Babys sind Traglinge - deshalb sollten wir sie tragen

Das sagen viele Hebammen, Ärzte und die Hattinger Trageberaterin Denise Tangermann.

Denise Tangermann mit einer Babypuppe in der Wickelkreuztrage. Das ist die übliche Tragetechnik, wenn man ein Baby vorne trägt.

Denise Tangermann aus Hattingen ist Erzieherin, Studentin  und Mutter von zwei Söhnen im Alter von vier und sieben Jahren. Und sie ist Trageberaterin. Trage.... was??? Sie gehörte zu den Müttern, die ihre neugeborenen Kinder im Tuch trugen - und junge Mütter heute berät, wie das geht und warum man das machen sollte.

Klar, gesehen habe ich das schon öfter, früher oft in der Öko-Szene: Ich soll mein Kind im Tragetuch tragen, weil ich es neun Monate im Bauch getragen habe? Und mein Rücken? Immerhin wird der Nachwuchs schnell schwerer.
Denise Tangermann, die eng mit dem Bündnis für Familie in Hattingen zusammenarbeitet, und eine Ausbildung zur Trageberaterin gemacht hat, erklärt: „Ich habe meinen ersten Sohn Colin schon im Tuch getragen, ich fand das praktisch. Aber mit den Bindekünsten war ich nicht einverstanden. Dann habe ich zufällig eine Trageberaterin kennengelernt und wollte das auch lernen. Da war ich schon mit Moritz schwanger und als er geboren wurde, habe ich ihn fast täglich getragen. So hatte ich für meinen großen Sohn die Hände frei und mein Baby konnte die Kuschelzeit mit mir genießen.“
Das Tragetuch ist für Denise Tangermann quasi eine zweite Haut. „Wenn man Babys beobachtet, dann sieht man, dass sie beim Hochnehmen sofort die Beine spreizen in Erwartung der Tatsache, auf Mamas Hüfte Platz nehmen zu können. Nachwuchs zu tragen ist in der Geschichte von Mensch und Tier verankert.“ Viele Hebammen und Ärzte empfehlen diese Art der Fortbewegung, denn Babys sind Traglinge.

Gesunde Hüftentwicklung
Die Tragehaltung ist für das Baby gesund - wenn sie denn richtig durchgeführt wird. „Ähnlich wie die Wirbelsäule sind auch Becken und Hüftgelenke noch nicht ausgereift. Eine korrekte Anhock-Spreiz-Haltung sorgt dafür, dass der Oberschenkelkopf mittig und mit moderatem Druck in der Hüftpfanne sitzt. Mit dieser Haltung wird eine gesunde Hüft­entwicklung vom Kind gefördert“, erklärt die Fachfrau.
Für sie war das Tragetuch auch eine prima Alternative zu Kinderwagen und Buggy. „Es ist total praktisch, auch an schwierigen Orten oder beim Wandern mobil zu sein. Das Tuch hat man immer dabei und das lästige Verstauen des Kinderwagens im Auto fällt auch weg. Außerdem ist es kostengünstig. Und es stärkt durch die vertraute Körperwärme die Bindung zwischen Elternteil und Kind.“ Wird es nicht mehr gebraucht, kann es sogar als Hängematte für Erwachsene dienen.
Übrigens: Auch Zwillinge oder Geschwisterkinder können zeitgleich vorne und hinten getragen werden.
Doch Tragen ist nicht gleich Tragen. So gibt es eine Tragehilfe und verschieden große Tragetücher.  Es gibt mehrere Tragetechniken und auch unterschiedliche Stoffe für die verschiedenen Jahreszeiten. Etwas Fingerfertigkeit braucht man in jedem Fall, um das Baby richtig tragen zu können.
„Wer Rückenprobleme hat, sollte in jedem Fall vor dem Tragen des Babys einen Arzt hinzuziehen. Doch selbst Menschen mit Behinderungen der Arme können ihr Baby tragen. Noch sind es mehr Frauen als Männer, die ihr Kind tragen, aber auch Mann entdeckt die Vorteile. Wie lange man den Nachwuchs tragen möchte, hängt von der persönlichen Einschätzung ab - eben solange, wie Eltern und Kind es möchten.“
Viele Infos findet man auch unter www.ich-trage. de.

 


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