Beste Freunde gesucht für das Kinder- und Jugendhospiz

Hattingerin Anette Metzler hat einen Freundeskreis ins Leben gerufen - wer hilft noch mit?

Wer ein Kind bekommt, hat Träume, Erwartungen und Hoffnungen. Im Mittelpunkt der Überlegungen steht der Gedanke an das Aufwachsen des Kindes, an die Erlebnisse, die man gemeinsam haben wird. Man malt sich die Zukunft aus und freut sich darauf zu sehen, wie das Kind erwachsen wird. Doch für manche Eltern wird all das zunichte gemacht mit der Diagnose einer unheilbaren Krankheit, die Lebenszeitverkürzung bedeutet und in der Regel das Erwachsenwerden ihres Kindes nicht erlebbar macht. Eine Hilfe ist bereits zum Zeitpunkt der Diagnose das Kinder- und Jugendhospiz Burgholz in Wuppertal.

„Sofort nach einer solchen Diagnose ist ein guter Zeitpunkt, mit uns Kontakt aufzunehmen“, sagt Kerstin Wülfing, die in der stationären Einrichtung arbeitet und einen wichtigen Unterschied zu den Hospizen für Erwachsene deutlich macht: „Bei uns geht es nicht ums Sterben. Wir sind kein Ort der letzten Lebenswochen, sondern wir sind ein Ort der Entlastungspflege für Familien. Zu uns kommen Familien manchmal sogar über Jahre. Bis zu 28 Tage pro Jahr werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen und darüberhinaus tritt die Stiftung für entstehende Kosten ein. Die Familien, die zu uns kommen, müssen sich um Geld keine Sorgen machen. Deshalb sind wir auf Spenden und Unterstützung verschiedenster Art angewiesen.“
Die stationäre Wuppertaler Einrichtung ist diejenige, die für den Ennepe-Ruhr-Kreis und Witten am nächsten liegt. Die Familien, die nach Wuppertal gehen, kommen aber aus einem Umkreis von 150 Kilometern, denn es gibt nur vier Kinder- und Jugendhospize in NRW: Düsseldorf, Bielefeld, Olpe und eben Wuppertal.
Die Auslastung des Hauses in Wuppertal liegt bei 93 Prozent. Hier finden nicht nur die betroffenen Kinder, sondern eben die ganze Familie eine Möglichkeit, sich zu entlasten. Kerstin Wülfing weiß viele berührende Geschichten zu erzählen: Da ist die Mutter, die gerade mit ihren Kindern angekommen ist und Koffer auspacken möchte, plötzlich aber nicht mehr zurückkommt - weil sie einfach auf dem Boden vor Erschöpfung eingeschlafen ist. Da ist das Drillings-Elternpaar, welches einen plötzlichen Kindstod verkraften muss und nicht weiß, wohin und im Burgholz einen Ort zum Krafttanken findet. Oder auch jene Eltern, die nach der Diagnose sich auf den Tod des Kindes im ersten Lebensjahr einstellen sollen, dann aber ihr Kind viele Jahre begleiten, weil eben nicht immer alles vorhersehbar und diagnostizierbar ist.
Im April begeht die Einrichtung ihren dritten Geburtstag und hat mit der Hattingerin Anette Metzler eine Unterstützerin gefunden, die auf unterschiedliche Art hilft. So stand die Diplom-Pädagogin und Psychoonkologin in der Weihnachtszeit in der Sparkassen-Ehrenamtshütte auf dem Hattinger Weihnachtsmarkt zugunsten des Kinderhospizes Burgholz, kümmert sich aber auch um Veranstaltungen und den neuen Freundeskreis der Einrichtung, in dem unterschiedliche Netzwerker zusammenarbeiten.
„Ich bin ein sehr sozialer Mensch und engagiere mich vielfältig. Ich habe das Glück, mit meinem Mann drei gesunde Kinder zu haben und ich möchte gern von unserem Glück und Wohlergehen auch etwas weitergeben“, sagt sie.
Aktuell betreut die Einrichtung 250 Familien, 34 Kinder sind verstorben. Das jüngste Kind war bei der Aufnahme 21 Tage alt, das älteste Kind 26 Jahre. „Wenn Eltern mit ihrem Kind zu uns kommen“, dann haben sie akzeptiert, dass ihr Kind nicht gesund ist und das ist schwer“, so Kerstin Wülfing.
Die Einrichtung plant auch Besonderheiten wie ein Geschwisterwochenende ohne Eltern. Und es gibt einen Tag der offenen Tür, an dem sich das Hospiz vorstellt. Die Hemmschwelle sei einfach immer noch sehr groß.
Neben vielen ehrenamtlichen helfenden Händen gibt es natürlich einen Pool fester Mitarbeiter. Es gibt eine medizinische und sozialpflegerische Betreuung, eine Palliativpflege und eine Trauerbegleitung. Auch Seelsorger stehen zur Verfügung. Die Einrichtung wird als Stiftung vom Caritasverband Wuppertal/Solingen, der Diakonie Wuppertal und der Bethe Stiftung getragen.
Das ehrenamtliche Engagement ist sehr unterschiedlich. Neben finanzieller Unterstützung geht es auch um praktische Hilfe - zum Beispiel gibt es Menschen, die die Symbolfigur, den Fuchs, nähen, damit er auf Basare oder dem Weihnachtsmarkt verkauft werden kann. Oder es gibt helfende Hände bei Veranstaltungen oder auch, um vor Ort mal einen Rollstuhl zu schieben. Wer sich engagieren möchte, bekommt natürlich eine qualifizierte Einweisung.  
„Ein Kind ist hier bei uns sehr jung am 23. Dezember verstorben. Ihre Mutter kommt in jedem Jahr, um diesen Tag mit uns zu begehen. Sie sagt, wir gehören zu denjenigen, die sich an ihr Kind noch erinnern können, weil wir es noch kennenlernen konnten. Weil das Kind so früh verstarb, gibt es ja nicht viele Menschen, die es gekannt haben. Das berührt jedes Mal sehr.“


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