Bei vielen ist es einfach eine Frage der Bequemlichkeit

Ausgerechnet ältere Frauen fallen aus dem Bild. Sie tragen meist einen kurzen Haarschnitt.

Obwohl die Geschichte uns was anderes lehrt: Wir sind der festen Überzeugung, dass Frauen lange Haare haben sollten und Männer kurze. Sieht man mal von Hippies und ähnlichen Langhaarerscheinungen männlichen Geschlechtes ab, so gilt das Vorurteil seit mehreren hundert Jahren. Doch ausgerechnet ältere Frauen fallen aus dem Bild. Sie tragen meist einen ebenso kurzen Haarschnitt wie ­alle Nicht-Hippie-Männer.
Das wirft ganz klar die Frage nach dem Warum auf. Finden ausgerechnet junge Frauen keine Scheren, weil sie durch Beruf, Kinderkriegen und -aufziehen ständig von der Suche abgelenkt sind? Werden Frauen älteren Jahrganges von seiner Art Haarschneidemanie befallen, sobald die Fünfzig überschritten ist? Oder sind gar die Frisöre schuld, die erst dann zur Schere greifen, wenn weibliche Kunden ihren Personalausweis mit passendem Alter vorgezeigt haben?
Gerhard Traub, ein Frisör von „Arnoldy & Traub“ in München, hat dazu in einem Interview, nachzulesen auf „www.madame.de“, unter anderem das gesagt: „Bei vielen älteren Frauen ist es wahrscheinlich einfach eine Frage der Bequemlichkeit, was jedoch ­einen kurzen Schnitt meiner Meinung nach nicht rechtfertigt beziehungsweise nicht rechtfertigen sollte. Viele Frauen in einem gewissen ­Alter mit kurzem Haar wirken einfach viel zu ­maskulin.“
Also ist die Frage der Haarlänge doch eine Frage der Weiblichkeit. Der Schnittspezialist aus München ist sehr reserviert gegenüber Frauen, die in hohem Alter noch mit langen Haaren rumlaufen. Das klingt so, wie wenn man einem Mann mit langen Haaren vorwirft, er sei feminin. Alt- und Neu-Hippies kennen das.
Doch im öffentlichen Bewusstsein tut sich was. Ganz nah am Puls des Zeitgeistes ist man da, wo die entscheidenden Weichen fürs Leben gestellt werden, wo es sich teilweise um nichts weniger dreht als um alles oder nichts, wo Himmelhoch-jauchzend und Zu-Tode-betrübt oft dicht nebeneinanderliegen, wo Jahrtausende alte Themen beratschlagt werden: an Partnerbörsen im Internet.
Auf „www.elitepartner.de“ fragt beispielsweise eine 50-jährige Frau, die 1,70 Meter groß ist und 60 Kilogramm wiegt, mit bangem Herzen: „Meistens trage ich meine Haare hochgesteckt oder in einem Knoten. Manchmal einen geflochtenen Zopf. Viel zu selten trage ich sie offen. In der letzten Zeit frage ich mich manchmal, ob die Länge noch altersangemessen ist. Abschneiden? Ich hänge aber an meinen Haaren, sie gefallen mir.“ Das liest sich nach einem klassischen Zielkonflikt: Man hängt an etwas und kann es deswegen nicht abschneiden, auch wenn der gesellschaftliche Druck immens wird.
Doch viele der Antworten beruhigen die zweifelnde Frau, sprechen von unsinnigen Vorurteilen und dass frau durchaus noch mit 50 und älter langes Haar tragen könne, nur gepflegt müsse es sein. Auch da können langhaarige Männer mitreden.
Das klingt dann im Wortlaut so: „Natürlich kannst Du auch noch mit 50 schulterblattlange Haare tragen. Längere Haare sehen in jedem Alter weiblicher und hübscher aus. Es gibt keinen Grund, sie abzuschneiden.“ Gut auf den Punkt gebracht hat es eine andere Kommentatorin: „Dass längere Haare älter machen, stimmt nicht, ganz im Gegenteil. Fast alle älteren Frauen haben heutzutage kurze Haare, es ist schon fast ein Erkennungszeichen der älteren weiblichen Generation. Lange Haare, vielleicht sogar zusammen mit einer schlanken Figur, das wirkt jugendlich, sogar jung. Kurze Haare hat heute – leider – jede Oma. Meine Großmutter hatte bis zu ihrem Tod langes Haar, zum Knoten frisiert, und sie war immer sehr zierlich. Sie sah auch mit 80 noch gut aus.“
Naturgemäß sehen es die Hersteller von Haarveredlungs- und -reinigungsmitteln aus der Sicht des Umsatzes.  Da ist die Frage nach dem Lang oder Kurz schnell entschieden: Langes Haar braucht mehr Mittel als kurzes, von Glatzen raten die Hersteller grundsätzlich ab. Auf „www.schwarzkopf.de“ erfährt die interessierte Frau dazu dies: „Mit den Jahren wird das Haar feiner und dünner, weil die körpereigene Keratinproduktion abnimmt. In den Wechseljahren nehmen die weiblichen Geschlechtshormone – die Östrogene – rapide ab, wodurch sich der Alterungsprozess des Haares nochmals beschleunigt. Das Haar kann dadurch weniger voluminös wirken. Tipp: Stärken Sie Ihr Haar mit keratinhaltigen Produkten. Pflegen Sie es zudem ein- bis zweimal die Woche mit einer Haarkur und setzen Sie auf Styling-Produkte, die dem Haar Glanz geben sowie Schaumfestiger oder Volumenspray für Extra-Fülle. Für noch mehr ­Volumen föhnen Sie Ihr Haar zudem über eine Rundbürste.“


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