Als aus der Henrichshütte ein Museumsbetrieb wurde

Historische Serie: Vor 25 Jahren wurde die Hütte achter Standort des Industriemuseums.

In unserer historischen Serie, die IMAGE zusammen mit dem Hattinger Stadtarchivar Thomas Weiß zu Papier bringt, geht es heute um die Entstehung des Industriemuseums Henrichs­hütte. Die Museumseröffnung fand am 2.9.2000 statt, aber bereits am 27.5.1993 - vor 25 Jahren - bezog das LWL-Industriemuseum offiziell den Hüttenstandort als achtes Westfälisches Industriemuseum.  

Der älteste Hochofen im Revier steht in Hattingen. Er ist zugleich das größte Ausstellungsstück an den Standorten im LWL-Industriemuseum. Doch bevor es zum achten Standort des Museums in Hattingen kam, ging dem Projekt der große Kampf um den Erhalt der Henrichshütte voraus. Das große Stahl-Jahrzehnt, in dem die Hattinger Betriebe schließen mussten - man denke beispielsweise an Muckenhaupt, Mönninghoff und eben 1987 die Henrichshütte - ließ für die weitere Zukunft Düsteres erahnen. Doch es sollte anders kommen, denn der Zusammenhalt, der aus dem Hüttenkampf entstanden war, blieb auch nach der Stillegung erhalten. Mehr noch, aus ihm heraus entstand Neues - der Museumsstandort Henrichshütte.
Kurz vor dem Mauerfall rotierten die Verantwortlichen auf allen politischen Ebenen - was in Hattingen auf der lokalen Ebene geschah, wurde regional oder sogar landesweit wahrgenommen. Wäre dies zeitlich mit dem Mauerfall zusammengefallen, dann wäre vielleicht manches anders gekommen.
So aber war man sich schnell auf allen Ebenen einig darüber, dass Teile des Hüttenareals als Museum erhalten bleiben sollten. Im September 1989 beschloss der Landschaftsausschuss die Errichtung eines Industriemuseums. Mehr als zwanzig Millionen DM wurden bereitgestellt und ein „Arbeitskreis Industriemuseum” wurde gegründet.
Einfach war das alles trotzdem nicht, denn es dauerte, bis erste Gelder flossen. Fünf Monate vor Stilllegung der Henrichshütte war der Hochofen 3 auf seine Sicherheit überprüft worden. Das Gutachen kam damals zu dem Schluss, dass der Rost dem Stahlkoloss dermaßen zugesetzt hatte, dass seine Sicherheit gefährdet war.
Nun, nach der Stillegung des gesamten Betriebes und dem Wunsch, den Hochofen als bedeutendes Industriedenkmal zu erhalten, kämpfte man um Gelder für korrosionshemmende Mittel, um den Stahlriesen zu retten. Am 23. Mai 1993 bezog das Westfälische Industriemuseum offiziell mit dem Hüttengelände seine achte Filiale. Der Aufbau des Museums selbst war hingegen ein langer Prozess.
Stadtarchivar Thomas Weiss erinnert sich: „Die 600-Jahr-Feier der Stadt Hattingen 1996 fand mit einem Festakt, der Hattingen Revue, in der Gebläsehalle statt. Da standen wir quasi auf einer Baustelle. Früher war die Henrichs­hütte zu ihrer aktiven Zeit ein geschlossener Kosmos für alle, die dort arbeiteten. Aber die anderen Hattinger Bürger waren dort weniger präsent. Das änderte sich mit dem Museumsstandort und musste zunächst in die Köpfe der Bevölkerung.”
Ständig, so Weiss, habe sich etwas geändert. „Es gab kein fertiges Konzept, vielmehr war das Entstehen des Museums ein ständiger Prozess. Und es ging bei dem Aufbau ja auch nicht um die Frage, woher man ein paar Bilder bekam. Wenn Robert Laube ein Ausstellungsstück haben wollte, dann mussten Tonnen bewegt werden.”
Die Frage, wie aus dem früheren Stahlbetrieb ein Museum werden konnte, war nicht einfach zu beantworten. Mit der Zeit entstanden immer mehr Projekte: der Weg der Ratte als Erkundung des Museums für die jüngeren Besucher, die Schaugießerei, um den Arbeitsaspekt von früher zu dokumentieren, die zunehmenden verschiedenen Veranstaltungen in der Gebläsehalle über Ausstellungen, Konzerte bis hin zum Rudelgucken bei Fußball-Großereignissen.
Außerdem musste der Museumsstandort noch ein Kriterium erfüllen: Zu seinen Anfängen hatten die meisten Hattinger noch eine persönliche Beziehung zur Hütte, denn irgendwer aus der Familie hatte dort auch mal gearbeitet. Heute hingegen ist der persönliche Bezug für viele Hattinger nicht mehr vorhanden. Trotzdem muss der Standort lebendig bleiben und auch für nachfolgende Generationen präsent sein - was er auch ist, beispielsweise durch die in der Regel alljährlichen Abiturfeiern in der Gebläsehalle und die vielen Veranstaltungen wie Autoparty, Schöne Sterne oder Volksbank.klassisch. Geschichte ganz lebendig!


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