Anden-Getreide und Zahnpastadrops mit Schaumerlebnis

In der „Füllbar“ werden Biowaren verkauft, die lose und umweltverträglich eingepackt sind.

Katharina Lucas zeigt, wie unter anderem die Bohnen ins Glas kommen. Die Inneneinrichtung der „Füllbar“ an der Steinstraße 15 im Wiesenviertel ist selber angefertigt worden, das Abschlussprojekt einer Design-Studentin.

„Man kann nicht immer nur was kritisieren, man muss auch was tun“, sagt ­Katharina Lucas, 23, Medizinstudentin an der Uni Witten/Herdecke. Mit einer Handvoll Mitstreitern hat sie eine Idee umgesetzt: Gute Sachen zu verkaufen, die lose und umweltverträglich eingepackt sind.
Herausgekommen ist „Füllbar“, ein Laden im Hof an der Steinstraße 15, wo seit Mai dieses Jahres alles Mögliche an Biowaren verkauft wird, aber nicht eingepackt, sondern aus Gefäßen. „Die Idee ist nicht neu, früher war das der übliche Weg“, sagt Katharina Lucas.
Sie und weitere Ehrenamtliche tragen das Projekt im Wiesenviertel. Anfangs überschaubar, zeigt die Umsatz- und Bekanntheitskurve deutlich nach oben. Muss man jetzt Kidney- oder Kaffee-Bohnen in der Jackentasche mit nach Hause nehmen? „Die Kunden bringen selber Gefäße oder Tüten mit und füllen die Ware ab. Es stehen aber auch Beutel oder verschließbare Gläser zu Verfügung“, sagt Katharina ­Lucas.
Süßes und Knabbereien
Auf der Sortimentsliste stehen: Getreide, Müsli und Flocken, Nüsse und Samen, Kaffee, Nudeln und Reis, Hülsenfrüchte, Kräuter und Gewürze, Süßes und Knabbereien, Wasch-, Spülmittel und Seifen. „Wir bemühen uns, neben den großen Bioanbietern auch bei kleinen Erzeugern aus der ­Region einzukaufen“, sagt ­Katharina Lucas. So braucht man nicht gleich in die Anden zu fahren, um etwa das angesagte Getreide „Quinoa“ zu kaufen. Die Initiative hat einen Erzeuger im Münsterland entdeckt. Schon mal Zahnpasta-Drops mit einem unvergleichlichen Schaumerlebnis im Mund ausprobiert? Renner im Programm sind die Gummibärchen aus Fruchtsaft, nicht nur ­etwas für eingefleischte Vegetarier oder Veganer. Das Angebot passt sich den Kundenwünschen an. Von Zeit zu Zeit wird eine Liste abgearbeitet, wo die Waren vermerkt sind, die noch fehlen.
So kann man neuerdings Kaffeebohnen kaufen und gleich im Laden auch mahlen lassen. Etwa 90 Produkte sind so insgesamt im Sortiment zu finden. Und welche Kunden kommen ins Geschäft? Anfangs waren es vor allem die „Seh-Leute“, die sich mal umschauen wollten, nachdem das Presseecho verklungen war. Und dann kamen sicher viele Studenten? „Erstaunlicherweise nicht nur“, sagt Katharina Lucas, „obwohl unsere Mitarbeiter vorwiegend aus dem – nicht nur Wittener – studentischen Umfeld kommen. Die Kundschaft ist gut gemischt.“ Auffällig war, dass etliche alte Leute kamen, die den Verkauf lose aus dem Gefäß noch von früher kannten. Und junge Schüler, die Unterrichtsreihen über Nachhaltigkeit verstanden hatten. „Unser Engagement hat auch mit der Wertschätzung der Nahrung zu tun. Unser System ist endlich, man kann es nicht bis aufs Letzte ausbeuten. Wir erleben, dass es funktioniert. Aber unsere Kinder und Enkel?“, sagt Katharina Lucas nachdenklich.
Öffnungszeiten: montags bis freitags von 14 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 14 Uhr. Informationen auch im Netz unter www.fuellbar-witten.de.


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