersprockhöveler Spendern, die den Neubau der Kirche in jenem Jahr mit mit dem Höchstbetrag von dreißig Talern förderten.
Zu dieser Zeit wird auf Fleings Land Kohle abgebaut, was zum Wohlstand der Familie weiter beigetragen haben dürfte. Auch schien das Anwesen ein Ort von Bildung und Kultur zu sein - was aber nicht immer so gewesen sein dürfte. „Als Johann Dietrich Fleing dem Waldecker Zuwanderer Johann Conrad Stracke Land in den Hülsen (heute Haßlinghauser Straße) verpachtete, konnte er nicht einmal seinen Namen unter die Urkunde setzten; er unterzeichnete den Vertrag mit drei Kreuzen“, so Stadtarchivarin Karin Hockamp.

Schule steht auf Fleings Weide
Immer handelte es sich bei Haus Fleing um einen relativ großen Grundbesitz. „Wie Heinrich West­ebbe herausgefunden hat, waren 1827 dem Hof 143 Morgen Land zu eigen, für Sprockhöveler Verhältnisse ein sehr großer Besitz“, erklärt Hockamp.
1878 heiratete der Hoferbe Friedrich Fleing Wilhelmine Braselmann aus (Ennepetal-) Oelkinghausen. Deren Kinder Friedrich, Emil und Elfriede waren die letzten Fleings auf Fleing.
Sie alle blieben ledig und hatten keine leiblichen Kinder.
Die drei Geschwister bewirtschafteten den Hof gemeinsam bis ins Alter.
Später wurde der größte Teil des Grundbesitzes des ehemals großen Hofes als Bauland verkauft bzw. verpachtet. Auch die Mathilde-Anneke-Schule steht heute auf einem Grundstück, das die Gemeinde Sprockhövel aus dem ehemaligen Besitz der Fleings erworben hatte. Damals hieß das Grundstück den amtlichen Dokumenten noch „Fleings Weide“.
Ein Brand in den 1940er Jahren zerstörte das sehenswerte Gebäude. Die Zeitumstände des Wiederaufbaus ließen nur einen kargen Neubau zu.
Der Brand an Karsamstag 2017 setzte einen Schlussstrich unter die jahrhundertealte Geschichte dieser einst bedeutenden Sprockhöveler Hofstelle.
Karin Hockamp


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