Botschafter a.D. Detlef Weigel: Im Dienst für Deutschland

Zuhause war er in der ganzen Welt, jetzt ist Sprockhövel seine Wahlheimat geworden.

Detlef Weigel in Sprockhövel auf der Hauptstraße

Bonn, Madrid, Stockholm, Jamaica, Berlin, Riga, Paris, Sprockhövel... Sprockhövel??? Wer die Lebensstationen von Detlef Weigel liest, muss unweigerlich zum Ende stutzen. Wie um alles in der Welt kommt ein  Botschafter a.D., ein Diplomat der Weltbühne, mit hautengem Kontakt zu den Großen und Mächtigen in ein „Dorf“ an die Peripherie des Bergischen Landes? Die Erklärung ist simpel: Es ist das Elternhaus seiner Frau, in dem die beiden seit Sommer 2016 leben - ein denkmalgeschütztes Haus aus 1901.
„Früher habe ich immer gesagt, ich würde niemals nach Sprockhövel ziehen“, lacht er. „Heute mag ich diesen grünen Flecken sehr gerne. Ich liebe Gartenarbeit und koche gern - und wenn ich das hier mache, dann kann ich die Rehe am Waldrand beobachten. Das ist sehr schön“, sagt der Mann, der zehn Jahre mitten in Paris gelebt hat.
Das Internationale hat ihn immer gereizt. Die Realisierung durch und in der Politik hat sich so ergeben. Parteimitglied war er nie - und „Parteisoldat“ ist bei ihm nicht vorstellbar. „In den achtziger Jahren beherrschte die Abrüstungsdebatte die Politik und die internationalen Beziehungen. Die Abrüstungsabteilung hatte in Bonn ihren Sitz auf dem Gelände des Kanzleramtes und ich sah Helmut Schmidt fast jeden Montag mit dem Hubschrauber aus Hamburg landen“, erzählt er.
Madrid und Stockholm waren die ersten internationalen „Einsätze“. Madrid, so sagt er, sei für ihn noch heute DIE europäische Stadt mit Flair und Lebensqualität. „Meine Arbeit war immer eine Mischung aus differenzierter handwerklicher Berichterstattung, verbunden mit einem Glamourfaktor an besonderen Orten in der Welt“, sagt er.
Ganz nah bei den Großen der Politik sein - Helmut Kohl zum Beispiel, oder Francois Mitterrand oder Francois Hollande, Außenminister Gromyko aus der damaligen UdSSR oder Südafrikas Präsident de Klerk - die Begegnungen sind ein „Who‘s Who“ der Mächtigen dieser Welt. „Besuche von Staats- und Regierungschefs machen viel Arbeit“, lächelt er. Das Sammeln von Informationen, die Recherche, das Berichten, das Bewerten und natürlich auch der persönliche Kontakt - etwa beim Abholen vom Flughafen - gehörten zu seinen Aufgaben.
Zwei Jahre lebte er mit seiner Frau und seiner damals gerade geborenen Tochter auf Jamaica. Mir bewaffnetem Personal, denn die tropische Trauminsel ist kein ungefährliches Pflaster. „Aber es ist wunderschön dort“, sagt er und könnte sich vorstellen, noch einmal als Tourist zu kommen.  Für die Familie sei es nicht immer einfach gewesen. Vor allem Ende der neunziger Jahre, als er vom Planungsstab des Auswärtigen Amtes in Bonn zur Botschaft nach Paris wechselte. „Da ging die Tochter schon in die Schule, die ersten Wochen waren schwer.“ Botschafter in Riga, nach zwei Jahren 2010 als Gesandter der Deutschen Botschaft Paris zum zweiten Mal in seinem Leben in die Seine-Metropole. Überall Auge, Ohr und Stimme der deutschen Politik sein. Und heute? Mit der Verkehrsanbindung in Sprockhövel - da hadert er und überlegt, sich ein Moped anzuschaffen. Die Umgehungsstraße ist dem Weltbürger ein Dorn im Auge. Die „Zukunftskommission“ der Stadt Sprockhövel hat er schon besucht, bei dem Neujahrsempfang vom Stadtmarketing und Stadtsportverband saß er auf dem Podium - mitdenken und mitmachen wird er auch in seiner neuen Heimat.


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